Freiwillige Probefahrten für Ältere: Reaktionen auf Vorschlag von Verkehrsexperten

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Am Steuer: Verpflichtende Prüfungen für Senioren werden als problematisch eingestuft, gerade auf dem Land. Unser Archivbild zeigt einen Teilnehmer beim Fahrsicherheitstraining für Senioren in Essen.

Waldeck-Frankenberg. Friedhelm Göbel fährt gerne Auto, und das jeden Tag: Schätzungsweise 4000 bis 5000 Kilometer legt der Korbacher im Jahr zurück. Einen Unfall hatte er nicht mehr, seit er 25 Jahre alt war. Mittlerweile ist er 75.

Damit fällt er in die Gruppe der älteren Autofahrer, die Thema beim jüngsten Verkehrsgerichtstag in Goslar waren.

Juristen und Verkehrsexperten diskutierten, ob Senioren zu Fahrprüfungen verpflichtet werden sollten. Als Ergebnis schlugen sie eine „qualifizierte Rückmeldefahrt“ vor: Freiwillig sollen ältere Fahrer ihre Fähigkeiten am Steuer testen lassen, das Ergebnis erfahren nur sie selbst.

Dieses Vorgehen unterstützt der Landesverband der Hessischen Fahrlehrer: „Freiwilligkeit ist das, was uns vorschwebt“, erklärt Helmut Schmidt, stellvertretender Vorsitzender und Fahrlehrer in Korbach. Ein konkretes Alter für Prüfungen sei ohnehin schwer zu nennen: „Es gibt Menschen, die sind 50 und müssten hin, während manch Älterer keine Probleme hat.“ Er würde sich nicht erdreisten, ältere Fahrer über einen Kamm zu scheren. Jeder sei erstmal selbst dafür verantwortlich, sich untersuchen zu lassen, wenn Defizite auftauchen. Häufig fange es mit den Augen an.

Friedhelm Göbel geht zweimal im Jahr zum Augenarzt, seine Sinne sind noch scharf, sein Reaktionsvermögen gut. Lange Strecken fahre er indes nicht mehr: „Da merke ich, dass es anstrengend wird.“ Er beschränke sich auf Stadtverkehr und die Umgebung. Helmut Schmidt ist schon mit Senioren losgefahren, die ihre Eignung testen ließen und seinem Rat folgten – auch wenn er empfahl, künftig das Taxi zu nehmen. Auch gebe es Kurse für Witwen, die zurück ans Steuer kommen. Freiwillige Angebote finden indes oft verhaltene Nachfrage: Auffrischungskurse für ältere Fahrer wurden eine Zeit lang angeboten, aber selten genutzt. „Wer will sich schon eingestehen, dass er die Regeln nicht mehr weiß?“, fragt Schmidt.

Verpflichtende Prüfungen hält er dennoch für problematisch, gerade auf dem Land. Auch Friedhelm Göbel denkt, dass Senioren schlecht auf das Auto verzichten können: „Gerade im Alter ist Mobilität wichtig – man hat ja mehr Zeit.“ Einkäufe zu transportieren sei ohne Fahrzeug kaum möglich. Und auch für ehrenamtliches Engagement sei es zentral: Als Feuerwehrmitglied besorgt er sich nachts bei größeren Einsätzen ein Einsatzfahrzeug und verpflegt seine Kameraden.

„Jeder der will, kann ein paar Fahrstunden machen“, sagt Helmut Schmidt – wenn Senioren die Rückmeldefahrt nutzen wollten, seien die Fahrschulen im Kreis gerüstet.

Was Polizei und Landkreis zu diesem Thema sagen und wie ungeeignete Fahrer aus dem Verkehr gezogen werden können, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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