Forderung der Linken im Kreis Waldeck-Frankenberg

Cannabis legalisieren? Kreispolitik entdeckt das Kiffen

Waldeck-Frankenberg. Die Linken im Kreistag fordern jetzt die kontrollierte Abgabe von Cannabis-Produkten: Waldeck-Frankenberg soll dabei zur Modellregion für den ländlichen Raum werden.

Es ist schmerzlindernd, kann aber Psychosen auslösen. Es entspannt, kann aber auch zu Angstzuständen führen. Die Rede ist von Cannabis - einer stark umstrittenen, aber häufig konsumierten Droge in Deutschland. Momentan ist Cannabis verboten. Die Linken im Kreistag fordern jetzt die kontrollierte Abgabe von Cannabis-Produkten: Waldeck-Frankenberg soll zur Modellregion werden.

Vor der Beratung darüber in der Kreistagssitzung an diesem Donnerstag, 5. November, erklärt Heidemarie Boulnois (Die Linke) im Interview, worum es dabei geht.

Frau Boulnois, stellen Sie uns den Antrag der Linken für den Kreistag kurz vor. Was ist das Ziel des Projekts? 

Heidemarie Boulnois: Das Thema ist sehr vielschichtig, es geht nicht darum, dass wir uns bloß populistisch für die Freigabe von Cannabis aussprechen. Zunächst einmal ist es ein Auftrag an den Kreisausschuss, sich mit der Materie dezidierter zu befassen. Wenn über Sucht und Prävention gesprochen wird, steht bislang meist der Alkohol im Blickpunkt. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass auch in Waldeck-Frankenberg illegaler Handel mit Drogen betrieben wird. Das Verbot ändert nichts daran, es brandmarkt aber die Konsumenten als Kriminelle. Auch die, die Cannabis aus gesundheitlichen Gründen benötigen. Außerdem sind die Risiken hoch, bei einem Dealer an ein verunreinigtes Produkt zu gelangen. Deswegen würde die kontrollierte und lizenzierte Abgabe Sinn machen.

Es geht ihnen aber nicht nur darum, im Kreistag einen Gedankenanstoß zu geben, das Projekt soll doch auch umgesetzt werden, oder? 

Boulnois: Ja, natürlich. Aber in einem Hauruckverfahren kann das nicht gehen. Wir wollen die Stellen einbeziehen, die mit der Problematik bereits befasst sind. Da gehört die Polizei genauso dazu wie die Präventionsinitiativen und auch die Beratungsstellen müssen mit ins Boot. Außerdem soll das Projekt wissenschaftlich begleitet werden, auch die gesundheitlichen Aspekte könnten in einer Studie mit einbezogen werden.

Wie stellen Sie sich die Abgabe konkret vor? 

Boulnois: Wir reden nicht über Hunderte von lizenzierten Abgabestellen in Waldeck-Frankenberg, im zeitlich befristeten Modellprojekt werden es vielleicht zwei sein. Das könnten Coffeeshops wie in den Niederlanden sein, wir können uns aber auch eine Abgabe in Apotheken vorstellen. Was sinnvoll ist und was sich praktisch umsetzen lässt, darüber müssen sich dann die Fachleute, die ein solches Projekt begleiten, Gedanken machen. Wichtig ist uns dabei, dass die Nutzer in einer lizenzierte Verkaufsstelle wissen, was in dem Produkt enthalten ist, dass sie beraten werden und so eine effektive Präventionsarbeit geleistet wird.

Die Gegner solcher Projekte argumentieren mit den gesundheitlichen Risiken und befürchten, dass durch eine Legalisierung die Zahl der Konsumenten und Abhängigen steige. Was entgegnen Sie? 

Boulnois: Wir sind überzeugt, wenn Cannabis legalisiert wird, geht der Konsum deutlich zurück. Das zeigen auch Studien aus Portugal und den Niederlanden. Und die gesundheitlichen Risiken des Cannabiskonsums sind weniger hoch wie die des Alkoholkonsums. Ich halte es für dramatischer, dass Alkohol legal von 16-jährigen gekauft werden kann. Das wird gesellschaftlich akzeptiert. Dabei haben wir in den vergangenen Jahren in Deutschland massive Probleme mit Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen gehabt.

Warum ist Waldeck-Frankenberg aus ihrer Sicht als Modell-Region geeignet? 

Boulnois: Ähnliche Anträge gab es bisher vor allem in den Ballungsräumen und nicht in den Flächenkreisen. Das Problem besteht aber auch im ländlichen Raum. Ich denke, der Landkreis Waldeck-Frankenberg wäre deshalb für ein solches Modellprojekte geeignet.

Haben Sie selbst schon mal einen Joint geraucht? 

Boulnois: (lacht) In meiner Jugend mit Sicherheit, aber nicht exzessiv. Man probiert ja in dem Alter mit Freunden einiges mal aus.

Von Lutz Benseler

Rubriklistenbild: © dpa

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