Neues Wassersparmodell an der Edertalsperre in Kraft

Kompromiss: Pilotbetrieb für mehr Wasser im Edersee

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Hoffnung auf mehr Wasser in der Saison: Ein neues Wassersparmodell ist am Edersee angelaufen.

Ein neues Wassersparmodell für den Edersee ist in Kraft. Die Details wurden am Dienstagabend in einer Informationsveranstaltung vorgestellt. 

Es wird weiter an Stellschrauben gedreht für eine wassersparende Bewirtschaftung der Edertalsperre. Mitarbeiter des Kasseler Regierungspräsidiums und des Hessischen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Hann. Münden stellten am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung im Waldecker Bürgerhaus vor, wie das gelingen soll – nämlich mit einer reduzierten Mindestabgabe im Winter und verfeinerter Triggerlinine für die Sommermonate.

Probeweise war die Mindestabgabe vom 1. November bis 28. Februar von 6 auf 4 Kubikmeter pro Sekunde reduziert worden. Dadurch blieben im Winter 2018/19 rund 6,5 Millionen Kubikmeter mehr Wasser im See. Weil bisher keine negativen Auswirkungen auf das Ökosystem der unteren Eder festgestellt wurden, soll es nun einen Pilotbetrieb mit reduzierter Mindestabgabe im Winter für zunächst fünf Jahre geben. Eine Bedingung ist, dass der vorzuhaltende Hochwasserschutzraum nicht verringert werden darf, betonte Dr. Martin Marburger, Dezernatsleiter für Wasser und Hochwasserschutz beim RP.

Nach dem Wintersparmodell soll eine neu berechnete und verfeinerte Triggerlinie früher greifen als bisher. „Das ist die Linie, wo wir umschalten auf Sparbetrieb, um Wasser zu sparen“, sagte WSA-Leiterin Kathrin Urbitsch. Wenn künftig der Talsperreninhalt nach dem 1. Mai die Marke von 175 Millionen Kubikmetern oder im Jahresverlauf eine bestimmte statistisch abgeleitete Stauinhaltslinie unterschreitet, dann wird die Abgabe soweit reduziert, dass der Pegel in Hann. Münden von 1,20 auf nur noch 1,15 Meter sinkt.

Der Triggerlinienbetrieb endet jeweils zum 1. September. Danach wird der Pegel wieder auf 1,20 Meter durch Abgaben der Edertalsperre gestützt, soweit erforderlich und noch ausreichend Wasser im See vorhanden ist.

„Die Triggerline basiert auf Unterschreitungshäufigkeiten und identifiziert trockene Jahre besser“, erläuterte Jiri Cemus vom WSA. Damit seien Ausnahmesituationen besser zu beherrschen und deutlich abzumildern. Wäre die neue Triggerlinie bereits im trockenen Sommer 2018 angelaufen, hätte der „Wassersparmodus“ bereits vier Wochen vor der erfolgten Reduzierung eingesetzt, sagte Cemus. Die neue Messlinie ist bereits in Kraft. Sie soll die Schiffbarkeit auf der Weser um bis zu drei Wochen verlängern – wenn auch mit reduzierter Transportmenge – und gleichzeitig ein frühzeitiges Leerlaufen der Talsperre verhindern.

Für diesen Kompromiss zwischen Tourismus und Schifffahrt hatte sich Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke mit Nachdruck eingesetzt. „Das war immer ein Thema unseres Behördenleiters, und er hat über die Jahre hinweg sehr, sehr viele Gespräche geführt“, sagte Winfried Hausmann, Leiter der Umweltabteilung beim RP in Kassel. 

Pilotprojekt "ein ganz großer Schritt für den Edersee"

"Das Thema ist so heiß wie die Temperatur zurzeit,“ sagte Bürgermeister Jürgen Vollbracht in seinem Grußwort. Das Wassersparmodell sei ein Kompromiss, der geschlossen wurde mit der IG Oberweser/Eder- und Diemelsee, betonte WSA-Leiterin Kathrin Urbitsch. Den Betreibern der Kiesbetriebe und der „Flotte Weser“ fiel die Zustimmung schwer, betonten Sprecher in der von Nicole Maisch (RP) moderierten Diskussion. Sascha Wagener von einer Unternehmensgruppe, die Kiesschiffe und Betonwerk bei Rinteln betreibt, wies auf den Tiefgang der Schwertransporte hin, deswegen sei am Pegel kaum zu rütteln. „Wenn wir von Rohstoffen abgeschnitten sind, können wir nicht produzieren.“

 Die Genehmigungsbehörden hätten den Transport per Lkw untersagt, das Wasser aus dem Edersee werde zur Existenzsicherung dringend benötigt. „Wir sitzen alle im selben Boot, sind eine Schicksalsgemeinschaft,“ sagte Wagener im gut gefüllten Bürgerhaus. 

Dr. Peter Könemann, Betreiber von sechs Kiesfirmen in Porta Westfalica, verwies auf Millioneninvestitionen: „Wir vertrauen darauf, dass 1,20 Meter als Regelziel erhalten bleibt und akzeptieren schweren Herzens 1,15 Meter.“

 Letzterer Wert müsse generell festgeschrieben werden, forderte dagegen Wilfried Meyer, Kapitän der weißen Flotte am Edersee. „Das macht keinen Sinn, wenn es nass bleibt und würde wirtschaftlichen Schaden für die Schifffahrt auf der Weser bringen,“ entgegnete Jiri Cermus. 

Ein Wehr an der Fulda zu bauen lautete ein anderer Vorschlag – er wurde verworfen, weil das zu wenig Entlastung bringe. Versandete Stellen ausbaggern, wie ein Zuschauer vorschlug, sei nicht ohne Weiteres umzusetzen, erläuterte Yasmin Yazdi, am WSA zuständig für die Wasserbewirtschaftung an Eder- und Diemeltalsperre. „Das braucht lange Verfahren und könnte am Ende ganz andere Auswirkungen haben als man sich erhofft.“ 

All die Schönrechnerei helfe nicht weiter, warf Dr. Werner Zacke in die Diskussion ein. „Der See ist für das, zu dem er gebraucht oder missbraucht wird, zu klein.“

Thomas Hennig, Vorstandsmitglied im Regionalverband Eder/Diemel, der seit zehn Jahren für mehr Wasser im See kämpft, zeigte sich am Ende zufrieden mit dem erzielten Kompromiss. „Wir haben erstmalig einen ganz, ganz großen Schritt für den Edersee gemacht – im jetzigen Stadium das Beste, was wir rausholen konnten."

Neue Wellen für die Weser

Aktuell ist der Edersee zu 87 Prozent gefüllt, die neue Triggerlinie wurde am Montag unterschritten. 19 Kubikmeter Wasser pro Sekunde werden aktuell zur Stützung der Weser abgelassen. Das soll sich noch auf 29 steigern bei einem Zufluss von nur 2,7 Kubikmetern, sagte ein Zuschauer und fragte verärgert nach dem Grund. „Das ist unser Auftrag“, stellte Cemus klar. 

Ein Entleeren der Talsperre sei auch durch die neue Triggerlinie nicht zu verhindern, und es könne auch kein Mindestinhalt zu einem bestimmten Zeitpunkt garantiert werden.

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