Jüdische Geschichte ist einer der Schwerpunkte

Geschichte frisch verpackt: Stadtführer für junge Menschen

Mit dem neuen Buch: Ernst Klein mit dem Stadtführer „Altes mit jungen Augen sehen“. Foto:  Renner

Volkmarsen. Ein Stadtführer für junge Menschen, der auch die jüdische Geschichte der Kugelsburgstadt entsprechend berücksichtigt: Vor Jahren hatte Ernst Klein bereits die Idee dazu, jetzt hat der Vorsitzende des Arbeitskreises „Rückblende - Gegen das Vergessen“ sie in die Tat umgesetzt.

Unter dem Titel „Altes mit jungen Augen sehen“ hat der engagierte Volkmarser das 110 Seiten starke Werk erarbeitet. Das Besondere: Viele Fotos, kurze und präzise Texte - und drei Comic-Begleiter. Otto Bernstein, der im 19. Jahrhundert lebte, und Ilse Lichtenstein, die in den 1930er Jahren aufwuchs, wurden von Grafiker Stefan Zander nach den Ideen von Ernst Klein umgesetzt, ebenso der Schellenkarl, der in früheren Zeiten die Neuigkeiten in den Städten verkündete. In mehreren Kapiteln tauchen die drei Figuren auf und führen den Leser durch die Geschichte.

Historische Gemäuer

Ganz bewusst hat Klein nicht nur die jüdische Geschichte aufgegriffen, sondern die der gesamten Kugelsburgstadt. Thematisiert werden Aspekte wie Landwirtschaft, die Bedeutung des Wassers durch Mühlen und Hochwasser, aber auch historische Überbleibsel wie die Stadtmauer und die Wirtschaftssituation der Gegenwart. Zu jedem Thema gibt es einen eigenen Stadtplan, der zur Erkundung genutzt werden kann.

Sehr persönlich sind vor allem zwei Kapitel geworden. In einem berichtet Ilse Lichtenstein von ihrer Kindheit in Volkmarsen in den 1930er Jahren. Sie schildert, wie das Leben für ein Kind damals war, berichtet von jüdischen Familien und Geschäften und ihrer Religion - in der Ich-Form und der Gegenwarts-Perspektive. Lichtenstein floh im Zweiten Weltkrieg in die USA und lebte dort bis zu ihrem Tod. Mehrmals war sie allerdings noch in ihrer alten Heimat zu Besuch. Auch diese Eindrücke - aus der Sicht einer älteren Frau, die gezwungen war, ihre Heimat zu verlassen - schildert sie in dem Stadtführer.

Förderung vom Ministerium

Ihren Platz bekommen auch die Volkmarser Stadtteile und ein kleines Lexikon mit den wichtigsten verwendeten Begriffen. Und auch Ernst Klein selbst blickt zurück auf die vergangenen Jahrzehnte und schildert, wie er bestimmte Veränderungen wahrgenommen hat. Geeignet sei das Buch damit nicht nur für Kinder, sagt Klein, sondern „auch für Erwachsene, die ihre jugendliche Neugierde bewahrt haben“.

Für das besondere Buchprojekt hatte der Arbeitskreis Rückblende eine Förderung über 4500 Euro vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst bekommen (HNA berichtete).

Der Stadtführer „Altes mit jungen Augen sehen - Volkmarsen: Meine Stadt in Geschichte und Gegenwart“ hat 110 Seiten und kostet 9,50 Euro. Das Buch wird in einer Auflage von 500 Stück erscheinen und richtet sich in erster Linie an junge Menschen. Geeignet ist der Stadtführer für Kinder etwa ab einem Alter von neun Jahren. Offiziell vorgestellt wird es am Sonntag, 2. Februar, um 15 Uhr in der Geschichtswerkstatt. (ren)

Von Julia Renner

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