Ein bisschen Frieden: Asylbewerber feiern mit beim Seniorennachmittag

+
Serbast und Ahmed aus Syrien machten Späße brachten die Senioren zum Lachen.

Fürstenberg. Mit einem Lächeln begrüßen die Fürstenberger ihre „Gäste, Freunde, Mitbürger". Eine Gruppe junger Eritreer kommt herein und gibt den Gastgebern die Hände.

Mit einer Mischung aus Englisch und Deutsch verständigen sie sich. Pfarrer Klaus Nobiling fragt, wie es ihnen geht und betont: „Ich denke, die Fürstenberger geben ihr Bestes."

Das bestätigt Daniel aus Eritrea, der seit vier Monaten im Fürstenberger Hof lebt, wo auch die anderen der mehr als 30 Flüchtlinge untergebracht sind. Er erklärt, dass es schwierig ist, wenn so viele Menschen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Charakteren zusammen sind. „Es ist eine Herausforderung für alle Beteiligten“, sagt der Pfarrer.

Vor allem jetzt, in der dunklen Jahreszeit, haben es die Asylbewerber nicht leicht. Die ländliche Lage und das trübe Wetter erschweren die Situation der Flüchtlinge, die in den ersten neun Monaten nach ihrer Ankunft nicht arbeiten dürfen und somit über eine Ablenkung wie das Treffen an diesem Tag froh sind. In Eritrea sind Tag und Nacht das ganze Jahr gleich lang, und die Temperatur ändert sich kaum, erklärt Pfarrer Nobiling. Und in Pakistan ist es durchschnittlich zehn Grad wärmer als in Deutschland. In der Adventszeit fällt auf, was vielen der Asylbewerber fehlt: eine Familie, eine Heimat, eine Perspektive.

Die Kirche und die Dorfgemeinschaft leben die Botschaft von Weihnachten: Sie binden die Ausländer in ihre Gesellschaft ein, laden sie zum Sport ein, bieten ihnen Deutschunterricht an. Bettina Schäfer organisiert, dass Sachspenden an diejenigen gehen, die es wirklich brauchen. Eine Fürstenbergerin hat drei der Asylbewerber für Heiligabend nach Hause eingeladen.

Die Gitarrengruppe spielte mehrere Advents- und Weihnachtslieder, die in Deutschland typisch sind.

Die Fürstenberger sind sich bewusst darüber, dass ihr Dorf für Asylbewerber kaum geeignet ist - abgesehen von der großen Unterkunft „Fürstenberger Hof“. Denn es gibt wenig Infrastruktur. Ein Mann aus Eritrea sagt, wie unglücklich er darüber sei, dass er nicht in einer Stadt untergekommen ist. „Seit einem Jahr bin ich nun hier, und es hat sich noch nichts geändert“, bemängelt er. Gerne würde er sich weiterentwickeln. Wer den Ort besucht, bekommt den Eindruck, dass sich die Fürstenberger umso mehr anstrengen, damit die Fremden sich wohlfühlen. „Wir werden uns bemühen, dass diejenigen, die schon lange hier sind, bald Arbeit finden“, sagt Daniel Fein, der engen Kontakt zu den Flüchtlingen hat.

So schmeckt Weihnachten 

Zumindest ein bisschen Frieden und Geborgenheit wollen die Menschen aus Lichtenfels vermitteln. An diesem Nachmittag spielt die Gitarrengruppe deutsche Weihnachtslieder, und alle, die können, dürfen mitsingen: „Alle Jahre wieder“, „Es ist für uns eine Zeit angekommen“, „Süßer die Glocken nie klingen“. Die Deutschen und die Ausländer hören den Klang des Advents, sie erleben bei Stollen und Plätzchen, wie Weihnachten schmeckt.

Zum Schluss gibt es noch eine Überraschung: Ein Mädchen einer Flüchtlingsfamilie nimmt all ihren Mut zusammen und stimmt das Lied „Feliz Navidad“ an, das in vielen Ländern bekannt ist. Lauter Applaus, gute Stimmung. Ein Syrer zweckentfremdet die Adventsdekoration auf den Tischen und schmückt sich damit. Das amüsiert auch die Senioren.

Von Stefanie Rösner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.