Seltener Gast aus Sibirien: Gelbschnabeltaucher am Diemelsee

Rarität: Ornithologen haben ein Exemplar des Gelbschnabeltauchers auf dem Diemelsee entdeckt. Es ist das erste Mal, dass der aus Sibirien stammende Vogel in Hessen gesichtet wurde. Dieses Foto hat Richard Götte am 16. Dezember bei Kottthausen aufgenommen. Foto: nh

Diemelsee. Vogelliebhaber sind begeistert: Der Gelbschnabeltaucher ist am Diemelsee gesichtet worden. Es ist das erste Mal, dass er in Hessen beobachtet wurde.

So weit im Binnenland ist der Gast aus dem hohen Norden normalerweise nicht anzutreffen. Dieses Ereignis hat in der Fachwelt bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

Der Waldeck-Frankenberger Naturschutzbund meldet auf seiner Internet-Seite, dass sich der „diesjährige Gelbschnabeltaucher“ seit dem 13. Dezember auf dem Diemelsee bei Kotthausen aufhalte. Den Vogel hat Bernd Koch aus dem westfälischen Wickede entdeckt, am Folgetag bestätigten Franz-Josef Stein und Richard Götte seine Beobachtung. Von dem Vogel liegen inzwischen im Online-Portal „ornitho.de“ zahlreiche Beobachtungen und Belegaufnahmen vor. Der NABU hebt hervor, dass es sich um die Erstbeobachtung für Hessen handele. Auch gestern wurde der Gelbschnabeltaucher noch am Diemelsee entdeckt.

„Für mich war es überraschend“, sagt Alfred Gottmann - der Benkhäuser ist NABU-Mitglied und ein versierter Kenner der Vogelwelt am Diemelsee. „Eine solche Beobachtung ist äußerst selten.“ Zunächst hätten Ornithologen den Vogel für einen Eistaucher gehalten - er oder der Sterntaucher seien öfter im Binnenland anzutreffen, berichtet Gottmann. Erst mit besserer Ausrüstung sei einwandfrei festgestellt worden, dass es sich um einen Gelbschnabeltaucher handele.

Wie er an den Diemelsee gefunden hat, ist unklar. Dass er durch einen Sturm „verdriftet“ wurde, nimmt Gottmann nicht an. Auffällig ist: „Er hat am Hals eine Verletzung“, sagt er. Wo sie herrührt, lasse sich nicht feststellen. Könnte es eine Schusswunde sein? Das bleibe Spekulation. Der Vogel sei dieses Jahr geschlüpft und habe seinen ersten Winter vor sich. Sein Tauchrevier liegt bei Kotthausen nahe der Talsperre. „Er ist sehr, sehr ortstreu“ hat Gottmann festgestellt. „Um sein Überleben mache ich mir keine Sorgen“. Denn Fische gibt es im See genug.

Den Gelbschnabeltaucher haben Vogelkundler inzwischen auch bei längeren Tauchgängen beobachtet. Bei den ersten Sichtungen habe er dies noch nicht getan, berichtet Gottmann - vielleicht wegen seiner Halsverletzung.

Die Beobachtung zieht Ornithologen von weit her an den Diemelsee. Bei einer Wasservogelzählung hat Gottmann am Ufer einige Autos mit ihm unbekannten Kennzeichen gesehen. Er traf Naturfreunde aus Baden-Württemberg und Sachsen, die sich den Gelbschnabeltaucher ansehen wollten.

Der Benkhäuser schätzt, dass der Vogel den Winter über in Kotthausen bleibt, sofern der See nicht zufriert. Und im Frühjahr fliegt er wohl wieder gen Nordosten zu den Brutgebieten seiner sibirischen Verwandtschaft. (sg)

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