"Cowboy" Harald Fedder will ausgebüxte Edertaler Rinder wieder einfangen

Edertals einziger professioneller Cowboy: Harald Fedder aus Buhlen will die ausgebrochenen Rinder wieder einfangen. Foto:  Schuldt

Edertal. „Es ist ein Spiel mit offenem Ausgang und starkem Gegner“, sagt Harald Fedder lächelnd.

Das „Spiel“, von dem der 46-Jährige redet: die seit Sommer frei umher streifende, verwildernde Rinderherde von Edertal zurückzutreiben in ein Winterquartier.

Fedder bot der Gemeinde Edertal Hilfe an, weil er und seine Frau sich über 15 Jahre mit ihrem kleinen Unternehmen in Buhlen auf das Einfangen und medizinische Behandeln von Weiderindern spezialisiert haben. In der Halle des Waldecker Reiterhofs Hankel, wo seine Stute „Schneeflocke“ und sein Wallach „Gazalko“ eingestallt sind, trainiert er für den Einsatz.

Die elf ausgebrochenen Tiere - schottische Hochlandrinder und Abkömmlinge dieser Rasse - stellen trotz all seiner Berufserfahrung eine Herausforderung für Fedder dar. „Sie sind sehr scheu und respektieren keine Zäune, aber auf dem Pferd habe ich mich ihnen genähert“, berichtet er. In weiteren vertrauensbildenden Maßnahmen legte er auf der Weide, die als Winterquartier vorgesehen ist, Silagefutter aus.

Weshalb die Tiere ausbüxten, dazu hat er sich seine eigenen Gedanken gemacht: „Ein Teil ihrer Weide wurde umgebrochen und durch einen Zaun abgetrennt.“ Das nahmen die Tiere nicht hin.

„Wir Menschen neigen dazu, erst kleine Grenzen zu setzen und sie bei Bedarf auszubauen“, sagt der Edertaler Cowboy. Rinder ticken andersherum. Sie brauchen sofort eine klare Ansage, sprich: einen Elektrozaun.

Harald Fedder setzt auf ein Team aus ausgesuchten Leuten. Rund ein Dutzend Reiter versammelt er um sich, dazu Helfer, die vom Auto aus Beobachtungen melden. Die Berittenen müssen fein aufeinander abgestimmt handeln, „wie ein lebendiger Zaun“.

Auszuloten, auf welche Entfernung die elf Rinder wie reagieren, gehört zu den Herausforderungen des Einsatzes. Das Gelingen schafft die Basis dafür, dass die Reiter die Tiere nicht nur einkreisen, sondern sie in der Folge auch vorsichtig in die gewünschte Richtung treiben. Für die Ankunft am Ziel gilt das erst recht.

„Die Rinder kennen die Winterweide und haben das Gefühl, sie unbedrängt aufsuchen und wieder verlassen zu können. Erzeugen wir den Eindruck, dass wir sie hineindrängen, werden sie fliehen“, ist Harald Fedder überzeugt.

Eine Verletzung von Mensch oder Pferd riskiert Edertals einziger professioneller Cowboy keinesfalls. „Wahrscheinlich haben wir mit der Aktion nur einen Versuch und im günstigsten Fall maximal drei“. (su)

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