Entscheidung von Geschäftsführer Andreas Engelhoven

Schloss Waldeck am Edersee kündigt Vertrag mit Deutscher Märchenstraße 

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So stellen sich ausländische Gäste ein Märchenschloss vor, sagt Benjamin Schäfer, Geschäftsführer der Märchenstraße.

Geschäftsführer Andreas Engelhoven hat namens des Hotels Schloss Waldeck den Vertrag über die Partnerschaft mit der Deutschen Märchenstraße gekündigt. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimme nicht.

Der Sage nach hockt der Zwergenkönig „Eck“ bis heute mit seinem Volk tief in dem Felsen, auf dem Schloss Waldeck thront. Mit dem Grafengeschlecht Waldeck verbindet ihn demnach eine Abmachung: Ewiges Wohnrecht im Felsen unter gräflichem Schutz für die Wichtel, während diese im Gegenzug die Standsicherheit der Burg garantieren.

Die Stadt Waldeck wurde mit dieser alten Erzählung 2010 Mitglied der Märchenstraße. Sie schuf einen Wichtelpfad von der Edersee-Randstraße bis hinauf zum Schloss. Vis à vis des Schlossgartens steht die Figur des „Eck“ mit Blickrichtung Schloss. Ob der Wichtelkönig seine Augen nun weitet oder gar erschrocken abwendet? Denn das Hotel Schloss Waldeck ist von der „Deutschen Märchenstraße“ abgebogen und hat die vor rund acht Jahren abgeschlossene Partnerschaft gekündigt.

Hinter den Kulissen schlägt die Entscheidung seit einigen Wochen Wellen. Öffentlich bekannt wurde sie erst vor wenigen Tagen.

Hotel-Chef Andreas Engelhoven sieht keine andere Möglichkeit. Er habe die „Deutsche Märchenstraße“ einst selbst mit begründet, aber für das Schloss Waldeck stimme das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht. „Die Märchenstraße bringt uns für unseren Beitrag praktisch keine Gäste. Ich habe darum mehrfach das Gespräch mit der Geschäftsführung gesucht“, berichtet Engelhoven. 

So habe er beispielsweise vorgeschlagen, seitens der Märchenstraße Arrangements für Reisende zu entwickeln. In deren Rahmen würden Besucher zu einem Pauschalpreis mehrere Stationen der Märchenstraße anlaufen. Außer zu Gratis-Gruppentouren für Reisejournalisten funktioniere das bisher aber nicht, kritisiert Engelhoven: „Dann muss ich als Geschäftsführer die Konsequenzen ziehen.“

Aus seiner Sicht rechne sich die Mitgliedschaft in der Märchenstraße für Ziele, die direkt an die Brüder Grimm und ihre berühmten Figuren anknüpfen könnten. „Das gilt für Bad Wildungen mit seinem Bergfreiheiter Schneewittchen ebenso wie für die Sababurg mit Dornröschen“, meint Engelhoven. Schloss Waldeck aber habe keinen direkten Bezug zu den Grimm´schen Märchen und deren Autoren-Brüderpaar. Dem Wichtelkönig „Eck“ fehlt es an der nötigen nationalen, geschweige denn internationalen Prominenz.

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„Wir sind kein Verkaufsportal, sondern pflegen die Marke ‘Deutsche Märchenstraße’ und machen sie noch bekannter “, sagt Geschäftsführer Benjamin Schäfer. „Der Erfolg unserer Arbeit ist schwer messbar“, erklärt Schäfer. Viele Reiseveranstalter ließen bei den Buchungen nicht erkennen, dass sie über die Märchenstraße auf das entsprechende Hotel aufmerksam geworden seien: „Fest steht, dass für ausländische Gäste Schlösser und Burgen untrennbar mit Märchen verbunden sind.“ 

Die direkte Anbindung an die Grimms oder eine Figur sei nicht der entscheidende Faktor. Schäfer verweist auch auf den Nutzen von Journalistenreisen. Jüngst etwa sei eine australische Bloggerin auf der Märchenstraße unterwegs gewesen und habe auch Schloss Waldeck besucht. 40.000 Zugriffe habe ihr Blog zum Thema später erreicht: .„Natürlich entsteht daraus keine Unzahl an Buchungen, aber der Bekanntheitsgrad steigt weiter.“

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