Keine Arbeit, Unterkunft auf dem flachen Land: Einige Flüchtlinge sind frustriert

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Viele Flüchtlinge leben in Fürstenberg, wo sie auf hilfsbereite Menschen aus dem Dorf stoßen, wo es aber auch wenig Infrastruktur gibt. Der jüngste von ihnen ist Stefan (3 Jahre) aus Serbien, der in Fürstenberg in den Kindergarten geht.

Fürstenberg. 50 Flüchtlinge leben in einer Gemeinschaftsunterkunft in dem kleinen Lichtenfelser Stadtteil Fürstenberg. Die Asylbewerber sprechen über ihre Sorgen.

Ahmed darf nicht bleiben. Sein Flug geht am 16. April. Das Ticket raus aus Deutschland hat er schon. Er hat einen Anwalt eingeschaltet, und seine letzte Hoffnung ist eine ärztliche Bescheinigung. Doch es sieht schlecht aus, er bekommt kein Asyl.

Ahmed ist ein Flüchtling aus Syrien, hat elf Monate hier verbracht, und muss jetzt nach Ungarn ausreisen, weil das sein Einreiseland in die EU war. In Fürstenberg ist er einer von mittlerweile 50 Asylbewerbern aus neun verschiedenen Ländern. Sie alle suchen in Deutschland ihr Glück. Nur wenige finden es.

Ein Tunesier aus dem kleinen Lichtenfelser Stadtteil hat Ahmed die vielen Papiere übersetzt. „Viele verstehen die Briefe nicht, die sie bekommen“, sagt Marina Pleger, die gemeinsam mit ihrem Partner Daniel Fein regelmäßig die Flüchtlinge im ehemaligen Hotel Fürstenberger Hof besucht und sich kümmert. „Die Unterlagen sind so umständlich formuliert, dass sie selbst ein Deutscher nur schwer versteht.“ Manche der Ausländer erhalten Angebote vom Jobcenter und sollen sich bewerben. Was eine Bewerbung ist, wüssten viele noch gar nicht, wenn sie hierher kommen.

Ahmed ist bemüht, er schreibt sich Vokabeln auf, denn er will Deutsch lernen. Der 26-Jährige schaut immer wieder bei einer Autowerkstatt zu. Er würde gerne arbeiten, hat dafür aber keine Erlaubnis. Seine Tage in Deutschland sind gezählt. Darüber ist er traurig. Und auch Marina Pleger findet das schade. „Es können nicht alle hier bleiben“, sagt sie. „Aber wenn man die Menschen kennt, die hier längere Zeit leben, dann tut es einem schon leid.“

Unter den Flüchtlingen, die in Fürstenberg leben, sind viele, die bereits seit mehr als einem Jahr darauf warten, wie es für sie weitergeht. „Das ist das Hauptproblem: dass sie überhaupt keine Perspektive haben“, sagt Marina Pleger. Und dann sind da solche, für die von vornherein wenige Chancen bestehen, bleiben zu dürfen, da ihr Herkunftsland als sicher eingestuft wird und sie nicht als von Verfolgung und Folter bedroht gelten.

Infrastruktur fehlt 

So wurde zum Beispiel in Fürstenberg eine Familie aus Mazedonien abgeschoben. Jeder Fall ist jedoch unterschiedlich. Die Behörden haben immer mehr Asylanträge zu bearbeiten. Wenn die Flüchtlinge dann lange keine Antwort erhalten, sei dies frustrierend, sagt Marina Pleger. Die Betroffenen, darunter viele junge Männer aus Eritrea, sind unzufrieden.

Die Infrastruktur in Fürstenberg sei schlecht, bemängeln sie. „Wir haben viele Probleme“, sagt zum Beispiel Johannes. „Hier gibt es kein Krankenhaus, keine Schule, keinen Supermarkt.“ Die Busverbindungen nach Korbach reichten nicht aus, und die Kosten für die Fahrt zum Einkaufen und zum Sprachkurs könnten sie sich nicht leisten.

Ein Eritreer und zwei Syrer haben jetzt eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre erhalten. Sie dürfen arbeiten, müssen aber zunächst die Sprache lernen. Dazu werden sie täglich unterrichtet. Die Kosten für die Fahrt zum Kurs bekommen sie erstattet. Doch fünf andere, die einmal pro Woche bei der Volkshochschule Deutsch lernen, müssen die Fahrt - 5,20 Euro pro Strecke - selbst zahlen. „Wir fühlen uns hier wie im Gefängnis“, sagen manche. Und: „Wir haben die Nase voll.“

Sie würden gerne woanders leben, in einer Stadt wie Korbach. Von dort aus könnten sie leichter Arbeit finden, so wünschen sie es sich. Dass es auch dort nicht leichter wäre, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, ist einigen nicht bewusst.

Derweil kümmern sich viele Fürstenberger seit Monaten um die Asylbewerber. Sie laden sie zu Feiern ein, in den Sportverein, schenken ihnen Dinge, die sie brauchen und nehmen sie mit dem Auto mit. Damit ist den Flüchtlingen aus der Sicht von Marina Pleger ohnehin am meisten geholfen: wenn sie eine Mitfahrgelegenheit haben. Einige Fürstenberger und Menschen aus umliegenden Dörfern bieten dies immer mal wieder an. Daneben seien Sprachkurse besonders wichtig. Ehrenamtliche hatten dies in Fürstenberg angeboten. Jetzt bestehe wieder Bedarf.

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