Bio-Eier-Skandal

Bio-Eier-Skandal: Gut Kappel setzt auf Transparenz und Regionalität

Im Wintergarten am Stall: Johannes und Tina Rodewyk mit ihrem Hahn Hugo und einer Legehenne aus ihrer Bio-Freilandhaltung. Das Gut Kappel muss bei jeder Bio-Kontrolle alle Karten auf den Tisch legen, um überhaupt ein Bio-Siegel zu erhalten. Fotos:  Wüllner

Mengeringhausen. Wenn Martina und Johannes Rodewyk in ihre Hühnerställe auf Gut Kappel in Mengeringhausen gehen, dann klopfen sie vorher an die Tür. „Damit die Hühner keinen Schrecken bekommen“, sagt Johannes Rodewyk.

Beide vermeiden Stress für die Tiere und beide leben das Bio-Land-Leben. Deshalb ärgern sie sich auch umso mehr, dass jetzt alles was Bio heißt, in eine Schublade gesteckt wird. Denn nach dem jüngsten Bio-Eier-Skandal, in dem es um falsch deklarierte Bio-Eier geht, sind Verbraucher erneut verunsichert. Millionen Eier vor allem aus Niedersachsen sollen als Bio-Eier verkauft worden sein, obwohl sie nicht vorschriftsgemäß produziert wurden. Hintergrund ist der Verdacht auf Betrug durch Überbelegung der Ställe.

Seit über 15 Jahren sind die Rodewyks Mitglied im Naturland-Anbauverband. Heute ist das Gut spezialisiert auf Bio-Geflügelhaltung mit der Erzeugung von Bio-Eiern und frischem Schlachtgeflügel. Die Produkte werden direkt am Hof, über regionale Wochen- und Bauernmärkte und im regionalen Lebensmittelhandel verkauft. „Das was passiert ist, ist in großen konventionellen Betrieben passiert“, sagt Rodewyk im Gespräch mit der HNA. „Hier geht es um zu hohe Besatzdichten in den Ställen, fehlende Auslaufflächen bei den Tieren und Manipulationen bei der Kennzeichnung, um daraus dann Bio-Eier zu machen und ein Verstoß gegen die Bioverordnung.“ Das sei eine bewusste Verbrauchertäuschung.

Für den Verbraucher nachvollziebar: Die Null steht für ökologische Erzeugung, DE steht für Deutschland, die 6 steht für das Bundesland Hessen. Und am Ende die Betriebsnummer des Hofes Gut Kappel.

Die Rodewyks stempeln die Eier in ihrem Betrieb nach EU-Vorgaben. Und sie zählen sie auch täglich, protokollieren das und sie werden regelmäßig und oft auch unangemeldet kontrolliert. Ihre monatlichen Statistiken müssen sie zum statistischen Landesamt schicken. Platz haben sie für 5150 Legehennen, belegt sind aber nur 4300 Plätze, verteilt auf vier Ställe. Die Tierzahl ist dabei auf sechs Hennen pro Quadratmeter nutzbarer Stallfläche beschränkt. Rodewyks Hühner haben sogar einen Wintergarten. Denn die kleinen Sensibelchen dürfen halt nicht bei jedem Wetter raus.

„Transparenz ist für uns ganz wichtig“, sagen die Rodewyks. Und auch Regionalität. Um überhaupt ein Bio-Gütesiegel zu erhalten, müssen sie bei jeder Bio-Kontrolle „Hemd und Hose ausziehen“. Sie müssen belegen, wie viele Legehennen sie haben, wie viele Eier die produzieren, was und wie viel die Hühner fressen. „Das muss ja alles zusammen passen“, sagt Johannes Rodewyk. Normaler Weise sei es nicht möglich, fremde Eier zusätzlich abzustempeln. Denn das würde nicht mehr mit der Zahl der gemeldeten Hühner passen. „Da hat wohl die Ex-Käfig-Lobby das Ruder übernommen“, sagt Rodewyk.

Gut Kappel besuchen

Er empfiehlt Verbrauchern, einfach mal hinter die Fassade der Anbieter zu schauen, möglichst Regional einzukaufen. Leider gebe es „die Gier nach billigen Lebensmitteln“ und da werde nicht mehr genau geschaut, was dahinter steckt. „Wenn jeder Verbraucher wie beim Autokauf so genau darauf achten würde, was er kauft, dann hätten wir diese Probleme nicht“, sagte Rodewyk.

Von Monika Wüllner

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