Finanz- und Verkehrsausschuss des Kreistages

Große Mehrheit für Reaktivierung der Bahnlinie Korbach-Frankenberg

Waldeck-Frankenberg. Für das Ja des Kreistages zur Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Korbach und Frankenberg zeichnet sich eine breite Mehrheit ab.

Zwar äußerten auch die Vertreter von FDP und FWG in der Sitzung des Finanz- und Verkehrsausschusses am Donnerstagnachmittag Bedenken, letztlich stimmte aber nur die CDU gegen die Reaktivierung.

Den Anteil in Höhe von drei Millionen Euro an den Investitionskosten zu bezahlen, falle dem Kreis zwar nicht leicht, sagte Gerd Brückmann (SPD). Es sei aber eine wichtige Investition. Christina Möller (Grüne) wies darauf hin, dass nicht nur der Tourismus und der Güterverkehr von der neuen Schienenverbindung profitiere, sondern auch die Einwohner des Kreises. Sie hätten in gut einem Jahr die Möglichkeit, mit der Bahn nach Frankfurt zu fahren, etwa zu Konzerten oder Fußballspielen. Ingo Hoppmann (Linke) sagte, man müsse die Bahn dann so vermarkten, dass sie ein Erfolg werde. Zum Beispiel, indem man Sonderzüge einsetze, mit denen Menschen aus Südhessen zum Skilaufen nach Willingen fahren können.

Dieter Schütz (FDP) erklärte, die Kosten-Nutzen-Rechnung sei positiv ausgefallen, die Effekte für Tourismus und Güterverkehr könnten nur positiv sein. Schütz: „Wenn wir die Bahn bauen, kommt auf jeden Fall kein Tourist weniger“. Er mahnte aber an, dass mit den 200 000 Euro, die der Landkreis pro Jahr an den Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) als Anteil an den Betriebskosten zahlen muss, die Obergrenze erreicht sei.

Genau das sei ja nicht der Fall, stellte Rainer Opper (CDU) fest. In dem Vertrag zwischen Landkreis, NVV, Bahn AG und Land Hessen sei ja bereits jetzt festgelegt, dass der Betriebskostenanteil jedes Jahr um 2,3 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahr steige. Opper: „Ich kann den Optimismus nicht teilen“.

Wilhelm Arnold (FWG) sagte, dass seine Fraktion in der Frage Bahn-Reaktivierung „tief gespalten“ ist. Er kritisierte die anwesenden NVV-Geschäftsführer Wolfgang Dippel und Klaus-Peter Güttler, dass der NVV vom Kreis verlange, dass sich dieser an den Betriebskosten beteiligen muss, damit die Bahnstrecke reaktiviert wird. Das sei einmalig in Nordhessen.

Dort ja, entgegnete Güttler. In Südhessen sei das durchgängig üblich. Es sei in Nordhessen ja aber auch eine Besonderheit, dass eine Bahnlinie wieder in Betrieb genommen werde. Güttler erklärte, dass die Bahnstrecke volks- und betriebswirtschaftlich sinnvoll und eine „große strukturpolitische Chance für den Landkreis ist“.

Gegenüber dem jetzigen Zustand spare man durch die Reaktivierung bis zum Jahr 2017 sogar neun Millionen Euro. Teure Umwegfahrten der Kurhessenbahn von Frankenberg über Marburg und Wabern nach Kassel entfielen, die Verkehrssicherungspflicht für die stillgelegte Strecke und die Pacht für nicht genutzte Immobilien der Bahn entfielen. Und letztlich entfalle die Ausgleichszahlung in Höhe von einer Millionen Euro, die der NVV an die Kurhessenbahn zahlen müsse, weil er seinerzeit zwar Verkehrsleistungen für den Abschnitt Korbach-Frankenberg bestellt hatte, 2007 aber aus dem damaligen Reaktivierungsvertrag ausgestiegen war.

Den Einwand von Rainer Opper (CDU), dass es kaum reaktivierte Bahnlinien gebe, bei denen sich die optimistischen Erwartungen erfüllt hätten, ließ NVV-Geschäftsführer Güttler nicht stehen. Es gebe zahlreiche Beispiele dafür, dass reaktivierte Bahnlinien „enorme Potentiale in der Region heben“.

Das ist geplant

Der erste Zug soll im Dezember 2014 auf der reaktivierten Strecke zwischen Korbach und Frankenberg fahren. Die Gesamtkosten für die Reaktivierung belaufen sich auf 16,787 Millionen Euro. Davon zahlt das Land Hessen 80 Prozent und der Kreis 20 Prozent (2,717 Mio. Euro).

Die beiden 200 und 92 Meter langen Tunnel im Ittertal, die aus dem Jahr 1900 stammen, müssen saniert werden. Acht der 48 Bahnübergänge entlang der Strecke – drei davon innerhalb des Stadtgebietes Frankenberg – müssen technisch gesichert werden.

Übergänge an öffentlichen Straßen sollen mit technischen Sicherungen (Schranken) versehen werden, an Feldwegen überwacht der Lokführer den Übergang bei der Durchfahrt. Die Sicherung der Übergänge kostet 2,5 Millionen Euro, wovon die Stadt Frankenberg und die Gemeinde Vöhl 341 000 Euro übernehmen müssten.

Es ist aber vorgesehen, dass – wie schon bei der Bahnstrecke Kassel-Korbach-Brilon – diese Kosten vom Landkreis erstattet werden. Somit wird der Landkreis insgesamt rund 3,058 Millionen Euro bezahlen. An den Betriebskosten in Höhe von 400 000 Euro jährlich beteiligt sich der Landkreis mit 50 Prozent. Wobei festgelegt ist, dass sich der Betrag jährlich um 2,3 Prozent erhöht.

Montags bis freitags sollen täglich 18 Züge im Zwei-Stunden-Takt fahren. Die Fahrzeit auf der 30 Kilometer langen Strecke betrage 38 Minuten, die Höchstgeschwindigkeit der Züge 60 km/h. Samstags sollen 16 und sonntags 14 Züge im Zwei-Stunden-Takt fahren.

Hier sollen die Züge halten

Folgende Haltepunkte sind geplant:

Frankenberg

Frankenberg-Goßberg

Viermünden

Ederbringhausen

Schmittlotheim

Kirchlotheim/Nationalparkzentrum

Herzhausen

Thalitter

Korbach-Süd

Korbach

Dabei sollen die Haltestellen Goßberg, Kirchlotheim und Thalitter nur als Bedarfshalt bedient werden. Komplett neu gebaut werden die Stationen in Thalitter, Herzhausen (Ortslage) und Kirchlotheim. Die Stationen in Schmittlotheim, Ederbringhausen, Viermünden und Frankenberg-Goßberg sollen modernisiert werden. (emr)

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