Apotheke vor der Tür: Mit Kräuterpädagogin Michaela Ashauer unterwegs

Sie beschäftigt sich seit Jahren mit den Wildkräutern: Michaela Ashauer aus Schwalefeld erklärt auf Kräuterwanderungen, wie welche Pflanze heißt und wie sie in Küche und Kosmetik eingesetzt werden kann. Fotos: Laumann

Schwalefeld. Rotklee bei Hautunreinheiten, Löwenzahn für die Verdauung: Michaela Ashauer setzt auf die heilende Kraft der Pflanzen. Auf Kräuterwanderungen gibt sie ihr Wissen weiter. Und sie weiß, worauf manche Männer schwören.

Schwalefeld. Wer mit Michaela Ashauer auf Kräuterwanderung geht, kommt nicht weit. Keine 100 Meter sind geschafft, da hat sie das erste Wildkraut entdeckt: die Brennnessel. Ashauer steht an der Ecke „Unter der Burg“ in Schwalefeld und zupft die oberen Blätter ab.

„Man sollte nur die schönen nehmen“, erklärt die 47-Jährige. Aus den Blättern lässt sich Tee kochen oder einen Smoo-thie machen. „Viele setzten auf die Brennnessel als Nierenpflanze“, sagt die Kräuterpädagogin. Einige schwören auch auf die potenzsteigernde Wirkung der Brennnessel. „Aber mit der Heilwirkung muss man vorsichtig sein“, sagt sie. Manche Männer mögen damit Erfolg haben, die Wirkung sei aber nicht wissenschaftlich belegt.

Brennnesseln wachsen auf nährstoffreichen Böden und können das ganze Jahr über geerntet werden. „Am besten schneidet man die oberen Triebspitzen ab, damit frische nachwachsen“, sagt die Schwalefelderin. Wer die Pflanze stehen lässt, kann später die Samen ernten und rösten. Zwei Schritte weiter gibt es den nächsten Kräutertipp: Löwenzahn. „Der enthält viele Bitterstoffe und regt die Magen-Darm-Tätigkeit an“, verdeutlicht Ashauer und ergänzt: „Man sollte nicht so große Mengen davon essen, das verträgt man nicht.“ Für den Anfang sollten Interessierte ein Blatt kleinschneiden und unter den Salat mischen. „Das merkt dann niemand“, sagt Ashauer und lacht.

Den benachbarten Rot-Klee erkennt man am besten, wenn er in voller Blüte steht. Generell gilt: Kräuter sollten nur verarbeitet werden, wenn sie eindeutig bestimmt werden können. „Viele glauben, dass sie nach einer Kräuterwanderung 20 Arten bestimmen können“, erklärt Ashauer. „Wenn sie sich hinterher trauen ein, zwei Pflanzen zu bestimmen und anzuwenden, ist viel erreicht.“

Auch für den Rotklee hat sie einen Tipp: Der Honig in der Blüte stärke die Abwehr und schmeckt süß. Daraus lassen sich Limonade und Gelee zubereiten. Die Pflanze kommt auch in der Naturkosmetik bei Hautunreinheiten während der Pubertät und den Wechseljahren zum Einsatz.

Und noch eine besondere Pflanze entdeckt Michaela Ashauer im Graben: die Schafgarbe. Das aromatische Kraut sei besonders im Frühjahr, wenn die Blüten rauskommen, ein Genuss. Mit ihren ätherischen Ölen seien die Blätter als Zugabe zu Bratkartoffeln und Kräuterbrot zu empfehlen. Gesund sei die Pflanze auch noch. Das Kraut wird wegen seiner blutstillenden Wirkung beispielsweise bei trockener, rissiger Haut sowie Hämorrhoiden in Salben verwendet.

Michaela Ashauer bedauert, dass viele dieser Tipps „ein bisschen in Vergessenheit geraten sind“. Sie schätzt die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Zudem würden viele Menschen die Produkte aus der Naturkosmetik besser vertragen als die chemischen Alternativen. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: „Wildkräuter stehen auf engstem Raum. Man muss nicht weit gehen, um sie zu entdecken.“

Von Anke Laumann

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