Dritte Chance

Tierquälerei: Ex-Landwirt bekommt Bewährungsstrafe

Kassel/Waldeck-Frankenberg. Trotz eines langen Vorstrafenregisters wegen Tierquälerei hat ein ehemaliger Landwirt aus Waldeck-Frankenberg von der 9. Strafkammer des Landgerichts Kassel eine dritte Chance erhalten. Das Strafmaß wurde im Berufungsverfahren zur Bewährung ausgesetzt.

Richter Liebermann blieb am Donnerstag im Berufungsverfahren zwar beim vom Amtsgericht Korbach im Januar 2014 verhängten Strafmaß von acht Monaten und zwei Wochen, setzte diese aber für drei Jahre zur Bewährung aus.

Bei zwei früheren Verurteilungen wegen Tierquälerei und fahrlässiger Körperverletzung war der 50-Jährige aus Waldeck-Frankenberg bereits zu zwei Freiheitsstrafen verurteilt worden, von denen er auch jeweils einen Teil abgesessen hat. Der Rest wurde zur Bewährung ausgesetzt, die bis Mitte 2016 läuft.

Bereits im Jahr 2010 hatte das Amtsgericht ein Tierhaltungsverbot für den Landwirt ausgesprochen, der bis dahin rund 100 Milchkühe und Rinder gehalten hatte. Das Veterinäramt des Landkreises Waldeck-Frankenberg hatte immer wieder schwere Verstöße festgestellt. Zum Beispiel hatte der Landwirt vier Rindern mit einer Drahtsäge ohne Betäubung die Hörner abgesägt - eine extrem schmerzhafte und verbotene Prozedur, die nur vom Tierarzt und unter Betäubung vorgenommen werden darf. Obwohl ihm der berufliche Umgang mit Rindern verboten war, wurde der Mann im Mai 2013 erneut straffällig. Weil der Pächter seines Hofes sich nicht mehr um die Kühe kümmerte, tat er dies selbst. Als eine Kuh einen Gebärmuttervorfall erlitt, habe er - so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft - dem unbetäubten Tier die Kehle durchgeschnitten. Er habe es ausbluten lassen, um das Fleisch verwerten zu können.

Der Angeklagte zeigte sich einsichtig: Er sei mit dem Hof überfordert gewesen, bereue die Tat und wolle versuchen, den angerichteten Schaden „auszubügeln“. Staatsanwalt Jan Uekermann hatte sich gegen eine Bewährungsstrafe ausgesprochen. Trotz zweier Gefängnisaufenthalte habe er erneut eine „grausame Tat“ an einer Kuh begangen.

Dass der Mann nun trotzdem mit einer Bewährungsstrafe davonkam, begründete der Richter mit der inzwischen komplett anderen Situation des Angeklagten. Sein Hof stehe zum Verkauf, es gebe dort keine Rinder mehr und auch keine Möglichkeit, welche zu halten. Insofern sei es auch wahrscheinlich, dass er keine neue Tierquälerei begehe. An den Tierschutzverein Bad Wildungen muss der Angeklagte zudem 1800 Euro zahlen.

Bewährungshelferin Sigrid Engelhard hatte dem Angeklagten eine gute Sozialprognose gestellt. Er habe Chancen auf Festanstellung in einem Holzhandel und könne so zum Unterhalt der Familie beitragen. Richter Liebermann brachte es in seiner Urteilsbegründung so auf den Punkt: „Sie sind kein Bauer mehr, enttäuschen Sie uns nicht.“

Von Thomas Stier

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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