Kreistag: Bahnlinie Korbach - Frankenberg soll reaktiviert werden

Ende: Am Korbacher Südbahnhof endet derzeit die Bahnstrecke. Von hier soll sie dereinst weiter nach Frankenberg führen. Die Strecke zu reaktivieren würde einmalige Investitionskosten in Höhe von 14 Millionen Euro und jährlich zwei Millionen Euro Betriebskosten erfordern. Foto:  Happel-Emrich

Waldeck-Frankenberg. Um die Bahnstrecke zwischen Frankenberg und Korbach wieder in Betrieb zu nehmen, soll der Kreisausschuss schnellstmöglich einen Bau- und Finanzierungsvertrag mit der Bahn AG, dem Land Hessen und dem Nordhessischen Verkehrsverbund aushandeln.

Das hat der Kreistag am Donnerstagnachmittag beschlossen. Gleichzeitig wurde der Kreisausschuss auf Antrag von SPD und Grünen beauftragt, das erforderliche Geld für die Investitionen in die Infrastruktur der Bahnstrecke im Haushalt 2012 bereitzustellen.

Um die Strecke zwischen Frankenberg und Korbach zu reaktivieren, müssten 14 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert werden. Alleine für den Abschnitt zwischen Herzhausen und Korbach 9,7 Mio. Euro - die der Landkreis und das Land zahlen müssten. Der Anteil des Kreises daran würde bei 2,8 Millionen Euro liegen. Für den Abschnitt Herzhausen - Frankenberg würde die Bahn AG zahlen.

Mit jährlich etwa zwei Millionen Euro würde der Betrieb der Strecke zu Buche schlagen. Diesen Betrag würden sich das Land, die Kurhessenbahn, der Nordhessische Verkehrsverbund und der Landkreis aufteilen. Landrat Dr. Reinhard Kubat hält eine Beteiligung des Landkreises in Höhe von 100 000 Euro jährlich für möglich.

Landrat Dr. Reinhard Kubat sagte, dass die Kurhessenbahn seit seinem Amtsantritt Anfang 2010 ein sehr wichtiges Thema gewesen sei. Es habe viele Gespräche gegeben. Aber immer wieder sei das Thema Lückenschluss mit Verweis auf noch erforderliche Spitzengespräche verschoben worden. Auch beim Nordhessischen Verkehrsverbund sei in den vergangenen Jahren bei dem Thema nicht alles optimal verlaufen. So müsse der NVV jetzt 6,6 Millionen Euro nicht abgerufener Zuschüsse an das Land zurückzahlen. Das Geld hätte für den Betrieb der Bahnstrecke Korbach - Frankenberg eingesetzt werden können. Er - Kubat -. werde die 2,8 Millionen Euro Kreisanteil an den Investitionskosten in den Haushalt 2012 einstellen.

Anders als vor ein paar Jahren, als die rot-grüne Bundesregierung den Nahverkehrsausbau massiv gefördert hat, gibt es jetzt weniger Zuschüsse, erklärte Daniel May (Grüne). Deshalb sei jetzt nur ein Ausbau auf eine Zuggeschwindigkeit von 60 km/h und ein Zweistundentakt möglich. Dennoch sei es jetzt die letzte Chance, die Bahnlinie zu reaktivieren. Der Lückenschluss sichere auch die Bahnverbindungen zwischen Frankenberg und Marburg sowie zwischen Korbach und Kassel.

Dieter Schütz (FDP) schlug alternativ zur Bahnstrecke eine Busverbindung zwischen Korbach und Frankenberg mit Gas- oder Elektrobussen vor. Diese seien ökologisch vertretbar und der Unterschied bei der Fahrzeit betrage gegenüber der Bahn nur acht Minuten.

Adam Daume (SPD) sagte, es könne nicht sein, dass sich jetzt alle Beteiligte den Ball hin- und herschieben. Seine Fraktion sei dazu bereit, dass sich der Kreis an den Kosten der Bahnstrecke beteiligt.

Alf Höfer (CDU) kritisierte, dass der Kreistag schon vor zwei Jahren beschlossen habe, einen Nationalpark-Bus mit Fahrradanhänger einzuführen. Geschehen sei bis heute nichts. Andere Regionen würden das innerhalb weniger Wochen schaffen. Höfer wies darauf hin, dass es eine Buslinie zwischen Korbach und Frankenberg gibt, die nur unwesentlich langsamer ist, als es der Zug wäre.

Kai Schumacher (FWG) betonte die Wichtigkeit der reaktivierten Bahnstrecke nicht nur für die Ferienregion Waldeck-Frankenberg, sondern auch für die Kreisstadt Korbach hervor. Von korbach werde viel Güterverkehr über die Schienen abgewickelt.

Heidemarie Boulnois (Linke) sagte, die Lücke im Bahnnetz müsse endlich geschlossen werden. Die Landesregierung habe schon im Jahr 2008 beschlossen, die Strecke zu reaktivieren. Warum erinnern wir die Regierung nicht an ihren Beschluss von damals, fragte Boulnois. In Hessens Ferienregion Nummer 1 müsse es eine Alternative zum Autoverkehr geben. (emr)

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