Jährlich zu Silvester zu hören

Dorfjugend feiert den 200. Geburtstag der Landsturmtrommel

Mit Instrument: Die Dorfjugend mit Vorsitzendem Martin Kann (Mitte links) und Ortsvorsteher Friedrich Heine (Mitte rechts) feierte. Foto:  Friedewald

Ober-Ense. Zahlreiche Gäste kamen ins Dorfgemeinschaftshaus, um den 200. Geburtstag der Ober-Enser Landsturmtrommel zu feiern und sich gemeinsam an die vergangenen Jahre zu erinnern.

Es ist nicht die Trommel selbst, die in jedem Jahr die Silvesternacht zu etwas ganz besonderem macht, sondern die gelebte Erinnerung und Tradition rund um das historische Musikinstrument. Dies hob Ortsvorsteher Friedrich Heine in seiner Begrüßungsansprache besonders hervor.

Nach der Ehrung der Verstorbenen trat Dirk Schreiber von der Dorfjugend ans Rednerpult. In einem Rückblick schilderte er die wichtigsten Ereignisse seit dem Kauf der Landsturmtrommel im Jahr 1814.

Damals, zur Zeit Napoleons, erließ der „Hauptmann und Kompaniechef“ Wigand den Befehl, von jedem Landsturmmann drei Mariengroschen einzufordern, um eine Trommel und eine Pfeife anzuschaffen. Dies geht aus einer alten Urkunde hervor. Seitdem wurden die Instrumente bei allen Märschen mitgeführt. Nach der Auflösung der Landsturmkompanie wurde es zur Tradition, sich in der Silvesternacht zu uniformieren und mit der Trommel im Gepäck eine Nachtwache zu halten.

Ursprünglich führte man darüber hinaus noch Pfeife und ein Horn mit, diese gingen jedoch im Laufe der Jahre verloren.

Nach dem Krieg lebte die Tradition 1955 wieder auf. Heinrich Graf und Wilhelm Trachte veränderten diese jedoch, sodass es seitdem die Aufgabe der Dorfjugend ist, mit Trommelklängen und Gesang von Haus zu Haus zu ziehen und ein frohes neues Jahr zu wünschen.

Eine Kostprobe des Neujahrssingens lieferte die Ober-Enser Dorfjugend auch an diesem Abend mitsamt Trommel. Da diese jedoch über die Jahre immer mehr Gebrauchsspuren zeigte, wurde sie restauriert und man fertigte zur Schonung des Originals ein Duplikat an.

Das ganze Jahr über werden die Trommeln im Haus des Ortsvorstehers gelagert und dorthin direkt nach der Neujahrsfeier zurückgebracht.

Stellvertretend für Bürgermeister Klaus Friedrich überbrachte Heinz Graf in originaler waldgrüner Uniform seine Glückwünsche und wies unter anderem auf die Einzigartigkeit der Tradition im Waldecker Land hin. Er übergab der Dorfjugend außerdem einen Scheck.

Nachdem gemeinsam das Waldecker Lied angestimmt wurde, ließ man den Abend mit einem Abendessen und gemütlichem Beisammensein ausklingen.

Die Ober-Enser blicken schon mit Freude auf das nächste Jubiläum mit den oft zitierten Worten: „Möge dieser alte Brauch noch lange erhalten bleiben und möge die Trommel noch viele neue Jahre in Frieden und Freiheit antrommeln“.

Von Marie Friedewald

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.