Verkehrsminister Posch: Es wären zu hohe Investitionen für zu wenig Verkehr

Kein Lückenschluss in A4 zwischen Olpe und Hattenbach

Kein Lückenschluss in A4 zwischen Olpe und Hattenbach

Waldeck-Frankenberg. Zwischen der nordrhein-westfälischen Stadt Olpe und dem nordhessischen Hattenbach, einem Ortsteil von Niederaula im Kreis Hersfeld-Rotenburg, wird es keine Autobahn oder autobahnähnliche Verbindung (vierspurige Bundesstraße) geben.

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Das steht nun endgültig fest. Der Grund: Angesichts des vorausgesagten niedrigen Verkehrsaufkommens wäre der Bau einer Fernstraße mit Kosten zwischen 1,3 und 1,7 Milliarden Euro zu teuer. Selbst vorbereitende Untersuchungen wie eine Umweltverträglichkeitsprüfung seien mit über drei Millionen Euro zu kostspielig.

Das Aus für die Verlängerung der aus Nordrhein-Westfalen kommenden A 4 durch das Sauerland und an Frankenberg vorbei verkündete am Mittwochabend Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) gegenüber unserer Zeitung. Posch: „Wir können nicht alles machen, was wünschenswert ist. Wir müssen vernünftig mit den Steuergeldern umgehen.“

Der Bau der Fernstraße durch das Sauerland und Nordhessen war vor allem von der Wirtschaft im Kreis Waldeck-Frankenberg wie den Viessmann-Werken (Allendorf/Eder) und Conti (Korbach) gefordert worden. Auch der frühere Regierungspräsident Lutz Klein (CDU, Battenberg) hatte sich vehement für die Verbindung eingesetzt. Dass nun nichts daraus wird, liegt an einer Untersuchung, die das Land Hessen im Auftrag der Bundesregierung hat anfertigen lassen. Die darin enthaltenen Ergebnisse belegen, dass es keinen Bedarf für eine derart leistungsfähige Fernstraße gibt, sagt Posch.

Zwischen Erndtebrück in Nordrhein-Westfalen und Frankenberg würden zum Beispiel rund 10 000 Fahrzeuge in 24 Stunden unterwegs sein, zwischen Frankenberg und Hattenbach (Anschluss an die A 5) wären es nur 4000 bis 5000 Autos. Zu wenig, um eine kostspielige Umweltverträglichkeitsprüfung (bis zu 3,8 Millionen Euro teuer) als Voraussetzung für den Straßenbau in Auftrag zu geben. Seine Entscheidung teilte er Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit. Und erntete Lob.

Zitat aus einem Schreiben Ramsauers an Posch: „Ich teile Ihre Auffassung, dass aufgrund der prognostizierten Verkehrsmengen und der sehr hohen Kosten der erwogenen neuen Bundesstraße die Planung und die damit verbundenen Beauftragung einer Umweltverträglichkeitsstudie (...) nicht weiter verfolgt werden kann.“ Posch setzt nun unter anderem auf den Bau von Ortsumgehungen. Mit den Verkehrsplanern will er jetzt darüber reden, wie im Landkreis Waldeck-Frankenberg die Verkehrs-Infrastruktur verbessert werden kann.

Von Frank Thonicke

Schäfer-Gümbel (SPD) begrüßt Verzicht auf Lückenschluss

Wiesbaden. Der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hat die Entscheidung von Bund und Land begrüßt, auf den Lückenschluss der Autobahn A4 zwischen Olpe und Hattenbach zu verzichten. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass diese Pläne unsinnig sind. Dass Union und FDP so lange daran fest gehalten haben zeigt, dass sie die Entwicklung in den ländlichen Räumen auf Beton reduzieren. Beton ist wichtig, aber es kommt darauf an, was man daraus macht." Die Ortsumgehungen, über die nun diskutiert werden soll, könnten nach Ansicht des SPD-Politikers längst fertig sein. "Die Landesregierung war aber aufgrund ihrer einseitigen Fixierung nicht in der Lage die Alternativen zu sehen. Es freut uns allerdings, dass Herr Posch jetzt einsichtig ist." (wet)

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