„Es bleibt nur der juristische Weg", sagt Wildungens Bürgermeister Volker Zimmermann

Leerer Edersee durch Wasserablass: Anrainer prüfen Klage

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Leerer Edersee: Um den Pegel des Edersees und den Ablass für die Weser geht es in der aktuellen Diskussion.

Edersee. Weil Absichtserklärungen für einen volleren Edersee bislang nicht wesentlich weiterhalfen, erwägt die Arbeitsgemeinschaft der Edersee-Anrainer Vöhl, Edertal, Waldeck und der Stadt Bad Wildungen jetzt den Klageweg.

„Es bleibt nur der juristische Weg, weil der politische Weg, vorsichtig ausgedrückt, frustrierend ist“, sagte Wildungens Bürgermeister Volker Zimmermann. „Es ist schon alles probiert worden.“

Ein gut gefüllter Edersee in der Sommersaison ist das große Ziel. Transporte und Touristenschiffe auf der Weser, für die das Wasser- und Schifffahrtsamt in Hannoversch Münden immer wieder Wellen ablässt, senken insbesondere in trockenen Jahren den Wasserspiegel schon vor Saisonende dramatisch ab.

Deshalb will die AG jetzt alle Register für einen gut gefüllten Edersee ziehen. „Wir werden juristische Schritte prüfen“, signalisiert Zimmermann. Ansetzen will die AG bei der EU-Wasserrahmenrichtlinie und zwar speziell bei den ökologischen Fragen. Im Mittelpunkt stehen die Wasserqualität und das Ökosystem, das durch den schwankenden Wasserstand im See beeinflusst werde.

Voraussetzung für den Klageweg sei eine umfangreiche Datensammlung. „Die wird sicherlich bis zu einem Dreivierteljahr in Anspruch nehmen“, schätzt Zimmermann. In der Stadtverwaltung werde die Faktenlage dafür zunächst eingehend beleuchtet. Mit der Datenerfassung müsse dann ein Fachmann beauftragt werden. Zimmermann sieht keine Alternative zu diesen Schritten. Denn an der Zweckbestimmung der Edertalsperre, der Oberweser ausreichend Wasser zu liefern, soll offenbar nichts geändert werden.

„Vor dem Hintergrund der enormen Wertschöpfung durch den Tourismus ist es unverständlich, dass bei den entscheidenden Stellen weder Kraft noch Willen dafür vorhanden ist.“

Zum Hintergrund: Die Edersee-Konferenz 2001 hatte den Mindestpegel von 1,20 Meter der Weser in Hann. Münden und eine Mindestabgabe von sechs Kubikmetern in der Sekunde festgelegt. Aber die Wassersituation auf der Weser und vor allem im Edersee zeigten, das diese Regelungen nicht ausreichen.

Bei erneuten Verhandlungen am runden Tisch wurde ein Kompromiss erzielt: Die Einführung der Trigger-Linie im Jahr 2012 machte es möglich, den Wasserstand in Hann. Münden auf 1,15 Meter zu senken, somit wurde ein leerer Edersee verzögert.

Aktuell richten sich bange Blicke auf die nächste Saison, denn die Weser ist inzwischen in mehreren Abschnitten verlandet.

Von Conny Höhne

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