Pierre Brice und Lex Barker waren Filmhelden seiner Jugend

Wie im Film: Karl Schlömer reitet als Winnetou durch Wirmighausen

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Stilecht: Karl Schlömer als Winnetou am Originaldrehort in Kroatien.

Wirmighausen. Schon als kleiner Junge kannte er nur einen Helden: Für Karl Schlömer aus Wirmighausen ist Winnetou längst mehr als ein Hobby oder eine Verkleidung.

Der Wilde Westen fängt gleich hinter Wirmighausen an: Pendragon galoppiert durch den Wald wie einst Winnetous Rappe Iltschi durch die Prärie. Die Hufe fliegen über den weichen Boden, Karl Schlömer sitzt fest auf dem Rücken seines Pferds, ohne Sattel spürt er jeden Muskel, jede Bewegung Pendragons. Das glänzendschwarze lange Haar von Schlömers Perücke fliegt im Wind. Ein mit Perlen besticktes Stirnband hält es zusammen.

Im hellbraunen, mit bunten Perlenstickereien verziertem Ledergewand und Mokassins sieht Schlömer aus wie der leibhaftige Häuptling der Apachen. Am Gürtel steckt ein Messer, in der linken Hand hält er die Zügel, in der rechten die Silberbüchse - ein doppelläufiges Gewehr, dessen Holzteile mit silbernen Nägeln beschlagen sind. Wie bei Winnetou in den Filmen.

Helden seiner Jugend 

Pierre Brice und Lex Barker waren die Filmhelden in seiner Jugend. „Deutschland stand damals Kopf wegen der Filme“, sagt Karl Schlömer, Jahrgang 1957. Vor mehr als 50 Jahren löste „Der Schatz im Silbersee“ als erster Film der Reihe eine unvergleichliche Begeisterung aus. Der „Bravo“ lagen Indianerkostüme als Schnittmuster bei, die Schallplatten zum Film verdrängten die Beatles von der Chart-Spitze. „Als Junge wollte jeder Winnetou sein“, erinnert sich Schlömer. Den „Schatz im Silbersee“ hat er mindestens 25 Mal gesehen.

Vom Mittelalter begeistert 

Die Faszination der Helden aus Karl Mays Feder lässt ihn nicht mehr los - auch wenn sie viele Jahre in den Hintergrund tritt: Nach Schule folgt Studium, dann lernt Schlömer seine künftige Frau in Hamburg kennen - und lebt seinen zweiten großen Kindheitstraum aus: Die Verfilmung von „Ivanhoe, der schwarze Ritter“ hat ihn schon als kleinen Jungen für das Mittelalter begeistert. Das junge Paar nimmt an Mittelaltertreffen teil, erste Kostüme entstehen aus alten Bettlaken. 1991 zieht Schlömer mit seiner Frau ins Waldecker Land, wo er seine Wurzeln hat.

Pferd und Reitunterricht 

Er kauft sich ein Pferd, nimmt Reitunterricht und reitet fortan als Ritter, schwarzer Abt oder Robin Hood durch Wirmighausens Felder. „Andere lesen viel, eigenen sich Wissen an oder sammeln. Für mich ist wichtig, es nachzuempfinden“, sagt Schlömer. Die Wirmighäuser beobachten den kostümierten Reiter zunächst irritiert. „Mittlerweile verstehen mich viele“, sagt er. Für ihn sei es ein ideales Hobby als Ausgleich zum Job als Qualitätsmanager in der IT-Branche.

Doku im Fernsehen 

2009 zeigt das Fernsehen eine Dokumentation zu Pierre Brice’ 80. Geburtstag. Schlömer sieht sie, das Feuer ist wieder entfacht: „Das Jugendgefühl war wieder da.“ Und er will wieder nachempfinden, was es heißt, Winnetou zu sein. Mit einfachen Kostümen fängt es an, dann wird er immer perfekter: Schlömer lässt sich Winnetous Silberbüchse nachbauen und ein Kostüm nähen. „Die Perlen für die Stickereien sind vom Foto des Originalkostüms abgezählt.“

Drehorte besucht 

Er reist nach Kroatien, um die Drehorte der Filme zu besuchen. Er lernt das Land kennen und lieben, knüpft Freundschaften, lernt sogar Kroatisch. Neun Mal war er inzwischen dort, am Zrmania Canyon, wo das Pueblo der Apatschen stand, an der Paklenica Schlucht und am Gipfelplateau des Tulove Grede im Velebit-Gebirge, wo die Gräber von Winnetous Vater Intschu tschuna und seiner Schwester Ntscho-tschi liegen. „Ich kenne dort jeden Stein“, sagt Schlömer. „Es ist ein tolles Gefühl, am Drehort mit Kostüm und Silberbüchse zu reiten. Da geht ein Jugendtraum in Erfüllung.“

Karl-May-Fans können sich per E-Mail an Karl Schlömer wenden: karl.schloemer@web.de

Von Lutz Benseler

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