Falknerei sammelt Erfahrungen

Aufregendes Jahr im Tierpark: Geier landete im Edersee

Rückblick auf ein zufriedenes Jahr: Falkner Ludger Kluthausen und der freilebende Gänsegeier „Documento“ auf dem Dach des Wasserhäuschens im Wildtierpark. Fotos:  Klein

Hemfurth-Edersee. Für die Falkner im Wildtierpark-Edersee war es ein aufregendes Jahr. Besonders in Erinnerung blieb ein Geiersturzflug.

Den Falknern glückte in diesem Jahr unter anderem die Nachzucht eines Mönchs- und Gänsegeiers. Besonders stolz sind aber Ludger Kluthausen und seine Kollegen auf das erfolgreiche Projekt Geierfelsen.

Mit dem Geierfelsen, auf dem zwei Gänsegeier in Freiheit leben, betraten Ludger Kluthausen und seine Mitarbeiter Neuland. „Es gab aufregende Momente“, blickt der Falkner kurz vor dem Jahreswechsel zurück. Anfang Juni wurde seine Felsen-Idee mit finanzieller Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer des Wildparks Edersee Realität.

Erste Flüge in Freiheit

„Die erste Phase verlief genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Beide Tiere gewöhnten sich relativ schnell an ihre neue Umgebung und die Freiheit. Sie nahmen ihr Refugium außerordentlich gut an.“ Geier „Documento“ und „Der Spanier“, wie sie von den Falknern genannt werden, unternahmen ihre ersten Ausflüge.

„Der Spanier“, ein wildlebender und bei Gießen angeschossener Vogel, der von den Falknern im Wildtierpark aufgenommen und gepflegt worden war, hob eines Tages trotz seines Flügel-Handicaps hoch über dem Edersee ab und glitt in Richtung Sperrmauer. „Am Aquapark landete er. Ihn zurückzuholen gestaltete sich schwierig, denn als ich dort ankam, machte er sich in Richtung Steilhang unterhalb der Sperrmauer aus dem Staub.“

Dort habe das Tier offenbar Angst bekommen. Er startete, flog über die Mauer, landete im See und schwamm ans rettende Ufer. „Ich habe die steile und steinige Böschung nach ihm abgesucht. Schließlich entdeckte ich ihn in einer Felsspalte, wo er sich zum Trockenen seines Gefieders niedergelassen hatte. Er war aber unerreichbar für mich.“

Einsatz für die DLRG

Kluthausen kam die rettende Idee. „Ich rief Klaus Schultze von der DLRG an. Der kam sofort mit einem Rettungsboot und brachte mich zu unserem Spanier. Ich bin das Ufer hinaufgeklettert, habe den Vogel fassen können, und habe ihn dann zurück auf den Geierfelsen unserer Falknerei gebracht.“ Dort erholte sich der Aasfresser von seinem aufregenden Geiersturzflug, um einige Zeit später erneut auszubüchsen.

„Da waren wir aber deutlich gelassener. Nach drei Tagen kam er das Steinwildgehege hochgedackelt und kletterte wieder auf den Felsen.“ Auch sein Artgenosse genießt nach Auskunft von Ludger Kluthausen in regelmäßigen Abständen das Leben in Freiheit.

„Documento hat die Flugwiese und das Wasserhäuschen im Wildpark für sich entdeckt. Er mischt sich dort zur Freude der Parkbesucher immer wieder unter das Publikum. Manchmal hebt er aber auch ab, um weiter wegzufliegen.“

Der Geierfelsen der Falknerei sorgte zu Beginn des Sommers für ein großes mediales Interesse. Dies wirkte sich offenbar positiv auf die Besucherzahlen der Nationalpark-Einrichtung aus. „Rein gefühlsmäßig waren in diesem Jahr deutlich mehr Menschen da als im Jahr davor“, erzählt Ludger Kluthausen.

Von Uli Klein

Der Wildtierpark hat bis einschließlich 28. Februar täglich von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

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