Sind Bauernregeln Humbug oder ein hilfreicher Fingerzeig?

HNA-Wetterexperte blickt auf die kommenden Wochen: Es bleibt stürmisch

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Das stürmische Wetter und seine Folgen für den Verkehr: Die Feuerwehr Rosenthal beseitigte hier zwei große Fichten, die die Straße zwischen Willersdorf und Rosenthal blockierten. 

Frankenberger Land. Sind Bauernregeln Humbug oder ein hilfreicher Fingerzeig? Der Ernsthäuser Wetterexperte Roland Schmidt gibt eine Prognose ab und überprüft, ob die Bauernregeln zutreffen.

Mit dem März startet nach meteorologischer Zeitrechnung der Frühling, der Bauernkalender verkündet sogar „Der Lenz fängt mit St. Peter an“ (22. Februar). Diese Einteilung liegt wesentlich näher am klimatischen Verlauf der Jahreszeiten, als die rein astronomische Zuordnung, die den Frühling mit der Tag-und-Nachtgleiche am 20. März beginnen lässt.

Zeit also für eine kurze Bilanz des Winters: Seine Mitteltemperatur lag mit 1,3 Grad etwas über dem langjährigen Normalwert. Trotz der zweiwöchigen Kälteperiode im Januar hat sich die Bauernregel „Ist der September lind, wird der Winter ein Kind“ damit durchaus bestätigt: Ein Winter, in dem Dezember und Februar schneearm und mild ausfielen, war aus Sicht unserer Vorfahren ein harmloser Geselle. Auffällig war die lang anhaltende Trockenheit, womit die Regel „Friert im November zeitig das Wasser, wird’s dafür im Januar um so nasser“ scheinbar irrte. Der Fehler lag allerdings beim Verfasser dieses Artikels – tatsächlich traten die Frosttage nicht zeitig im November, sondern erst zur Monatsmitte auf.

Was lässt sich aus den Erfahrungsregeln für das Frühjahr ableiten? Dass es bald im Februar beginnen würde, hatte die Lichtmessregel („Wenn´s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit“) schon richtig angekündigt. Nun fällt seit der letzten Februarwoche der ersehnte Regen. Zusätzlich bläst dazu häufig ein starker Wind bis zur vollen Sturmstärke. Auch das war früheren Generationen durchaus genehm: „Im Hornung (dem Februar) müssen die Stürme fackeln, dass den Ochsen die Hörner wackeln“, reimten sie dazu.

Die Temperaturgegensätze auf der Nordhalbkugel erreichen nun ihr Maximum, denn während im Norden nach wie vor eisige Frostluft regiert, wird es im Süden immer wärmer. Aus dem Gegensatz beziehen die atlantischen Sturm- und Orkantiefs ihre Energie. Auch in früheren Jahrzehnten gab es im Spätwinter und Vorfrühling immer wieder verheerende Stürme in Mitteleuropa.

Die Wahrscheinlichkeit, dass kräftiger Wind und häufiger Regen in den kommenden Wochen auftreten, ist nicht gering, denn die jetzige Großwetterlage stellte sich ab dem 22. Februar ein. „Wie’s Petrus und Matthias (22. und 24. Februar) macht, so bleibt es noch durch 40 Nacht“ stellten unsere Ahnen dazu fest, wobei die „40 Nacht“ nicht wörtlich, sondern als Umschreibung für mehrere Wochen zu verstehen sind.

Derzeit prognostizieren die Wettermodelle bis zum Ende der ersten Märzwoche den Fortbestand der Westwetterlage, einschließlich des Risikos weiterer Stürme. Die normalerweise zur Märzmitte fällige ruhige und milde Vorfrühlingsphase könnte demnach vergleichsweise kurz ausfallen, doch der Regen wird derzeit dringend gebraucht. Immerhin ist auch die Gefahr eines strengen „Märzwinters“, wie wir ihn 2013 erlebten, in diesem Jahr sehr gering.

Von Roland Schmidt

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