Von Anlagen „umzingelt“: Diemelstadt spricht sich gegen Marsberger Windmühlen aus

Geplant: Die Stadt Marsberg will weitere Windkraftanlagen im Grenzgebiet zum Roten Land aufstellen. Archivfoto:  Mönkemeyer

Diemelstadt. Die Stadt Marsberg will im Grenzgebiet zum Roten Land weitere Windkraftanlagen aufstellen lassen. Nun hat sich die Stadt Diemelstadt mit einer deutlichen Stellungnahme an die westfälische Nachbarstadt zu Wort gemeldet. Durch die Anlagen würden „Teile der Ortslagen regelrecht umzingelt", schrieb Bürgermeister Elmar Schröder.

Dass die Diemelstadt die Energiewende unterstütze und in ihrem Gebiet selbst zahlreiche Windkraftanlagen stehen, machte Schröder gleich zu Beginn in der ausführlichen Stellungnahme klar. Gründe, die gegen weitere Anlagen im Grenzgebiet sprechen, fand er dennoch einige. Neben „erheblichen visuellen Belastungen“, Lärm und Schlagschatten zählen auch die „fehlende Eignung der Flächen vor allem aus ornithologischer Sicht“ dazu.

Ein weiterer Knackpunkt sind die Abstände. Während in Hessen 1000 Meter zu Wohnsiedlungen vorgeschrieben sind, wird im Entwurf der Stadt Marsberg mit 700 Metern geplant. Im Rhoder Rathaus liegen außerdem Informationen dazu vor, dass ohne weiteren Netzausbau oder den Bau eines Umspannwerks kein weiterer Strom in die vorhandenen Netze eingespeist werden kann. „Bereits heute werden Neudorfer Windkraftanlagen abgeschaltet, weil der Strom nicht abgenommen werden kann“, so Elmar Schröder. Außerdem könne durch ein Repowering bisheriger Anlagen eine Steigerung der Produktionsleistung erreicht werden. Ein Neubau weiterer Anlagen sei also gar nicht notwendig.

Brisant: Die bisher ausgewiesenen Flächen sind fast ausschließlich in Privatbesitz. Dieses Thema sei bei der Flächennutzungsplanänderung so „defizitär behandelt“ worden, dass „ein unbefangener Betrachter der Planung zu der Auffassung gelangt, dass es sich hier um eine ,Klientelplanung’ handelt“. Einige Landeigentümer würden bereits mit Investoren in Verhandlungen stehen, sogar Vorverträge sollen schon abgeschlossen worden sein. Elmar Schröder empfiehlt, die Planungen vorläufig zurückzustellen und die bisherige Planungsgeschwindigkeit in „erheblichem Maße“ zu drosseln.

„Viele, viele Stellungnahmen“ von Trägern öffentlicher Belange sind bei der Stadt Marsberg eingegangen, sagt Werner Besche, Leiter des Bauamts. Die Sichtung sei gerade abgeschlossen, jetzt beginne die Auseinandersetzung.

Die 700 Meter, die als Abstand zu Wohnhäusern angegeben seien, „sind keine planerische Zielsetzung“, sagt Besche. Damit werde sich der Stadtrat noch beschäftigen und der Bauamtsleiter geht davon aus, dass es später „mindestens 800 Meter“ werden, eventuell sogar 900. Um die Anzahl der Anlagen, die im Grenzgebiet aufgestellt werden sollen, mache man sich noch keine konkreten Gedanken. Dies sei Bauherren und Pächtern überlassen.

Ende des Jahres soll die Bevölkerung beteiligt werden. Ob Versammlungen stattfinden oder ob es eine schriftliche Beteiligung wird, ist noch nicht entschieden. Ebenso ist noch unklar, ob auch Anwohner aus dem Roten Land angesprochen werden.

Dort ist es derzeit ruhig geworden. „Wir wissen noch nicht, was kommt und warten erst einmal ab“, sagt Hesperinghausens Ortsvorsteher Hermann Groß. Einigen Einwohnern gehören ausgewiesene Windflächen im Westfälischen. In Helmighausen ist die Meinung zweigeteilt, sagt Ortsvorsteherin Hiltrud Bodenhausen: Einige seien dagegen, andere würden abwarten. „Dafür ist aber keiner.“

Von Julia Renner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.