Spektakuläre Aktion

In Holzschuhen nach Berlin: Biobauer protestiert gegen Agrarpolitik

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Zieht von Usseln aus los: Otto Schöneweis aus Braunau läuft die 460 Kilometer bis Berlin, um dort an einer Demonstration gegen die derzeitige Agrarpolitik teilzunehmen.

Usseln/Braunau. Vier Paar Socken und vier Paar Holzschuhe. Das ist die Wanderausrüstung von Biobauer Otto Schöneweis. Er läuft nach Berlin und schläft im tierischen Nachtquartier.

Otto Schöneweis geht in die Knie und schiebt die beiden Beine seiner braunen Hose hoch. Darunter kommen seine Socken zum Vorschein. Schicht für Schicht schiebt er sie herunter. „Vier Paar Wollsocken, darunter Kompressionssstrümpfe“, sagt er. Der Biobauer aus Braunau braucht die vielen Socken. Denn wenn andere bei diesen Temperaturen auf wärmende Stiefel setzen, schlüpft er in seine Holzschuhe. Mit denen will er in den nächsten Tagen ordentlich Strecke machen.

Es ist die weiteste Tour, die er in seinen Lieblingsschuhen absolviert. Otto Schöneweis ist Mittwochvormittag in Usseln losgezogen. Sein Ziel: Berlin. 460 Kilometer in elf Tagen will er schaffen. Zu Fuß. Es ist eine weitere spektakuläre Aktion des Biobauern. Und wieder zieht er mit einer politischen Botschaft im Gepäck los. Er will auf Missstände in der Landwirtschaft aufmerksam machen. „Alle wollen eine bäuerliche Landwirtschaft. Aber wenn die Preise so bleiben, haben wir bald keine bäuerliche Landwirtschaft mehr. Wir brauchen Preise, die unsere Kosten decken“, unterstützt ihn Josef Jacobi, Aufsichtsratsvorsitzender der Upländer Bauernmolkerei.

Schöneweis hat seine Landwirtschaft mit 60 Kühen im April auf Bio umgestellt und beliefert die Bauernmolkerei. Unter dem Motto „Wir haben es satt“ beteiligt sich der 59-Jährige am 17. Januar an der Demonstration vor dem Kanzleramt. 25.000 Demonstranten werden laut Jacobi erwartet. Ihre Forderung: „Stoppt Tierfabriken, Gentechnik und TTIP“. Die Kundgebung findet parallel zur Internationalen Grünen Woche in der Hauptstadt statt.

Mit dem Kälberiglu 

Bei seiner letzten Protestaktion hatte Schöneweis die Kuh „Faironika“ dabei. Dieses Mal zieht er ein Kälberiglu hinter sich her. Was sonst als Schutzhütte für Kälber dient, ist für den Biobauern Schlafgemach und Kofferraum in einem. Schlafsack rein und fertig ist die Übernachtungsmöglichkeit. Das Iglu ist 1,90 Meter lang, Schöneweis ist 1,80 groß. „Das passt“, erklärt er und lacht. 15 bis 20 Stunden täglich will der 59-Jährige laufen, um „von der Stelle zu kommen“. Über Warburg, Göttingen, Halberstadt geht es nach Magdeburg, Brandenburg, Potsdam und Berlin. Wenn alles klappt. „Hoffentlich geht alles gut“, drückt ihm Jacobi die Daumen. Sollte es unterwegs doch Probleme geben, setzt Schöneweis auf Reinhard Nagel. Der Biobauer aus Nieder-Waroldern fährt mit dem Traktor zur Demo und könnte Schöneweis mitnehmen.

Die Upländer Bauernmolkerei berichtet auf ihrer Facebook-Seite, was Otto Schöneweis auf seiner Tour alles erlebt.

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