"Triggerlinie" war wirkungslos für Edersee

Edersee: Weitere versunkene Mauerreste aufgetaucht

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Das Edersee-Atlantis kommt für Segler und Wassersportler viel zu früh: Im Bild die vor einigen Tagen aufgetauchten Mauerreste der Brücke zwischen Scheid und Bringhausen.

Edersee. Seit Jahren wird über den niedrigen Wasserstand an Weser und am Edersee gestritten. Jetzt fordert die hessische Landesregierung eine „Wasserentnahme aus dem Edersee mit Augenmaß“. 

Damit wolle man der touristischen Nutzung der Talsperre künftig besser gerecht werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Anrainer befürchteten bereits Ende Juli wegen des niedrigen Wasserstandes Einnahmeverluste. Vor einem Monat habe Ministerpräsident Volker Bouffier in einem Brief an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nochmals auf das Problem aufmerksam gemacht.

Bereits im Frühjahr hatte der Ministerpräsident einen Vorstoß unternommen und gefordert, die Talsperrenverordnung so zu ändern, dass der Fremdenverkehr am See auf eine Stufe gestellt würde mit dem Weser-Wasserstand, dem Hochwasserschutz und der Energieerzeugung durch Wasserkraft als Bewirtschaftungsziele. Doch im Juli ruderte Bouffiers Staatskanzlei wieder zurück und enttäuschte die Hoffnungen der Edersee-Anrainer auf eine spürbare sparsamere Bewirtschaftung am Edersee.

Zugleich hat Bouffier technische Unterstützung für eine genauere Steuerung angeboten. Mitunter würden zu große Wassermengen entnommen, die den Wasserstand im Edersee über das vereinbarte Maß hinaus verringern. „Dies ist inakzeptabel und muss korrigiert werden“, verlangt Staatssekretär Michael Bußer.

Und dann unterstützt er bedingt eine seit Langem erhobene Forderung der Edersee-Anrainer: Die „Triggerlinie“ für einen sparsameren Umgang mit dem Edersee-Wasser früher in Kraft zu setzen als bislang üblich.

Es solle geprüft werden, ob das möglich sei, unterstreicht Bußer. Denn in diesem Jahr erwies sich die Triggerlinie als praktisch wirkungslos für den Edersee. Die Linie definiert über das Jahr verteilt Wasserstände in der Talsperre: Werden sie unterschritten, sinkt der in Hann. Münden angesteuerte Pegel um fünf Zentimeter.

Der Regionalverband Eder-Diemel stellt unterdessen klar, dass er mit den von ihm eingeschalteten Rechtskanzleien nicht den Klageweg als unmittelbares Ziel der Prüfung verfolge. Vielmehr wolle man angesichts unterschiedlicher Auffassungen über Rechte und Pflichten der Behörden Rechtspositionen klar stellen, um eine Änderung des Wassermanagements zu erreichen. 

Nach Lesart des Regionalverbands Eder-Diemel bietet das Wassertourismuskonzept von 2016 den Ländern die Möglichkeit, Nebenwasserstraßen, zu denen die Oberweser einschließlich des Edersees zähle, auch dem Tourismus zu widmen. Der Bund trage weiter Verwaltung und Kosten. Ein solcher Schritt bringe auch für die touristische Schifffahrt und Boote mit niedrigem Tiefgang auf der Oberweser Vorteile.

Alte Brücke aufgetaucht

Die alte Brücke zwischen Bringhausen und Scheid ist aus dem Edersee aufgetaucht. Vor dem Bau der Talsperre gehörte der Scheid zu dem auf der anderen Seite des Edersees gelegenen Dorf Bringhausen. Damals gelangten die Bringhäuser auf einem Holzsteg, der alljährlich im Frühjahr aufgebaut wurde, auf ihre Länder am gegenüberliegenden Flussufer. Die Brücke wurde 1899 eingeweiht und nur kurze Zeit genutzt. Am 13. Februar 1914, kurz vor dem Anstau des Edersees, wurde sie von Pionieren des Heeres gesprengt. 

Die Gemeinden Bringhausen, Vöhl und Nieder-Werbe hatten vergeblich gegen die Zerstörung Einspruch erhoben. Bereits am 8. Januar 1914 war die Ederbrücke bei Berich gesprengt worden. 

Während der Sprengung der Bringhäuser Brücke mussten in Neu-Bringhausen alle Türen und Fenster geöffnet werden. Der erste Schuss zertrümmerte gleich zwei Bogen. Nach zwei weiteren Schüssen war die Brücke zerstört. Der Damm und die im Fluss stehenden Pfeiler sind bis heute noch zu sehen. Der Scheid war danach Niemandsland, bis sich dort 1920 zehn ehemalige Offiziere der kaiserlichen Marine mit ihren Familien dort niederließen. Schon bald nahmen die Seeleute den Fährverkehr auf den Edersee auf. 

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