Akten beim Suchdienst: 1,5 Millionen jüdische Kinder im Weltkrieg ermordet

Beeindruckender und bedrückender Vortrag: (von links) Museumsleiterin Dr. Birgit Kümmel und Udo Jost vom Historicum 20 begrüßten die Referentin Dr. Susanne Urban im Christian-Daniel-Rauch-Museum. Foto:  Saure

Bad Arolsen. Dass Kinder immer die Opfer von Krieg und Gewalt sind, die am stärksten betroffen sind und die im Besonderen an ihrer Seele geschädigt werden, das führte der ebenso beeindruckende wie bedrückende Vortrag von Dr. Susanne Urban über Schicksale von jüdischen Kindern dem Publikum im Christian-Daniel-Rauch-Museum vor Augen.

64000 Akten in der eigens für die Klärung der Kinderschicksale eingerichteten Abteilung des Internationalen Suchdienstes (ITS) „Kinder-Suchdienst“ machen das Ausmaß klar. Die Zahl der 1,5 Millionen jüdischen Kinder, die im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden, vermag das Grauen noch ergreifender zu beschreiben, gleichwohl man sich das unvorstellbare Leid und die Verzweiflung der Eltern nicht vorstellen kann, deren Kinder verschleppt wurden und deren Schicksal sich nie endgültig klären ließ.

„Wir müssen ihnen mitteilen, dass sich keine Spur ihres Kindes gefunden hat“. So oder so ähnlich musste oft die Antwort des ITS oder seiner Vorgängerorganisationen wie der UNRRA auf Anfragen von Eltern oder Verwandten lauten.

Dr. Urban zitiert aus einem Brief einer Offizierin, selbst Überlebende des Holocaust, die den Eltern nicht auf bürokratische Weise, aber doch unmissverständlich klar macht, dass es ihr siebenjähriges Mädchen nicht geschafft haben kann. Dr. Susanne Urban, Historikerin und Abteilungsleiterin der neu aufgebauten Abteilung für Forschung und Bildung beim ITS, gab zuerst eine Einführung in die ursprünglichen Pläne der Alliierten.

Während den West-Alliierten, besonders den Amerikanern sowohl die Erstversorgung als auch die Suche nach Angehörigen der Millionen von so genannten „Displaced Persons (DP´s)“ am Herzen lag, gab es in der sowjetischen Zone keine derartigen Auffanglager.

Dr. Urban beschrieb, dass die meisten überlebenden, aber „unbegleiteten“ Kinder in den DP-Zentren zur Ruhe kamen. „Am Ende fanden sie in der Regel sich und ein eigenes Leben, beteiligten sich an Politik und Wirtschaft“, lautete ein Zitat. Doch für manche gab es trotz des Überlebens des Holocaustes und der Konzentrationslager kein Happy End, zumindest nicht sofort.

Angesichts der derzeitigen Lage im Nahen Osten im Hinblick auf die IS-Kämpfer, entließ die Vortragende das Publikum mit der Frage, ob wir aus 64000 Kinderakten wirklich genug gelernt haben. (zhs)

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