DVD von Hobby-Geschichtsforscher

Ein Mann war mutig: So wurde 1945 die Sprengung der Edertalsperre verhindert

Willi Ernst aus Schmittlotheim hat sich mit der Geschichte der Edertalsperre befasst und eine DVD erstellt über die Pläne der Deutschen, 1945 die Mauer zu sprengen. Foto: Rösner

Schmittlotheim. Die SS wollte 1945 die Edertalsperre sprengen, um die Alliierten aufzuhalten. Ein Mann stellte sich jedoch gegen diese Entscheidung. Der Hobby-Geschichtsforscher Willi Ernst hat dazu eine DVD erstellt.

Dem Mut eines Mannes sei es zu verdanken, dass der Plan, bis Kassel alles unter Wasser zu setzen, nicht aufging. So kommentiert Willi Ernst aus Schmittlotheim den Vorfall, als im März 1945 der Aufsichtsbeamte der Edertalsperre dem Willen eines Offiziers nicht nachkommt. Denn er weigert sich, Schlüssel für die Schächte der Talsperre herauszugeben. Und verhindert damit, dass die Mauer gesprengt wird.

„Die Wehrmacht wollte die Amerikaner aufhalten“, sagt Willi Ernst, den diese Geschichte fasziniert und der sie recherchiert hat. Über ein Jahr lang hat der jetzt 80-Jährige Zeitzeugen befragt, Fotos gesammelt und Dokumente gesichtet. Sein Interesse an dem Thema stammt auch daher, dass sein Vater Heinrich Ernst mehr als 40 Jahre lang bei der Sperrmauer beschäftigt war - auch während des Krieges.

DVD „Drei Tage im März“ 

Diese Karte ist eines der Dokumente, die Willi Ernst für seine Recherchen verwendet hat. Sie dokumentiert den Vorstoß der Amerikaner 1945 in den letzten Kriegstagen vom Rhein bis zum Edersee. Foto: nh

In dem Buch „Kriegsende 1945“ von Ursula Wolkers, das 1995 erschien, hatte Ernst von den Plänen der Deutschen gelesen, sowohl die Edertalsperre als auch die Diemeltalsperre zerstören zu wollen. Den Feinden sollte das Vorrücken erschwert werden. „Wenn die Sprengung gelungen wäre, man kann sich dieses gar nicht vorstellen“, sagt Willi Ernst. Er hat seine Forschungen in einer DVD zusammengefasst. In 45 Minuten schildert der Autor die spannenden Tage Ende März 1945 anhand von Videosequenzen, Ausschnitten von Fernsehdokumentationen, historischer Fotos, Landkarten und Interviews. „Drei Tage im März“ hat er seinen Film genannt.

Er zeigt darin die beiden senkrechten Schächte der Talsperre, die gut sichtbar sind mit ihren Torhäusern, von denen einer heute ein Standesamt ist. Willi Ernst erläutert die Konstruktion der Staumauer, die nach der Bombardierung 1943 restauriert wurde.

Heinrich Ernst, der Vater von Willi Ernst aus Schmittlotheim, war an der Sperrmauer (Foto) beschäftigt und wurde im Zweiten Weltkrieg als Soldat eingezogen. Er nahm seinen Sohn manchmal zur Arbeit rund um die Talsperre mit.

Die Schächte sind mit Eisenplatten gesichert. Ein Spezialschlüssel ist 1945 die einzige Möglichkeit, in die Mauer zu gelangen. Beide Schächte sollen mit Sprengstoff gefüllt und dieser dann gezündet werden.

Doch Truppen der US-Armee stoßen derweil von Westen her vor. Über Marburg und Frankenberg ziehen sie Richtung Korbach. „Kleine Widerstände wurden schnell beseitigt“, heißt es in dem Film. Während August Oppermann, der auch Bürgermeister des Dorfes Edersee war, am 29. März den Schlüssel nicht herausgibt, kommen die Amerikaner näher und halten Sprengstoff-Lieferungen an die Sperrmauer auf. Die Amerikaner erreichen am Mittag des 30. März den Ederstausee, finden und entschärfen den Explosivstoff. Diese Informationen entnimmt der Hobby-Geschichtsforscher Willi Ernst historischen Dokumenten.

Der Film „Drei Tage im März“ ist bereits die achte DVD, die Willi Ernst über Heimatgeschichte erstellt hat. Er ist Mitglied des Geschichtsvereins Itter-Hessenstein.

Service: Willi Ernst zeigt seine DVD „Drei Tage im März“ auf Wunsch kostenlos bei Veranstaltungen/ bei Vereinen. Kontakt: 0 56 35/2 35 99 68.

Von Stefanie Rösner

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