Fragen und Antworten zu Waldbrandgefahr und Löschwasser-Reservoir

Niedrigwasser im Edersee: Lösch-Helikopter kämen trotzdem zurecht

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Bei Brandbekämpfung aus der Luft kämen am Edersee als Löschwasser-Reservoir Helikopter zum Einsatz.

Edersee. In Sommern wie dem von 2018 steigt die Waldbrandgefahr. Welche Rolle spielt der Edersee in den Notfallplänen als Löschwasser-Reservoir für die Brandbekämpfung aus der Luft?

Das haben wir das Regierungspräsidium Kassel gefragt.

Ja, lautet die Antwort aus dem Regierungspräsidium in Kassel. Allerdings kämen, sollte eine Brandbekämpfung aus der Luft notwendig sein, keine Löschflugzeuge zum Einsatz, sondern Helikopter. Sie lassen per Winde so genannte „Löschwasser-Außenlastbehälter“ ab, auch „Bambi-Packet“ genannt. Diese fassen zwischen 1500 und 3000 Liter Wasser.

Wer würde einen solchen Einsatz fliegen und wie würde dieser ablaufen?

Dieses Foto ist keine zwei Wochen alt und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt hat den Edersee-Pegel seitdem in rasendem Tempo heruntergefahren. Was, wenn ein Großfeuer den knochentrockenen Kellerwald trifft wie Waldgebiete in Schweden oder im Nordosten Deutschlands? Taugt der See noch als Löschwasser-Vorrat für eine Brandbekämpfung aus der Luft?

Zuständig für die Region ist die Fliegerstaffel der Bundespolizei in Fuldatal. Im Regelfall fliegt der Helikopter nach Auskunft der Flugeinsatzzentrale gegen den Wind sein Ziel an und lässt aus einer Höhe von fünf bis sechs Metern den Behälter zum Befüllen ins Wasser hinab. 

Die geografischen Gegebenheiten am Edersee ließen solche Anflüge zu, ergänzt die Zentrale. Einschränkungen mit Blick auf eine mehr als zur Hälfte entleerte Talsperre machen die Experten in ihrer Antwort im Grundsatz nicht.

Auf welche Bedingungen sind die Hubschrauber angewiesen?

Zur Wasserentnahme sollte das Gewässer eine Tiefe von 1,50 bis 2 Meter aufweisen. Denn der Behälter muss komplett ins Wasser eintauchen können, um befüllt zu werden, heißt es in der Antwort aus Fuldatal. Bei einer Wassertiefe von weniger als 1,50 Meter sei ein Einsatz der Bambi-Packets nicht mehr möglich. 

An kaum einer Stelle käme die Eder wohl noch auf die benötigte Tiefe, sollte der Stausee zum Zeitpunkt eines solchen Einsatzes komplett leer gelaufen sein. Bei 40 Millionen Kubikmetern – der Untergrenze, ab der die Weser nicht mehr gestützt wird, wäre das Wasser noch tief genug.

Wie groß ist die Waldbrandgefahr in der Edersee-Region, speziell für den Nationalpark als ihrem wertvollen Herzstück?

Laubwälder brennen eher schlecht. Diese gute Nachricht hat Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick parat. Feuer in Laubwäldern beschränkten sich in der Regel auf den Boden. Davon unabhängig sei im Nationalpark selbst aber kein Eingreifen der Feuerwehr angezeigt, sagt Gerhard Biederbick. Den Hintergrund dafür bildet das oberste Schutzziel des Nationalparks Kellerwald-Edersee: der „Prozess-Schutz“, eingängiger bekannt unter dem Motto „Natur Natur sein lassen“. 

Wald- und Bodenfeuer beeinflussen von jeher Lebensräume mit und tragen ebenso zu einem ökologischen Gleichgewicht bei, wie andere Naturereignisse, belegen viele Forschungen. „Wobei die letzte Entscheidung, ob ein Brand im Schutzgebiet bekämpft wird, bei der Feuerwehr liegt“, schränkt Gerhard Biederbick ein. Die Gefahrenabwehr für benachbarte Gebiete und dortige Werte liefert den Maßstab. Die Nationalparkverwaltung unterstützt die Einsatzkräfte dann mit ihrer Ortskenntnis, gerade zu den schwer zugänglichen, unwegsamen Teilen des "Buchenmeeres".

Wo in der Region liegt das Risiko eventuell höher?

Einer deutlich höheren Gefahr sind Nadelwaldbestände ausgesetzt, weil das ätherische Öl in den Nadeln sich bei Trockenheit rasch entzündet und auf diese Weise Bodenfeuer rasch auf die Wipfel übergreifen. Der Nationalpark als Buchenwald trägt ein geringes Risiko, weil die vom Menschen in der Historie angepflanzten Fichten und verwandten Arten zum Großteil dem Orkan Kyrill zum Opfer fielen. Diese Arten würden sich hier ohne Zutun des Menschen nicht gegen Buchen durchsetzen. 

Nach und nach lässt die Parkverwaltung daher die verbliebenen Reste an Nadelbäumen fällen. Größere Flächen solcher feuergefährdeten Baumsorten befänden sich mit Blick auf die heimische Region im Burgwald, schließt Biederbick.

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