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Unbekannte Tiefe: Rhoder Schlossbrunnen ist knapp 100 Meter tief

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Blick in die Tiefe: Der Weg in knapp 100 Meter Tiefe ist durch Lampen erhellt.

Rhoden. Zehn Sekunden. So lange dauert es, bis der Schluck Wasser, den Walter Bracht in den Brunnen kippt, unten ankommt. Gut 100 Meter tief ist der Rhoder Schlossbrunnen.

Allzu viel ist über den Brunnen allerdings nicht bekannt.

Schon im zwölften oder 13. Jahrhundert könnte es den Brunnen gegeben haben, erzählt Walter Bracht von der Bezirksgruppe Diemelstadt des Waldeckischen Geschichtsvereins. „Es gibt wenige Infos und wenige verlässliche Quellen“, sagt Bracht.

Auch darüber, wie das tiefe Loch entstand, ist nicht viel bekannt. Bracht hat jedoch eine Theorie: Die ungewöhnliche Form des historischen Gewölbes könnte bedeuten, dass ein hohes Laufrad aufgebaut wurde, das ein Mann durch Muskelkraft antrieb. So konnten Schutt und Steine aus der Tiefe möglicherweise leichter hinauf befördert werden, so Bracht.

Bekannt ist unterdessen ein Todesfall. Ein etwa zwölfjähriger Junge ist im 17. Jahrhundert zu Tode gekommen, weil er in den Brunnen stürzte. So steht es in der „Wahlschen Chronik“.

Am Rande des Brunnens: Walter Bracht von der Bezirksgruppe Diemelstadt des Waldeckischen Geschichtsvereins kann viel berichten über den Schlossbrunnen.

In der jüngeren Vergangenheit wurde das dunkle Gewölbe dann gern genutzt, um Kartoffeln oder Runkeln zu lagern. Am Ende des ZweitenWeltkriegs wurden dann SA-Abzeichen, Parteibücher der NSDAP oder sogar Waffen in der Tiefe entsorgt. „Manchmal wurden auch tote Katzen oder Hunde hinein geworfen,“ sagt Walter Bracht.

Erst in den 1970er-Jahren änderte sich das. Unter der Leitung von Werner Grineisen haben Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Rhoden 1977 den Brunnen „ausgemistet“. Mit aufwändigen Sicherungsmaßnahmen haben sich Feuerwehrleute in die Tiefe begeben und tonnenweise Schutt nach oben befördert. „Das wurde sehr behutsam gemacht wegen möglicher Munition.“ Auch die Mauer wurde zu dieser Zeit genau auf ihre Standfestigkeit kontrolliert. Die Fugen wurden schließlich erneuert, einige Scheinwerfer angebracht und eine Gitterabsperrung auf das Loch geschraubt.

Mittlerweile haben etwa fünf Rhoder einen Schlüssel zu dem Gewölbe, das von der Langen Straße aus durch eine kleine, vergitterte Tür zu erreichen ist. Auch Walter Bracht besitzt einen Schlüssel. Denn er geht immer mal wieder während Stadtführungen mit Besuchern in das Gewölbe.

Wer Interesse daran hat, sich den Brunnen anzuschauen, kann sich mit Bracht in Verbindung setzen unter Tel. 05694/1373.

Von Julia Renner

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