Morgens um 7 Uhr am Waldecker Schlossberg

Spaziergänger berichten von zwei Wölfen im Wald am Edersee

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Petra Worring ist Jägerin und überzeugt: Mit ihrem Jagdhund begegnete sie kürzlich zwei Mal am Waldecker Schlossberg einem Wolfspärchen.

Petra Worring ist Jägerin und überzeugt: Mit ihrem Jagdhund begegnete sie kürzlich zwei Mal am Waldecker Schlossberg einem Wolfspärchen.

„Gegen 7 Uhr morgens stand er plötzlich vor mir, etwa zehn Meter entfernt. Mein Hund bellte und fiepte“, erinnert sie sich. Petra Worring hält das Tier, das ihr über den Weg lief, für einen Wolfsrüden. Ein zweites, von dem sie vermutet, es handele sich um eine Wölfin, habe im Buschwerk gewartet. „Die waren so überrascht wie ich.“

Obwohl der Hund Unruhe an den Tag legte, blieb das fremde Tier gelassen, schaute einen Moment und trollte sich. „Ich bin stehen geblieben und hatte in keinem Augenblick ein mulmiges Gefühl“, sagt die Waldeckerin: „Ich mag Wölfe. Leider hatte ich mein Handy nicht für ein Foto dabei.“ Und Petra Worring kennt die Regeln für Begegnungen mit Wölfen, die Experten raten zu befolgen. Wölfe treten im Normalfall wie die meisten Wildtiere den Rückzug an.

Ein Bericht über ähnliche Beobachtungen einer Wandergruppe kursiert in Edertal und Waldeck. Die zwei vermeintlichen Wölfe wurden demnach sowohl in Hemfurth-Edersee als auch in Waldeck gesichtet.

Bislang kein Beweis, dass es Wölfe waren

„Vermeintliche“ Wölfe deshalb, weil nur eine Untersuchung von Fotos in ausreichender Qualität oder DNA-Spuren etwa an Beutetieren den Beweis liefern. Der zuständigen hessischen Fachstelle für Naturschutz (HLNUG) liegt nichts dergleichen vor. Das erklärt Wolfs-Expertin Susanne Jokisch vom HLNUG: „Uns sind bisher keine Sichtungen aus Waldeck-Frankenberg bekannt.“ Drei sachkundige, ehrenamtliche Helfer arbeiten im Landkreis dem hessischen Wolfsmanagement zu. Auch sie vermelden nichts.

Nach Angaben von Susanne Jokisch wäre es „sehr ungewöhnlich, wenn ein Wolfspaar auf Wanderschaft ginge“, denn zumeist machten sich Jungwölfe allein auf die Suche nach einem neuen Revier. „Denkbar wäre , dass ein Wolf sich in einem Gebiet aufhält und ein zweiter dazu stößt“, erklärt Jokisch. Doch es gebe keine Anzeichen für die Anwesenheit eines Tieres rund um den Edersee.

Gleichwohl sei es theoretisch möglich, dass ein Pärchen hier ein neues Rudel gründe, „denn Wölfe brauchen keine absolute Ruhe“, sagt die HLNUG-Mitarbeiterin. Erst wenn sie Nachwuchs zeugten, legten die Tiere Wert auf einige Quadratkilometer, auf denen es vorwiegend ruhig zugehe. Jokisch: „Die größte Gefahr droht den Wölfen von den vielen Straßen und dem Verkehr .“Die jüngsten gesicherten Nachweise von Wölfen in Hessen stammen vom September aus dem Vogelsberg und dem Main-Kinzig-Kreis: einmal in Form einer DNA-Analyse, ein zweites Mal in Gestalt einer tot aufgefundenen Wölfin.

Ansonsten existieren laut Jokisch im Internet viele Fake-News zum Thema, auch mit gefälschten Videosequenzen und Fotos. Falls es sich aber in Waldeck und Edertal nicht um Wölfe handelte, um was dann?

„Vielleicht um tschechoslowakische Wolfhunde“, schlägt Susanne Jokisch als eine Alternative vor. Wie auch immer: Die Tiere sind wohl wieder verschwunden. „In dieser Woche habe ich sie nicht mehr gesehen“, sagt Petra Worring.

Andere Erklärung: Tschechoslowakische Wolfhunde

Im Gegensatz zu Wolfshunden, die einst zur Wolfsjagd gezüchtet wurden, entstammt der tschechoslowakische Wolfhund (ohne s) einer Kreuzung aus Schäferhund und Karpatenwolf. 

Ziel: einen möglichst wolfsähnlichen Hund zu schaffen. Sebastian Gruner und seine Frau Iris starteten mit ihrer Zucht vor sechs Jahren in Baunatal und leben inzwischen in Niedersachsen. „Selbst Jäger unterscheiden die Rasse von einem Wolf nicht sicher“, zitiert Sebastian Gruner eine Untersuchung. Zumal die Tiere je nach Zucht-Linie typisches Wolfsverhalten zeigten: die Scheu, den federnden Gang oder das Herabnehmen des Kopfes, wenn sie eine Sache näher untersuchen wollten. Gruner sind mehrere Halter in Nordhessen bekannt. „Vielleicht machte jemand Herbsturlaub mit seinen Tieren am Edersee“, hält er für nicht ausgeschlossen.

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