Mit einem Bergmann fing es an: Korbacher Ehepaar Emde sammelt Nussknacker aus aller Welt

Ein Haus voller stummer Männer

Praxistest: Birgit und Volker Emde mit einer Miniauswahl ihrer Sammlung beim Nüsseknacken. Im Alltag tut es dafür übrigens ein handelsübliches Exemplar.

Korbach. Birgit und Volker Emde sind nie alleine in ihrem Haus in der Korbacher Kernstadt. Aber es sind seltsam starre und stumme Mitbewohner, mit denen Emdes ihre Räume teilen: Das Ehepaar sammelt Nussknacker. 1101 sind es derzeit. Und die Mehrzahl von ihnen sind figürliche Darstellungen.

Könige in leuchtend bunten Gewändern gibt es da zuhauf, Husaren und Gardesoldaten in nicht geringerer Zahl. Aber auch Nachtwächter, Musketiere, Jäger oder Polizisten stehen in und auf den den zahlreichen Vitrinenschränken. Und Bergmänner - und mit einem von ihnen fing Ende der 90er-Jahre die Nussknacker-Sammelleidenschaft an.

Sammler waren Emdes allerdings zuvor schon. Davon zeugt eine in gut 40 Jahren zusammengetragene, inzwischen riesige, akribisch dokumentierte und museumsgerecht präsentierte Mineraliensammlung. Wer sich mit Mineralien beschäftigt, beschäftigt sich natürlich auch mit dem Bergbau. Eher durch Zufall kamen Birgit und Volker Emde an diesen ersten Nussknacker in Form eines Bergmanns. Mit gut 100 Jahren ist er übrigens auch der älteste in der Emdeschen Sammlung.

Genauso wie die Mineralien sind auch die Nussknacker dokumentiert. Emdes können genau nachvollziehen, wo sie jeden Knacker gekauft haben, was er gekostet hat, welche Besonderheiten er hat und fotografiert wurde jedes Stück natürlich auch. „Sonst würden wir nichts wiederfinden“, sagt Birgit Emde pragmatisch.

„Wir wollten bei 1000 Nussknackern Schluss machen, jetzt haben wir uns 1111 als Ziel gesetzt - aber wer weiß, ob wir das einhalten... Was, wenn wir etwas ganz Besonderes finden?“

Birgit Emde

Und so manches auf dem Flohmarkt oder bei Internet-Auktionen erstandene Stück erhält erst einmal eine Generalreinigung, bevor es der Sammlung einverleibt wird. Diese Käufe machen am meisten Spaß, sind sich Emdes einig. Sie neu im Laden zu kaufen sei nur halb so spannend.

Nach gut zehn Jahren sind Emdes Nussknacker-Experten. Dass sie - wie am Anfang - fleißig chinesische Imitationen kaufen, das kann ihnen nicht mehr passieren. Wie man ein Original von einer billigen Imitation unterscheidet, wissen sie heute ebenso genau wie sie an Hand einer bestimmten Nasenform oder anderer Details die Herstellerfirma bestimmen können.

Spannend weiß Birgit Emde zu berichten, wie sich nach dem Erscheinen von ETA Hoffmanns Märchen „Nussknacker und Mäusekönig“ 1816 und der Geschichte „König Nussknacker und der arme Reinhold“ von Struwwelpeter-Autor Heinrich Hoffmann 1851 ein wahrer Nussknacker-Boom entwickelte. Damals wurden die Knacker-Figuren als Kinderspielzeug beliebt. Klar, dass Birgit Emde nicht nur jede Menge Literatur über Nussknacker allgemein besitzt, sondern auch eine Vielzahl verschiedener Ausgaben der Nussknacker-Kindergeschichten.

Neben den bunten Figuren finden sich auch zahlreiche naturbelassene, darunter viele Tierfiguren, wobei naturgemäß die Eichhörnchen führend sind. Die einfachen, traditionellen sind es, die Emdes am besten gefallen: „Nicht die überladenen Neukreationen.“ Die wollen sie in ihrer Sammlung auch gar nicht haben, sagt Volker Emde und zeigt einen Katalog, in dem sich die seltsamsten Figuren - teils mit Perlen verziert tummeln: „Die werden für den großen amerikanischen Sammlermarkt hergestellt.“

In vielen Schubladen sammeln sich bei Volker und Birgit Emde auch eine Menge Hebel- und Zangenwerkzeuge zum Nüsseknacken. Denen gilt ihre Liebe genauso wie den Figuren. Aber über die gibt es einfach mehr zu erzählen.

Von Eva D. Schwarz

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