Frauen zogen Labrador aus eisiger Eder

Da war noch alles gut: Anne Himmelmann aus Friedrichshausen mit Hund Liese im leeren Bett des Edersees vor dem Unfall. Foto: privat

Edersee. Strahlend blauer Himmel, kein Wind und ein verheißungsvoll im Schnee- und Eisgewand glitzernder Edersee: Am Sonntag lockte das traumhafte Wetter viele Besucher an den Edersee. Unter ihnen waren auch Gerlinde und Anne Himmelmann aus Friedrichshausen. Doch aus dem entspannten Spaziergang wurde für die beiden Frauen bald ein Alptraum.

Denn ihre Hündin Liese brach in die Eder ein und konnte sich selbst nicht mehr aus der misslichen Lage befreien.

Gerlinde Himmelmann schildert, was passiert war: „Wir waren auf dem Rückweg von der alten Aseler Brücke und hatten uns entschieden, am Ufer der Eder entlang zurück nach Asel-Süd zu laufen.“ An den meisten Stellen sei die Eder, die im Bett des Edersees verläuft, nur am Ufer von Eis überzogen gewesen, an wenigen Stellen aber sei die Eisdecke geschlossen und lediglich von wenigen Zentimetern Wasser überspült gewesen. Die wasserliebende Labradorhündin habe nicht widerstehen können und sei auf die Eder gerannt. Himmelmanns riefen die Hündin zurück, doch es war schon zu spät: „Das Eis gab unter ihm nach und der Hund rutschte in die Fluten“, sagte Gerlinde Himmelmann.

Vier Meter vom Ufer entfernt trieb der Hund nun im Wasser und versuchte vergeblich, Halt zu finden. Nur der Kopf und die Pfoten hätten noch rausgeschaut, so Gerlinde Himmelmann. Mehrere Versuche den Hund mit Hilfe der Leine und einem daran gebundenen Stock aus dem Wasser zu ziehen, misslangen. Weit und breit sei niemand anders zu sehen gewesen, der hätte helfen können. „Ihr Fiepen wurde panisch und uns war klar, einer von uns muss auf das Eis“, sagte Himmelmann. Ganz pragmatisch sei die Wahl auf Tochter Anne gefallen, da sie leichter sei.

Mit den wenigen Hilfsmitteln, die ihnen zur Verfügung standen, bauten die Frauen eine Konstruktion, um den Hund zu retten und Anne vor dem Versinken zu bewahren: „Wir haben Anne das eine Ende der Leine um den Knöchel gebunden und das andere Ende der Leine an meinen Walkingstock“. Dann sei die junge Frau bäuchlings über das Eis auf den Hund zugerobbt. Das Eis knirschte bedrohlich, hielt aber. Schließlich bekam Anne den Hund an der Pfote zu packen. „Sie rief mir zu ‘zieh’ und ich zog. Das merke ich jetzt noch in den Armen“, sagte Gerlinde Himmelmann.

Es gelang ihr schließlich, die beiden wohlbehalten und pitschnass ans Ufer zu ziehen. „Anne war triefend nass und durchgefroren, wir haben uns dann beeilt wieder ans Auto und sie zuhause unter die warme Dusche zu bekommen.“ Und Liese? Die nahm es scheinbar locker: „Sie hat nach der Rettung erst einmal ausgelassen im Schnee getobt.“ (mia)

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