Hängebrücke über Diemelsee: Naturschützer äußern Kritik an Plänen

Soll Touristen in die Region locken: Das Modell zeigt die Hängebrücke über den Diemelsee, aufgenommen am 25. Januar bei der Vorstellung in Diemelsee. Foto:  dpa

Diemelsee. An den Plänen privater Investoren, über den Diemelsee die längste Hängebrücke Deutschlands zu bauen (wir berichteten), gibt es jetzt Kritik von Naturschützern.

Die 400 Meter lange Brücke soll das Naturdenkmal „Sankt Muffert“ mit der Halbinsel „Hohes Rad“ verbinden. Der NABU-Kreisverband Waldeck-Frankenberg, die Diemelseer NABU-Gruppe und der Verein für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerland (VNV) beurteilen das Projekt wegen der Eingriffe in die Natur und des erwarteten Besucheransturms allerdings kritisch. Sie fordern die Prüfung alternativer Standorte für die Brücke.

Der größte Naturschutzverband im Kreis wurde von der Gemeinde und den Investoren frühzeitig über die Pläne informiert. Bei einem Ortstermin wurden die sensiblen Waldgebiete besucht und eine schonende Bauausführung zugesagt. Die NABU-Vertreter befürchten trotzdem eine starke Beeinträchtigung der Felsen im „flächenhaften Naturdenkmal“ Sankt Muffert.

Der Traubeneichenwald an den Steilhängen besitzt nach Auskunft des Botanikers Wolfgang Lehmann eine hochsensible Bodenflora mit dem Blassen Habichtskraut als absoluter Rarität. Außerdem wachsen dort zahlreiche Flechten- und Moosarten. Die Felsen seien ein potentieller Uhu-Brutplatz und Lebensraum von Schlingnatter und Eidechsen, erläutert er.

Ferner befürchtet der NABU eine starke Störung der Brut- und Rastvögel auf dem Diemelsee durch die Besucher auf der Brücke. Im Winter halten sich auf dem Wasser die scheuen Gänsesäger und viele Entenarten auf. Im Dezember 2016 sorgte wie berichtet der seltene Gelbschnabeltaucher für viel Aufsehen unter Ornithologen. Als Brutvögel sind viele Haubentaucher und Graugänse am See heimisch.

Die Naturschutzverbände fordern eine Prüfung von Alternativstandorten für die Brücke im vorgesehenen Planverfahren, um die Eingriffe in Natur- und Landschaft zu minimieren. Sie warnen vor einem großen Besucheransturm, vergleichbar mit der Geierley-Hängebrücke im Hunsrück mit etwa 370 000 Besuchern im ersten Jahr. Mindestens fünf Hektar landwirtschaftliche Fläche würden durch Parkplätze überbaut.

„Ist das Straßennetz rund um den Diemelsee überhaupt geeignet, die Fahrzeugmassen aufzunehmen?“ Das fragt der NABU-Kreisvorsitzende Heinz-Günther Schneider (Laisa). Er befürchtet hohe Folgeinvestitionen für die Gemeinde in die Infrastruktur. „Das bisherige Konzept des naturnahen, ruhigen Wandertourismus passt nicht zum geplanten Event- Projekt“, betont er.

Während der NABU die übrigen Entwicklungen am Diemelsee zum Beispiel den Bau weiterer Ferienhäuser akzeptiere, befürchte er durch den Eventtourismus hohe Lärmbelästigungen. Das Landschaftsbild der Region sei durch viele Windräder ohnehin schon stark belastet.

Wie weit die Pläne für die Brücke sind und warum die Diemelseer jetzt Konkurrenz aus Rottweil bekommen, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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