Austritt aus der Kirche ab jetzt im Rathaus möglich

Gesetzesänderung: Wer seiner Kirche den Rücken kehren will, muss ab morgen nicht mehr ins Amtsgericht, sondern in die Stadt- oder Gemeindeverwaltung seines Wohnorts gehen. Archivfoto: dpa

Waldeck-Frankenberg. Mitglieder von Glaubensgemeinschaften, die ihre Kirche verlassen wollen, müssen dies ab dem 1. März im Rathaus ihres Wohnortes beantragen. Bisher war dafür das nächstgelegene Amtsgericht zuständig. Das Verfahren wird somit einfacher, aber gleichzeitig auch teurer.

In der Kreisstadt Korbach zum Beispiel können Kirchenaustritte ab morgen im Bürgerbüro im Rathaus anzeigt werden. Dort sind die Öffnungszeiten mit 51 Stunden an sechs Tagen im Gegensatz zum Amtsgericht Korbach (31,5 Stunden, fünf Tage) deutlich länger. In welcher Abteilung die neue Aufgabe angesiedelt ist, können die Kommunen selbst entscheiden, berichtet Carsten Vahland, Leiter des Korbacher Ordnungs- und Standesamtes.

Mit dem Wechsel der Zuständigkeit erhöhen sich auch die Kosten. Bislang waren für den Austritt 25 Euro zu bezahlen. Nach der Verlagerung der Arbeit in die Rathäuser werden nun 30 Euro Verwaltungsgebühr fällig.

Im evangelischen Kirchenkreis Twiste-Eisenberg sieht man der Änderung gelassen entgegen. „Ich befürchte kein verändertes Austrittsverhalten“, sagte Dekanin Eva Brinke-Kriebel. Eine charmante Idee wäre es allerdings gewesen, die Zuständigkeit auf die Kirchenkreisämter zu übertragen, in denen ja bereits die Kircheneintrittsstellen angesiedelt seien. „So hätte es Gelegenheit gegeben, mit den Menschen, die austreten wollen, noch einmal ins Gespräch zu kommen“, so die Dekanin.

Auch bei der katholischen Kirche rechnet man nicht mit vermehrten Austritten. In anderen Bundesländern sei die Kirchenaustrittserklärung gegenüber der zuständigen Kommunalverwaltung schon länger möglich. „Da wurden nach der Umstellung keine erhöhten Zahlen bekannt“, erklärt Aegidius Engel, Pressesprecher des Erzbistums Paderborn, zu dem das Dekanat Waldeck gehört. (tk/jpa)

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