Stausee verliert jeden Tag zwei Millionen Kubikmeter Wasser

Edersee läuft in diesem Sommer schon wieder leer

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Das Edersee-Glück der frühen Sommerferien 2018: Rasant wird inzwischen Wasser aus dem See abgelassen, so dass die Kuppe der Hopfenberge schon wieder zu sehen ist. 

Edersee. Hessens beliebtester Stausee ist bald nur noch halb so groß. Seit zwei Wochen verliert der Edersee in rasendem Tempo Wasser. Nach dem Katastrophenjahr 2017 schlagen Anwohner erneut Alarm.

Die Talsperre gibt seit Wochen in rasendem Tempo Wasser ab: rund 2 Millionen Kubikmeter pro Tag. Bleibt es trocken, ist der See in einem Monat nicht einmal mehr halb voll. Setzt in den nächsten Wochen kein anhaltender Regen ein, enthält der Edersee zum Ende der hessischen Sommerferien Anfang August noch geschätzte 80 bis 90 Millionen Kubikmeter - 40 bis 45 Prozent seines Volumens. Auch 2017 war der See leer wie selten. Viele Anwohner fühlten sich von der Politik im Stich gelassen.

Die gute Nachricht diesmal: Der Urlaubssaison 2018 schadet dieser Verlust nicht mehr. „Wir haben Glück, dass die hessischen Sommerferien so früh begonnen haben“, sagt Thomas Hennig, Segelschul-Inhaber in Rehbach. Nach seinem Eindruck stimmen auch die Übernachtungszahlen. Der Edertaler erwartet einen weiteren Schub an Urlaubern, wenn Ende dieser Woche die nordrhein-westfälischen Schulen ihre Tore für sechs Wochen schließen. Sonniges Wetter und der zu Saisonstart volle Edersee zögen Gäste an.

Weniger Nachbucher wegen negativer Erfahrungen

Wegen der leeren Talsperre 2017 sei trotzdem deutlich weniger los in seiner Schule, schränkt Hennig ein: „Die Nachbucher kommen nicht wegen ihrer negativen Erfahrungen aus dem vorigen Jahr.“

Schlechter präsentiert sich die Aussicht ohnehin für den Wassersport, schildert Winfried Geisler auf Nachfrage. „Für unsere Regatten im August bräuchten wir um die 125 Millionen Kubikmeter Wasser im Edersee.“ Davon liegen die aktuellen Annahmen weit entfernt und so werden die Wettbewerbe aller Voraussicht nach wie im vergangenen Jahr abgesagt.

Düstere Zeiten für Wassersport und Tourismus am See

Der Vorsitzende des Regionalverbandes Eder-Diemel sieht auf mittlere bis lange Sicht düstere Zeiten für Wassersport und Tourismus am See aufziehen, wenn sich nicht endlich Entscheidendes an der Bewirtschaftung ändert. „Im Juni lag der Pegel bei Hannoversch-Münden oft bei 1,30 Meter statt der geltenden 1,20 Meter“, kritisiert er.

So habe das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt über zwei Tage eine Welle für die Weser-Gäste-Schifffahrt abgegeben, weil deren flach gehendes Schiff repariert wurde und das zweite mehr Wasser unterm Kiel benötigt.

Jiri Cemus vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) bestätigt das: „Es handelte sich um ein Wochenende, kostete aber nur 600.000 Kubikmeter Wasser.“ Cemus räumt auch ein, dass der Flusspegel bei Hann. Münden im Juni insgesamt über längere Zeiten deutlich über den eigentlich angesteuerten 1,20 Meter bis 1,23 Meter lag.

Her befindet sich der Edersee

Ursache dafür sei die mangelnde Genauigkeit eines eingesetzten Computermodells, das man vom Land Hessen übernommen habe. „Es wurde entwickelt für den Hochwasserschutz, funktioniert aber bei niedrigen Wasserständen nicht gut genug“, erklärt Cemus.

Steuern der Talsperre schwierige Aufgabe

Das WSA sei dabei, das Modell an trockene Verhältnisse anzupassen. Gleichwohl bleibe das Steuern der Talsperre ein schwierige Aufgabe. Unzählige Faktoren nähmen Einfluss darauf, ob sich bei einer bestimmten Abgabe aus dem See der gewünschte Pegel an der Weser einstelle. Unwägbarkeiten ließen ihn häufig höher steigen oder tiefer sinken als berechnet.

Erlebnisfloß ist neue Attraktion auf dem Edersee

Zwei Brüder aus dem Erzgebirge haben einen Bootssteg an der Edertalsperre übernommen und starten mit einem neuen Angebot in ihre erste Saison. Gruppen bis zu zehn Personen können mit einem Erlebnisfloß in See stechen.

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