Außergewöhnliches Museumsprojekt von vier Kurorten – Ausstellung ab 2014

Krieg und die heile Welt

Amerikaner in Bad Wildungen: führende Offiziere, darunter der General und spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower (Vierter von links vorn) am 11. Mai 1945 vor dem Kaiserhof. Foto:  Quellenmuseum

Bad Wildungen. Kurorte werben mit der heilen Welt. Doch auch sie waren vom dunklen Kapitel der beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts betroffen. Ein Kapitel, das in den Chroniken dieser Orte kaum dokumentiert ist, wie der Bad Wildunger Museumsleiter und Kulturbeauftragte Bernhard Weller sagte. Aus diesem Grund startet der Hessische Museumsverband nun in Zusammenarbeit mit mehreren Kur- und Bädermuseen das Projekt „Der Kurort im Krieg“.

Die Bädermuseen der vier Heilbäder Bad Wildungen, Bad Schwalbach, Bad Kissingen und Bad Pyrmont stellen sich im engen Zusammenwirken mit der Arbeitsgemeinschaft Kur- und Bädermuseen der Herausforderung, mehr Licht ins Dunkel der Kriegszeiten zu bringen. Geplant ist eine Ausstellung mit einer übergreifenden sozial- und medizinhistorischen Darstellung, die jeweils um örtliche Aspekte ergänzt wird. Geplante Eröffnung ist im Jahr 2014.

Fördergeld vom Verband

Der Hessische Museumsverband fördert das Gemeinschaftsprojekt mit 8000 Euro. Museumsberaterin Dr. Ulrike Adamek übergab den Bewilligungsbescheid jetzt im Bad Wildunger Rathaus an die Museumsleiter Dr. Martina Bleymehl-Eiler (Bad Schwalbach) und Bernhard Weller. Sie berichtete, dass die Sparkassen Kulturstiftung Hessen-Thüringen das Vorhaben mit 10 000 Euro fördern will.

„Wenn hier Langeweile ausbricht, schießen wir uns selbst ins Bein.“

Bürgermeister Volker Zimmermann

Auch die Sparkassenstiftung Waldeck-Frankenberg und die Asklepios-Kliniken Bad Wildungen haben eine Förderung in Aussicht gestellt.

„Es ist wichtig, diese Geschichte jetzt aufzuarbeiten. Kritische Ausstellungen gibt es kaum“, sagte Dr. Adamek. Es gehe nun darum, die so genannte heile Kurwelt einmal aufzubrechen und auch die Schattenseiten aufzuzeigen. Erfreut zeigte sie sich über die Beteiligung der vier Orte am Projekt, da die Finanzkrise, vielen Kommunen kaum Spielraum lasse.

„Auch wenn nicht alles machbar ist, wir müssen nicht unter den Schutzschirm,“ antwortete Bürgermeister Volker Zimmermann. Die Stadt fahre ihre kulturellen Anstrengungen nicht zurück. „Denn wenn hier Langeweile ausbricht, schießen wir uns selbst ins Bein.“

„Wenn man sich die Veranstaltungspläne der damaligen Zeiten ansieht, hat man den Eindruck, der Krieg findet nicht statt“, betonte Dr. Bleymehl-Eiler. Sie sieht es als besondere Herausforderung, dies nun aus den spärlich vorhandenen Quellen herauszufiltern. Dazu sollen auch weitere Quellen wie etwa das DRK-Archiv und das Bundesarchiv angezapft werden.

Lazarettstandorte

Denn gerade die Kurorte wurden wegen ihrer Infrastruktur als Lazarett- oder auch Militärstandorte gern genutzt, berichtete Bernhard Weller. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den Bau der Bunker und die Pläne, Bad Wildungen zum Luftwaffenhauptquartier zu machen, was sich aber zerschlug. Weller: „Da die Lazarettaufenthalte von Soldaten vergütet wurden, haben Kurorte wie Bad Wildungen davon auch profitiert.“

Von Jörg Schade

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.