Beratung für Blinde: "Man hört intensiver zu"

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Mit Hilfsmitteln gut durch den Alltag: Karl Hallenberg kann mit einem speziellen Programm problemlos E-Mails lesen und beantworten.

Vasbeck. Es ist keine leichte Aufgabe, vor der Karl Hallenberg immer wieder steht: Er berät Blinde und Sehbehinderte und hilft ihnen, dabei ihr Leben mit Behinderung zu gestalten.

Der 73-Jährige ist Teil eines Beraterteams vom Blinden- und Sehbehindertenbund in Hessen.

Immer dienstags von 17 bis 19 Uhr bietet Hallenberg, der selbst stark sehbehindert ist, ehrenamtlich eine telefonische Beratung für Betroffene an, nach Vereinbarung auch ein persönliches Gespräch. „Der Beratungsdienst wird gut angenommen. Es sind auch viele Anrufer dabei, die nicht im Landkreis wohnen“, erzählt Hallenberg. „Und es halten sich längst nicht alle an die Beratungszeit“, ergänzt er schmunzelnd.

Schon früh bekam der gebürtige Vasbecker Probleme mit den Augen. Bereits im Alter von 25 Jahren kam es bei ihm zu einer Nerzhautablösung, die im Marburger Klinikum behandelt werden musste. Aktuell liegt seine Sehstärke nur noch bei einem Prozent. Verzweifelt ist Hallenberg deshalb aber nicht. „Man muss sich damit abfinden und das Beste daraus machen. Für mich ist das keine Behinderung, sondern eine Herausfoderung, der ich mich jeden Tag stelle. Und ich bin stolz auf mich, weil ich so gut klar- komme.“ Mit dieser positiven Einstellung kann Hallenberg die Anrufer aufbauen und ihnen Tipps für den Alltag geben.

Beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband hat er verschiedene Seminare absolviert und ist zertifizierter Berater. „Viele Anrufer sind depressiv und kommen mit der plötzlichen Einschränkung nicht zurecht. Gerade älteren Menschen fällt es schwer, sich auf die neue Situation einzustellen. Deshalb ist es umso wichtiger, die Angehörigen mit ins Boot zu holen.“ Hallenberg findet sich im Alltag gut zurecht. Fehlendes Sehvermögen gleicht er mit Gehör und Hilfsmitteln aus. Lupenbrille, eine Vergrößerungs-Software sowie ein Vorlesesystem für den Computer ermöglichen alltägliche Büro-Arbeit. Aber auch außerhalb seines Heims hat Hallenberg keine Schwierigkeiten. „Man hört intensiver zu. Außerdem kann ich mich mit dem Langstock gut orientieren.“

Der 73-Jährige fährt regelmäßig mit Bus und Bahn zu Terminen. Dabei fällt ihm auch immer wieder auf, ob sich Bahnhöfe auf die Bedürfnisse von Behinderten eingestellt haben. „In Kassel Wilhelmshöhe gibt es zum Beispiel keine Bodenindikatoren, an denen man sich mit dem Stock orientieren könnte. Aber kleinere Bahnhöfe im Landkreis haben diese Punkte meistens.“

Generell sei gegenseitige Rücksichtnahme wichtig. „Es ist nicht schlimm, mit der Behinderung zu leben. Aber es ist schlimm, wenn man gehindert wird, damit klarzukommen“, sagt Hallenberg.

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