Haubentaucher brüten nicht 

Leerer Edersee: Tierische Besucher im Blütenmeer - Wasserstand problematisch für manche Arten

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Wie unterschiedlich ein Seestück aussehen kann: Das Foto links ist aktuell, das Bild rechts zeigt eine Aufnahme aus dem Juni 2005, als der See bei Herzhausen gut gefüllt war. Unten sind die Bilder noch einmal vollständig zu sehen.

Vöhl-Herzhausen. Wo sonst das Wasser des Edersees steht, erstreckt sich momentan ein Blütenmeer. Dieser Wassermangel bereitet allerdings vielen Tieren, etwa dem Haubentaucher, Probleme.

Haubentaucher gehören zu den auffälligsten Süßwasservögeln unserer Heimat. Aufmerksamkeit ziehen sie durch ihr gestenreiches Balzgehabe auf sich. Als gesellige Vögel brüten sie auf ihren im Wasser schwimmenden Nestern in Kolonien. Allerdings: Laut Wolfgang Lübcke (NABU Edertal) war in dieser Brutsaison nicht eine Haubentaucher-Brut auf dem Edersee infolge des niedrigen Pegels erfolgreich.

Erst 1978, über 64 Jahre nach dem ersten Vollstau des Edersees, entdeckten Haubentaucher das Brutareal im heutigen Naturschutzgebiet gegenüber von Herzhausen. Dort nahm die Zahl der Haubentaucher mit Schwankungen allmählich zu, bis in der Kolonie bei Herzhausen 1987 mit 25 Brutpaaren ein erstes Maximum erreicht wurde.

Damals konnte das Balz- und Paarungsverhalten gut beobachtet werden. Dabei stellte sich zum Beispiel ein Paar mit Nistmaterial im Schnabel senkrecht, wie Pinguine im Wasser „stehend“, den Kopf mit abgespreiztem Kopfgefieder und das Haupt rhythmisch gegeneinander hin und her bewegend, voreinander auf.

Das Foto zeigt eine Aufnahme aus dem Juni 2005, als der See bei Herzhausen gut gefüllt war. Im Vordergrund: Nilgänse. 

Das alles fiel in diesem Jahr bislang aus, weil es bei Herzhausen infolge mangelnder Niederschläge keinen Edersee gibt. Auch in den Jahren 1984, 1990 und 1991 gingen alle Bruten als Folge stark schwankender Wasserstände verloren. 1985 schritten die Haubentaucher, bedingt durch Niedrigwasser, erst gar nicht zur Brut. Der Erhalt der Kolonie bei Herzhausen, der einst größten Hessens, hängt letztlich vom Vollstau im Frühjahr ab.

Das Bild zeigt die gleiche Fläche wie das Bild oben. Momentan wächst auf der Fläche Gilbweiderich. 

Tierische Hingucker gibt es aber derzeit trotzdem: Hans-Joachim Dohl aus Buchenberg hat das sogenannte Ederfeld beobachtet, beidseitig der Eder bei Herzhausen. Er berichtet von einer üppigen Vegetation in besonderer Farbenpracht. Dafür verantwortlich seien unter anderem große Ausbildungen von Blut- und Gilbweiderich-Pflanzen. 

Lassen sich nur noch selten blicken: Haubentaucher waren mit der Brut am Edersee dieses Jahr nicht erfolgreich. 

Dort beobachtete er jetzt zwei seltene Schwarzstörche. „Die Störche ließen sie sich weder von dem regen Verkehr auf der B 252 noch von Spaziergängern auf der Uferpromenade stören“, so Dohl.

Eine solche Goldene Aue aus Gilbweiderich entstehe immer dann, wenn im Spätsommer der Edersee entleert ist, so Kalden. 

Von Gerhard Kalden und Julia Renner  

Aus unserem Archiv: Edersee-Atlantis

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