Im Edertal

Juwel im Edersee-Atlantis: Wiederaufbau der alten Bringhäuser Brücke gefordert

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Edersee-Atlantis: Die Pfeiler der alten Ederbrücke zwischen Bringhausen und Scheid beflügeln die Fantasie, nachdem WIR Edertaler einen Wiederaufbau der Brücke ins Gespräch gebracht hat. 

Das Edersee-Atlantis lockt Touristen an. Davon soll auch die Gemeinde Edertal profitieren: Die Fraktion WIR Edertaler fordert, die alte Bringhäuser Brücke wieder aufzubauen.

„Wir plädieren immer für einen vollen See“. Das schickte Holger Blume voraus, bevor er den Antrag der Fraktion WIR Edertaler vorstellte: Sie schlägt vor, einen Wiederaufbau der Bringhäuser Brücke zu prüfen, deren Original-Lager sich noch zwischen der Halbinsel Scheid und der Bringhäuser Bucht befinden. Der Edersee ist in diesem Jahr so leer wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Damit trägt die WIR der Tatsache Rechnung, dass beim Wasserstand nicht viel mehr als Lippenbekenntnisse erreicht worden seien. Die aktuelle Lage gebe Anlass zur Sorge über die wirtschaftliche Entwicklung der Ferienregion Edersee.

Video: Edersee-Atlantis: Das untergegangene Bringhausen

„Alle am See haben ihren Anziehungspunkt im Atlantis: die Aseler Brücke, die Bericher Hütte, die Dorfstelle Berich. Edertal bleiben nur die Bruchstücke von Altbringhausen“, begründete Blume den Vorstoß der WIR. Eine wieder aufgebaute Brücke würde diese Lücke schließen und hätte aus Sicht der Fraktion einen besonderen, zusätzlichen Charme: Sie würde Scheid und Bringhausen in Phasen des Niedrigwassers und verbinden und so helfen, Autoverkehr zu vermeiden. „Statt bei der Fahrt um den halben See Zeit zu verlieren, könnte der Besucher diese für einen Spaziergang von Scheid zur Dorfstelle Berich einsetzen“, fügte Blume hinzu. Davon würde auch Waldeck profitieren.

Video: Edersee-Atlantis: Wenn die alte Brücke von Asel auftaucht

Darum regt die WIR-Fraktion an, sich mit den Waldeckern zusammenzusetzen, um das Projekt gemeinsam unter die Lupe zu nehmen. Blume verband den Antrag mit dem Vorschlag, das Thema zur gründlichen Beratung in den Ausschuss zu überweisen.

Vorrangig gelte es, sich beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt sowie beim Kreisbauamt nach den Chancen für eine Genehmigung zu erkunden. In zweiter, aber ebenso entscheidender Linie gehe es um Möglichkeiten der Finanzierung, besonders mit Blick auf Unterstützung aus Fördertöpfen wie dem Leader-Programm der Europäischen Union.

Markus Jungermann (SPD) zeigte sich skeptisch: „Es würde sich nicht um den Erhalt von Grundmauern handeln, sondern um ein echtes Ingenieurbauwerk.“

Das Edersee-Atlantis: Hier sind die einzelnen Orte zu finden

Die Kosten müsse die Gemeinde zum größten Teil selbst tragen, meinte er. Dabei verwies er auf Kritik des Steuerzahlerbundes an der Sanierung der Aseler Brücke seinerzeit. Wichtiger sei die Aufgabe, am Sperrmauervorplatz endlich etwas Neues zu schaffen.

Trister Blick von oben: Der Edersee führt derzeit kaum noch Wasser, wie diese Fotografie von oben zeigt die Doris Büschel gemacht hat.

Karl-Heinrich Neuschäfer (SPD) rückte die Überreste von Alt-Bringhausen in diesem Zusammenhang ins Bewusstsein: „Wir bekommen Hinweise, dass die Reste durch Besucher gefährdet sind. Die Gemeinde muss sich darum kümmern, sie zu schützen, damit sie nicht bald ganz verschwunden sind.“

Mit 19 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen und zwei „Nein“ überwiesen die Gemeindevertreter das Thema zur Beratung in den Ausschuss.

Das Edersee-Atlantis lockt Touristen: Ansturm auf Gästebetten

Aktuelles aus der Gästebilanz an der Talsperre: Im August stieg die Zahl der Personenankünfte am Edersee im Vergleich zum Vorjahr um 17,3 Prozent, die Zahl der Übernachtungen um 8,1 Prozent, berichtet ET-Geschäftsführer Klaus Günther auf Anfrage. Grundlage sind Zahlen des statistischen Landesamtes für Betriebe ab 10 Betten.

Video: Edersee-Atlantis: Wenn Alt-Berich aus den Fluten steigt

Magisch: Edersee-Atlantis taucht weiter auf

Edersee, Bucht Nieder-Werbe"Die berühmte Handbreit Wasser unterm Kiel ..."
Edersee, Bucht bei Nieder-Werbe © Michael Leipold/nh
Edersee-Atlantis: Nach den Resten von Gut Vornhagen am Waldecker Schlossberg ist inzwischen auch die Fahrbahn der noch vollständig erhaltenen Werbebrücke aufgetaucht; im Hintergrund links die Bericher Hütte mit Talsperrenmodell.
Edersee-Atlantis: Nach den Resten von Gut Vornhagen am Waldecker Schlossberg ist inzwischen auch die Fahrbahn der noch vollständig erhaltenen Werbebrücke aufgetaucht; im Hintergrund links die Bericher Hütte mit Talsperrenmodell. © Jörg Schüttler
Edersee-Atlantis, Gut Vornhagen am Waldecker Schlossberg, Oktober 2018
Edersee-Atlantis, Gut Vornhagen am Waldecker Schlossberg, Oktober 2018 © Cornelia Höhne
Edersee-Atlantis: Rekordtiefstand am Edersee 
Edersee-Atlantis: Rekordtiefstand am Edersee  © Maja Yüce 
Edersee-Atlantis: Rekordtiefstand am Edersee 
Edersee-Atlantis: Rekordtiefstand am Edersee  © Maja Yüce
Edersee-Atlantis: Rekordtiefstand am Edersee 
Edersee-Atlantis: Rekordtiefstand am Edersee  © Maya Yüce 
Edersee, vorn die Bericher Hütte, hinten der Campingplatz Bettenhagen auf der Halbinsel Scheid.
Edersee, vorn die Bericher Hütte, hinten der Campingplatz Bettenhagen auf der Halbinsel Scheid. © Cornelia Höhne
Edersee-Atlantis: Gräberfeld des Dorfes Alt - Bringhausen
Edersee-Atlantis: Gräberfeld des Dorfes Alt - Bringhausen © Thomas Thiele 
Edersee-Atlantis: Gräberfeld des Dorfes Alt - Bringhausen
Edersee-Atlantis: Gräberfeld des Dorfes Alt - Bringhausen © Thomas Thiele
Fahrgastschiff Stern von Waldeck auf dem Edersee
Fahrgastschiff Stern von Waldeck auf dem Edersee © Thomas Thiele 
Edersee-Atlantis bei Niedrigwasser am 3. Oktober 2018. Ruinen der Bericher Hütte , der Molkerei und das Staumauermodell mit Besuchern , außerdem Straßenreste , Fahrgastschiff Stern von Waldeck
Edersee-Atlantis bei Niedrigwasser am 3. Oktober 2018.  © Thomas Thiele
Die Aseler Brücke am Edersee
Die Aseler Brücke am Edersee © Barbara Figge/nh
Blaualgen am Edersee an der Segelschule in Rehbach. Links im Bild: Die Halbinsel Scheid
Blaualgen am Edersee an der Segelschule in Rehbach. Links im Bild: Die Halbinsel Scheid © Cornelia Höhne
Edersee von oben mit Staumauer
Edersee von oben mit Staumauer © Thomas Meder, www.luftbild-suedniedersachsen.de

Kommentar: Aufwachen und das Erbe beleben

Redakteur Matthias Schuldt über den ersten Schritt, das Edersee-Atlantis ernsthaft zu nutzen:

Der erste Schritt ist getan. Die Gemeindevertreter beschäftigen sich ernsthaft mit dem Edersee-Atlantis und tun gut daran, ein symbolkräftiges Vorhaben in den Blick zu nehmen: den Wiederaufbau der Alt-Bringhäuser Brücke. Kaum war der Vorschlag unterbreitet, zeigten sich Ansätze, das Projekt mit Totschlag-Argumenten zu zerreden. Gesucht sind aber keine Antworten auf die Frage „Warum geht´s nicht?“, sondern auf „Wie kriegen wir´s hin?“ Denn es ist eine absurde Mär, dass dieses europaweit einzigartige, kulturelle Erbe „nur“ Tagestouristen anzieht, die kein Geld in der Region lassen. Das beweisen die aktuellen Zahlen. Und selbst Tagestouristen würden gerne mehr ausgeben, wenn sie die Gelegenheit bekämen.

Das Edersee-Atlantis bietet alles, was das Touristiker-Herz begehrt:

1. einen universell bekannten, mit starken Emotionen und Bildern besetzten Namen.

2. ein Alleinstellungsmerkmal in Europa und

3. eine Authentizität, die ihresgleichen sucht; Grundlage für eine glaubwürdige „Erzählung“, wie sie sich der Tourist von heute nach Erkenntnissen der Marktforscher wünscht.

Die Strahlkraft reicht weit über die Ufer des Sees hinaus: Der Bau der Talsperre löste im Deutschen Reich Zukunfts-Euphorie aus, wie 1969 die Mondlandung. Es war die Zeit, als die Zunft der Ingenieure aufstieg und den Ruf Deutschlands als Industrienation begründete. Ohne die Talsperre keine Eisenbahn, keine Anbindung des Weltbads Wildungen an die Moderne, keine Anbindung Korbachs an die Welt, keine Louis-Peter-Werke, keine „Conti“. Diese starken Argumente muss die Region einsetzen im Ringen um Genehmigung und Finanzierung. Richtig verpackt und verkauft wird Atlantis neben öffentlichen Zuschussgebern auch Sponsoren überzeugen. Das Wichtigste ist jetzt: In der erweiterten Edersee-Region an einem Strang zu ziehen, um endlich diese Riesenchance mit aller Konsequenz zu nutzen.

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