Windkraft: Bauanträge für elf neue Anlagen im Roten Land liegen vor

Bauanträge liegen vor: Elf neue Windkraftanlagen (hier ein Symbolbild) könnten im Roten Land entstehen. Foto:  dpa

Diemelstadt/Marsberg. Elf weitere Windkraftanlagen könnten bald schon im Grenzgebiet zwischen dem Roten Land und Marsberg entstehen. Entsprechende Anträge hat der Windpark Rotes Land gestellt.

Der Windpark Rotes Land betreibt bereits zahlreiche Anlagen unter anderem bei Neudorf.

Bis zu 200 Meter hoch sind die Anlagen, die zwischen Helmighausen, Hesperinghausen und Marsberg-Erlinghausen entstehen könnten. Das Antragsverfahren hat bereits am Donnerstag begonnen. Bis zum 11. März können die entsprechenden Unterlagen im Rathaus der Stadt Marsberg, Lillersstraße 8, und im Landratsamt des Hochsauerlandkreises eingesehen werden. Darauf weist die Stadt Diemelstadt hin.

Schriftliche Stellungnahmen können dann bis 25. März dort abgegeben werden. Dass auch Bürger aus den angrenzenden Diemelstädter Ortsteilen Helmighausen, Hesperinghausen und Neudorf dazu berechtigt sind, betont Bürgermeister Elmar Schröder. Er selbst war überrascht von den Anträgen. Denn zeitgleich finde bei der Bezirksregierung Arnsberg das Verfahren für den Regionalplan und bei der Stadt Marsberg die Flächennutzungsplanung statt (HNA berichtete). „Es werden somit drei Verfahren zum gleichen Projekt auf der gleichen Fläche überlagert“, sagt Schröder. Der eigentliche Weg vom Regionalplan zum Flächennutzungsplan bis hin zum Bauantrag werde dadurch „ausgehebelt“.

Für die Bürger sei das problematisch. Man verliere schnell den Überblick über Stellungnahmen, Fristen und Beteiligungsmöglichkeiten. „Ich halte diese Vorgehensweise für rechtlich äußerst bedenklich.“ Um alle Interessierten zu informieren, lädt die Stadt deshalb zu einer Veranstaltung ein. Am Mittwoch, 25. Februar, wird sie in der Dorfhalle in Helmighausen stattfinden. Beginn ist um 19 Uhr. Themen werden die fachlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen sein, die Sach- und Rechtslage wird ausgiebig erörtert.

Schon häufiger regte sich Widerstand im Roten Land gegen geplante Windkraftanlagen. Und das nicht nur aus Naturschutzgründen. Viele Einwohner fühlen sich mittlerweile regelrecht umzingelt von den Anlagen. Schon im September hatte die Diemelstadt deutlich Stellung bezogen gegen geplante Anlagen im Grenzgebiet. Visuelle Belastungen seien zu befürchten, ebenso Lärm und Schlagschatten. Hinzu kommt, dass die Marsberger lediglich 700 Meter Abstand zur Wohnbebauung einhalten wollen - in Hessen sind es 1000 Meter.

Die Anträge auf weitere Windkraftanlagen hat der Windpark Rotes Land gestellt und der Windpark Uhlenflucht/Schweinestiegel. Beide Firmen haben personelle Überschneidungen. Zehn Anlagen mit einer Gesamthöhe von 200 Metern wurden beantragt, eine mit einer Gesamthöhe von 175 Metern. Aufgestellt werden sollen sie zwar ausschließlich auf westfälischem Gebiet, aber direkt an der Grenze zum Roten Land. Elmar Schröder mahnt: „Ein positiver Bescheid zu diesem Bauantrag würde bedeuten, dass die Anlagen bereits gebaut werden könnten, bevor der in der Aufstellung befindliche Regionalplan und Flächennutzungsplan Rechtskraft erhalten würden.“

Von den Anträgen für elf weitere Windkraftanlagen war auch das Bündnis „Vernunftwende Marsberg und Waldecker Nachbarn“ überrascht. Der Zusammenschluss mehrerer Waldecker und Marsberger Bürgerinitiativen will jetzt noch einmal mobil machen.

„Wir planen ein neues Flugblatt mit Hinweisen zu den aktuellen Entwicklungen“, sagt Kurt Bernhardt aus Hesperinghausen. Aus seiner Sicht müssen möglichst viele Menschen informiert werden und somit auch zu Stellungnahmen bewegt werden.

Stärker vernetzt hat sich das Bündnis mittlerweile mit Bürgerinitiativen aus dem Paderborner Raum, um von Erfahrungen zu profitieren. Gegründet wurde jetzt auch der „Verein zum Schutz der Kulturlandschaft Marsberg und Waldeck“. Darüber sollen auch Spenden akquiriert werden, vor allem für Anwaltskosten. „Ohne Spenden kommen wir nicht über die Runden“, sagt Bernhardt. Juristische Schritte gegen die Anlagen sind für das Bündnis allerdings „die letzte Option“. (ren)

Weitere Infos gibt’s auf www.vernunftwende-marsberg-waldeck.de.

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