Eine neue Dokumentation stellt den jüdischen Friedhof in Rhoden vor

Jüdischer Friedhof: Aus dem Schatten ins Licht

Idyllischer Ort: Der jüdische Friedhof in Rhoden liegt im Schatten alter Eichen und ist ein verwunschener Platz. Gräber aus drei Jahrhunerten sind hier erhalten. Viele Inschriften sind in hebräischer Sprache und schwer zu entziffern.

Rhoden. Sonnenstrahlen fallen durch die Blätter und sprenkeln die Steine. Ein Spiel aus Licht und Schatten. Hier, unter uralten Eichen, ruht der jüdische Friedhof. Er ist ein Schmuckstück am Rande von Rhoden, ein verwunschen wirkender Ort.

Zum Leben erweckt wird er in einer Dokumentation, die jetzt erscheint. Rhodens Stadtarchivar Heinrich Friele hat sie erstellt. Geholfen hat ihm Karl Heinemann. „Der jüdische Friedhof Rhoden“ heißt das 250 Seiten umfassende, detaillierte Werk, das morgen der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Herausgebracht hat es der Waldeckische Geschichtsverein, Bezirksgruppe Diemelstadt. Eine „gelungene und ansprechende Dokumentation“, wie der Ehrenvorsitzende des Waldeckischen Geschichtsvereins, Dr. Günter Weltecke, im Vorwort schreibt. Gelungen ist das Buch in der Tat – die Rhodener Friele und Heinemann haben viel Zeit und viel Arbeit investiert.

Aus drei Jahrhunderten

88 Grabsteine sind auf dem Friedhof auf dem Heidhügel zu finden. Sie stammen aus drei Jahrhunderten und sind fast vollständig erhalten. Die ältesten Gräber aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind zum Teil überwuchert, schnell wächst hier das Grün. Ahorn, Haselnuss und Himbeere ranken sich über die Steine. Mit Aufwand hatte Friele sie gesäubert, um sie untersuchen zu können. Doch mittlerweile versinken sie wieder im Dschungel.

Neue Form: Himmelsbogen mit symbolisierter Kanne.

Um die hebräischen Inschriften entziffern zu können, wurde, nach jahrelanger Suche, der Kontakt zu Ada Herlinger aus Kassel geknüpft. Die Expertin für jüdische Kultur, Geschichte und Religion sei eine goße Hilfe gewesen, sagt Heinrich Friele. Er und Karl Heinemann sind begeistert von dem, was Herlinger übersetzte. „Inschriften und auch bildhauerische Darstellungen auf den Steinen sind einmalige Zeugnisse jüdischen Glaubens“, sagt Friele. Noch ergänzt wurde die Übersetzung von Hanna Salomon aus Frankfurt.

Zwölf Euro kostet das neue Buch, es erscheint in einer kleinen Auflage von 125 Stück. Wenn es morgen präsentiert wird, ist die ganze Bevölkerung herzlich dazu eingeladen, betont Heinrich Friele. Zeitgleich erscheint ein Aufsatz Frieles über die Rhodener Synagoge in Heftchenform. Er ist ebenfalls zu erwerben und passt inhaltlich gut zum Buch.

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