Angeklagter zieht Berufung zurück: Urteil wegen sexueller Nötigung rechtskräftig

Bad Wildungen. „Ich werde für etwas bestraft, das ich nicht getan habe.“ Mit brechender Stimme hat ein 61-jähriger Mann aus Bad Wildungen am Dienstag vor dem Landgericht seine Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts vom April letzten Jahres zurückgezogen.

Dieses Urteil ist damit rechtskräftig.

Die Vorinstanz hatte den Mann der sexuellen Nötigung schuldig gesprochen. Er habe an seinem Arbeitsplatz in Bad Wildungen zwei damals 36 und 38 Jahre alten Kolleginnen sexuell bedrängt, mal in einem abgeschlossenen Raum unsittlich berührt, mal in einem Aufzug geküsst. Dafür hatte ihn das Amtsgericht zu einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Richter Liebermann machte gestern gleich zu Beginn des Verfahrens klar, dass auch in der Berufung kaum ein anderes Urteil zu erwarten sei. Auch Oberstaatsanwalt Jürgen Müller-Brandt konnte ihm kaum Hoffnung machen: Selten habe er ein so gut und gründlich begründetes Urteil gelesen, er sehe nicht, dass die Kammer zu einer anderen Beurteilung kommen könne.

Nach Rücksprache mit seinem Verteidiger akzeptierte der Angeklagte schweren Herzens diese Auskunft. Er habe seit 1957 für den Arbeitgeber gearbeitet, sei inzwischen zu einem der ältesten Mitarbeiter geworden. Er vermutete, dass er mit den Vorwürfen der sexuellen Nötigung aus dem Unternehmen gemobbt werden sollte. Inzwischen sei das auch gelungen, er habe aufgegeben und gekündigt.

Sein Leben sei zerstört, sagte er Mann: „Ich bin gestraft, schlimmer kann es nicht kommen. Ich bin kaputt.“

Richter Liebermann sprach ihm Mut zu. Mit der Annahme des Urteils habe er Verantwortung übernommen und die Basis dafür gelegt, dass die Ereignisse der Vergangenheit nun auch wirklich abgeschlossen werden können.

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