Kreis laut Kassenärztlicher Vereinigung Hessen überversorgt

Bedarf steigt: Bis zu fünf Monate Wartezeit für Psychotherapie

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Waldeck-Frankenberg. Die Zahl der psychischen Erkrankungen und die Nachfrage nach Therapieplätzen steigt. Bei 125 Prozent liegt die Versorgung durch Therapeuten im Kreis.

Damit gilt der Kreis laut Kassenärztlicher Vereinigung Hessen als überversorgt. Die Psychotherapeutenkammer Hessen sieht das anders.

Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen ist seit dem Jahr 2000 um 90 Prozent auf kreisweit 212 Tage im Jahr 2013 gestiegen, heißt es im aktuellsten Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK. Psychische Krankheiten stehen mittlerweile auf Platz vier der häufigsten Erkrankungen im Landkreis - Tendenz steigend.

41 Psychotherapeuten gibt es in Waldeck-Frankenberg, die 32,5 Versorgungsaufträge erfüllen. Die Zahl der Versorgungsaufträge ist geringer, da immer häufiger Psychologen ihre Stundenanzahl reduzieren und beispielsweise nur noch mit einer halben Stelle zur Verfügung stehen. Die Kassenärztliche Vereinigung sieht darin einen Vorteil: „Auf diese Weise können eine höhere Auslastung und eine Erhöhung des Therapieangebots am Nachmittag erreicht werden.“ Denn für diese Zeit gibt es die meisten Anfragen von Patienten.

Dass die Wartezeiten allein auf ein Erstgespräch dennoch ziemlich lang sind, berichtet Johann Rautschka-Rücker, Geschäftsführer der Psychotherapeutenkammer Hessen. 2011 wurde eine Untersuchung dazu durchgeführt. Diese zeigte: In ländlichen Regionen kann es bis zu 20 Wochen dauern, bis ein Patient überhaupt zu einem ersten Gespräch kommen kann.

Das bestätigt auch Erich Frings, Psychotherapeut in Bad Wildungen. Etwa drei bis vier Monate dauere es aktuell in der Praxis, die er mit seiner Frau betreibt, bis ein Platz für einen neuen Patienten frei sei.

Von Julia Renner

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