Trotz günstigerer Preise

Kaum einer tankt Biosprit

An einer alten Zapfsäule: Thomas Grebe, Geschäftsführer der Mineralölfirma und Tankstellenkette Grebe & Sohn aus Korbach. Grebe ist auch Vorsitzender der bft-Gruppe mit über 2100 Tankstellen. Foto: Hoffmeister

Waldeck-Frankenberg. E 10 ist einige Cent billiger - doch in Waldeck-Frankenberg ist der Absatz gering.

Der Absatz des Biosprits E 10 bleibt hinter den Erwartungen der Mineralölkonzerne zurück. Nur etwa 15 Prozent der Autofahrer mit Ottomotor tanken den Kraftstoff, der bis zu zehn Prozent Bioethanol enthält - obwohl dieser rund vier Cent günstiger ist als Superbenzin. Vier Jahre nach Einführung des Biosprits hat die HNA Tankstellenpächter und -Eigentümer befragt.

„Viele Autofahrer meinen, es gehe was kaputt, wenn sie E 10 tanken“, sagt Christel Jäger, Pächterin einer Frankenberger Aral-Tankstelle. Bei ihr macht der E 10-Absatz „nur zehn bis 15 Prozent“ aus. Das Auto sei der Deutschen liebstes Kind, sagt Jäger. Der Preis allein sei nicht entscheidend. „In der Waschanlage wird richtig Geld ausgegeben.“

„Die Leute tanken das nicht, weil sie denken, es frisst den Motor kaputt“, sagt Heinrich Landau, Seniorchef der Tankstelle Landau in Löhlbach. Dort gibt es derzeit keinen E 10-Biosprit. „Vielleicht aber demnächst doch, weil etliche Kunden danach fragen“, überlegt Landau.

Fast alle vertragen E 10

Nach einer Meldung des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) vertragen 95 Prozent der zugelassenen Benziner den Biokraftstoff. Zumindest bei weniger als zehn Jahre alten Autos sei E 10 unbedenklich. „Wahrscheinlich vertragen noch viel mehr Autos E 10“, sagt Thomas Grebe, Geschäftsführer der Korbacher Firma Grebe&Sohn. Grebe ist auch Vorsitzender der Kette bft, die über 2100 Tankstellen betreibt. „Man kann das völlig problemlos tanken“, versichert Grebe. Er verweist auf Listen im Internet, aus denen hervorgeht, für welche Autotypen E 10 zugelassen ist.

Beim Start vor vier Jahren waren die Autofahrer schlecht informiert, eine Boulevardzeitung verunglimpfte E 10 als „Ökoplörre“. Nach Ansicht des ADAC verschenken Autofahrer jedes Jahr Millionen Euro, weil sie das in der Regel vier Cent pro Liter teurere Superbenzin tanken.

Wird der Biosprit wieder abgeschafft, weil ihn kaum jemand tanken will? - Nein, sagt Thomas Grebe. „Eine Abschaffung von E 10 ist kein Thema.“

Ungern denkt Thomas Grebe an die Einführung des Biokraftstoffes vor vier Jahren zurück. Das sei „politisch gewollt“ und schlecht vorbereitet gewesen, sagt der Betreiber von zehn Grebe-Tankstellen und Vorsitzende der Tankstellen-Kette bft. Die meisten Autofahrer hätten aus Sorge vor einem Motorschaden oder zerfressenen Leitungen lieber gleich ganz die Finger vom Biokraftstoff gelassen.

Von Thomas Hoffmeister

Weitere Gründe zur Ablehnung von Biosprit sind die Tank-und-Teller-Diskussion und der Umweltschutz in Dritte-Welt-Ländern, mehr dazu in den gedruckten Samstagausgaben der HNA Frankenberger und Waldecker Allgemeine

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