Eltern und Erzieher bemängeln alten Kindergarten - Neubau soll bald beginnen

Lina, Stella und Anja holen ihre Jacken aus der Garderobe im ersten Stock. Bis zu 25 Kinder hängen ihre Rücksäcke und Wechselkleidung in dem schmalen Flur auf, das Schuhregal befindet sich im Treppenhaus. Im Neubau soll es mehr Platz dafür geben. Fotos: Rösner

Sachsenberg. Ein Fluchtweg mit Stolperfallen, ein provisorischer Wickelraum, keine Toiletten im ersten Stockwerk und enge Flure für die Garderoben.

Die Liste der Dinge, die die Kindergartenleiterin und der Elternbeirat bemängeln, ließe sich um viele weitere Aspekte fortsetzen. Aus ihrer Sicht ist es höchste Zeit, dass der Kindergarten bald neu gebaut wird.

Derzeit besuchen 42 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren den Kindergarten in Sachsenberg. Er ist in zwei Gruppen aufgeteilt, die in zwei Stockwerken untergebracht sind. „Es ist positiv, dass beide Gruppen künftig im Erdgeschoss sein werden und dass dann in beiden Gruppen auch Zweijährige sein können“, sagt die Leiterin Irene Dippel-Czyz. Die Jüngsten dürfen wegen des Brandschutzes nicht im oberen Stockwerk betreut werden.

Eine separate Krippengruppe wäre ihrer Ansicht nach ideal. Aber auch die nun vorgesehene Variante betrachtet sie als erhebliche Verbesserung. „Hier ist alles sehr beengt, es gibt keinen Lärmschutz, und die Kinder können ihre Bewegungsbedürfnisse im Haus nicht ausleben, weil es keinen Turnraum gibt“, sagt Dippel-Czyz über das Haus in der Ortsmitte neben dem Marktplatz in Sachsenberg. Es handelt sich um ein hübsches Fachwerkhaus aus dem Jahr 1881. Die bröckelnde Fassade und abgenutzte Treppenstufen lassen jedoch sofort erkennen, dass eine Sanierung nötig wäre.

Haus mit langer Geschichte 

Dem Kindergarten ist anzusehen, dass einiges erneuert werden müsste. Wegen Denkmalschutz und Brandschutzauflagen würde das nach Meinung der Stadt 1,5 Mio. Euro kosten.

Seit 26 Jahren arbeitet Irene Dippel-Czyz schon in der Einrichtung in Sachsenberg. Seitdem hat sie eine aufwändige Renovierung und den Austausch der Fenster miterlebt. Das Haus sei ein „geschichts-trächtiges Gebäude“, das den Ansprüchen nicht mehr genüge. Wo Kinder ab zwei Jahren betreut werden, müsse es barrierrefreie Zugänge geben und mehr Platz, um den Bedürfnissen der verschiedenen Altersgruppen gerecht werden zu können. Die einen Kinder müssen gewickelt werden und machen noch Mittagsschlaf, während andere starken Bewegungsdrang haben. „Die Älteren sind bei uns unterfordert. Sie bräuchten Klettermöglichkeiten und würden auch gerne mal gegen einen Ball treten.“

Auch der Spielplatz am Kindergarten sei zu klein, und die Spielgeräte reichten nicht aus. Die Erzieherinnen würden oft auf den Spielplatz an der Orker Straße ausweichen. Doch dafür gehe viel Zeit drauf, und mit den Jünsten, die zwischendurch gewickelt werden müssen, sei dies kaum möglich.

Vom neuen Standort erhoffen sich die Erzieherinnen und Eltern mehr Flexibilität und Komfort. „Der neue Kindergarten ist eine Entscheidung für die Zukunft und eröffnet neue pädagogische Möglichkeiten“, sagt Irene Dippel-Czyz.

Ein Kritikpunkt: Der Notausgang für die Kindergartengruppe im ersten Stock verläuft über Stufen und diese für ein Fachwerkhaus typische schmale Treppe.

Viele der Eltern sind die jetzige Situation leid. „Man muss mit einem Kind eine Treppe hoch und durch mehrere Räume gehen, um es wickeln zu können. Das dauert eine Viertelstunde“, klagt Daniela Valentin vom Elternbeirat. Sie hat bei der Betreuung schon ausgeholfen und den Alltag der Erzieherinnen erlebt. Weena Doert, die sich ebenfalls im Elternbeirat engagiert, findet es untragbar, dass Eltern ihre Kinderwagen auf der Straße parken müssen. Ebenerdigkeit ist nicht gegeben.

Die Stadtverordneten hatten vergangenes Jahr die Einrichtung besucht. Einige bemängelten, dass es unangenehm roch und die Räume zu dunkel seien. An diesem sonnigen Tag, an dem die HNA den Kindergarten besucht, fällt das zunächst nicht auf. Irene Dippel-Czyz beklagt aber: „Es ist immer künstliches Licht nötig.“

Wie es um die Baupläne und die Kosten steht, lesen Sie in der Printausgabe der Frankenberger Allgemeinen von Freitag.

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