Literaturkritiker kommt zur Eröffnung

Denis Scheck lobt Literarischen Frühling: gemütlich, aber nicht provinziell

+
Beim Literarischen Frühling 2015: Denis Scheck (links) im Gespräch mit dem Schriftsteller Friedrich Christian Delius.

Waldeck-Frankenberg. Der TV-Literaturkritiker Denis Scheck kommt am Samstag zur Eröffnung des Literarischen Frühlings nach Frankenberg. Wir zuvor mit ihm gesprochen.

Erst kürzlich war der bekannte Literaturkritiker Denis Scheck für die TV-Literatursendung „druckfrisch" in Japan, dann sahen wir ihn im Fernsehen, wie er Martin Walser für ein Porträt zu dessen 90. Geburtstag zu Orten fuhr, die für sein Leben und Werk eine wichtige Rolle spielen. Warum er gerne zum Literarischen Frühling 2017 ins ländliche Waldeck-Frankenberg kommt, das erläutert der Literaturfan im Interview.

Herr Scheck, Sie reisen für Ihre Literatursendung „druckfrisch“ um die ganze Welt, um Autoren zu interviewen. Was reizt Sie daran, regelmäßig zu dem Festival in die nordhessische Provinz zu kommen? 

Literarischer Frühling in Frankenberg mit Mario Adorf und Sahra Wagenknecht

Scheck: Mit der Provinz ist das so eine Sache: Tomis am Schwarzen Meer war in dem Moment nicht mehr Provinz, als Kaiser Augustus den vor genau 2000 Jahren gestorbenen Ovid dorthin verbannte. Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl, ins Randständige zu fahren, wenn ich in die Buchenwälder nach Frankenberg, in die Bärenmühle oder ins Schloss Waldeck komme. Eher bin ich endlich im Zentrum jenes Literaturlands Deutschland angelangt, von dem die Brüder Grimm mit ihren Märchen eine recht schöne Landkarte zeichneten.

Was macht für Sie die Besonderheit des Literarischen Frühlings aus? Was sind die Stärken oder Vorzüge dieses Festivals? 

Scheck: Zum einen ist die Begeisterung und Aufgeschlossenheit des hiesigen Publikums wirklich bemerkenswert, zum anderen hat das Festival durch die souveräne und wohltuend persönliche Handschrift der Organisatoren Frau Kohl und Herr Brill etwas Unverwechselbares. Es ist, um eine urdeutsche Vokabel zu bemühen, schlichtweg gemütlich, aber eben nicht provinziell. F.C. Delius, Martin Walser oder Hans Martin Enzensberger waren jedenfalls recht angetan von der Atmosphäre.

Wie wird dieses Literaturfestival in der deutschen Literaturszene wahrgenommen? 

Scheck: Mit jedem Jahr wird der Literarische Frühling bekannter. Seien wir ehrlich: der Literaturbetrieb hat sich immer mehr in eine Art wandernden Reichstag mit über hundert Pfalzen verwandelt. Der Literarische Frühling bietet da die Möglichkeit, einmal ein bisschen durchzuschnaufen und neue Kräfte zu tanken. Und gerade in solchen Situationen kommt man auf neue Ideen und wird kreativ.

Sie werden ja nun zum sechsten Mal Gast beim Literarischen Frühling sein. Sehen Sie bei Ihren Besuchen auch etwas von unserer Region? 

Scheck: Natürlich sehe ich viel zu wenig. Aber ein paar Mal habe ich schon ein paar Tage Wanderurlaub bei Ihnen gemacht und stieß bei meinen harmlosen Touren zum Beispiel auf Panzer der Bundeswehr, die auf den Feldwegen für den Einsatz in Afghanistan übten. Und eines steht fest: Es gibt wenig Schöneres als den Markt in der alten Rathausschirn in Frankenberg. Meine Co-Autorin Eva Gritzmann war jedenfalls begeistert.

Hintergrund:

Denis Scheck kommt zur offiziellen Eröffnung des Literarischen Frühlings am Samstag 22. April, nach Frankenberg in die Rathausschirn (19 Uhr). Der Verleger Michael Krüger wirft im Gespräch mit dem bekannten Literaturkritiker einen Blick auf das literarische Leben der Gegenwart und stellt seinen neuesten Roman „Das Irrenhaus“ vor. Eine Lesung mit Gespräch von Denis Scheck und Frank Günther über Shakespeare steht am Sonntag, 23. April, ab 11 Uhr auf Schloss Friedrichstein in Bad Wildungen auf dem Programm.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.