Bauern fürchten Nachteile 

Mercosur-Abkommen: 1000 Landwirte in Waldeck-Frankenberg könnten betroffen sein

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Fürchten Nachteile: (von links) Barbara und Andreas Gunia, Olaf Fackiner, Karsten Schmal, Stephanie Wetekam, Heiko Kieweg und Matthias Eckel.

Die Bauernverbände in Waldeck und Frankenberg warnen vor dem Freihandelsabkommen Mercosur. Werde es so umgesetzt, wie derzeit geplant, hätte das Auswirkungen auf rund 1000 Betriebe im Kreis.

Das sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands in Frankenberg.

An die Industrie seien Zugeständnisse gemacht worden, die Bauern dagegen seien geopfert worden, kritisiert Karsten Schmal, Vorsitzender des Waldecker Kreisbauernverbands und Präsident des hessischen Bauernverbands. 

Sorgen bereiten den Landwirten mehrere Aspekte. So sei unter anderem geplant, gut die Hälfte des bereits aus Südamerika kommenden Rindfleischs zum geringeren Zollsatz von 7,5 Prozent einzuführen, sagt Schmal und fragt: „Braucht man argentinisches Steak, das Tausende Kilometer zurückgelegt hat?“ Zudem sollen die Zölle für brasilianischen Zucker – derzeit 98 Euro pro Tonne – in den kommenden fünf Jahren wegfallen.

Andreas Gunia

Ungeklärt seien außerdem der Umgang mit Antibiotika und Hormonen für die Tiere, sagt Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin des Waldecker Kreisbauernverbands. „Auch die Rückverfolgbarkeit von Produkten ist nicht gegeben.“ Matthias Eckel sieht weitere Nachteile im aktuellen Abkommen. So seien in Südamerika deutlich mehr Pflanzenschutzmittel zugelassen als in der EU, insgesamt seien Herstellungs-, Tierhaltungs- und Umweltstandards in Europa viel höher. 

Auch wenn finanzielle Hilfen für Landwirte bereits angedacht seien: „Wir wollen unsere Erlöse am Markt erzielen, nicht durch Hilfen“, betont Eckel.

Das gesamte Mercosur-Abkommen wolle man nicht verteufeln, sagt Karsten Schmal. „Es muss aber deutlich nachgebessert werden.“ Ansonsten, sagt Eckel, könnten in der Region weitere Betriebe zum Aufgeben gezwungen sein.

Das Mercosur-Abkommen

Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sind die südamerikanischen Länder, die mit der EU die größte Freihandelszone der Welt aufbauen wollen. Diese würde rund 755 Millionen Menschen umfassen. Mehr als 20 Jahre wurde über das Mercosur-Abkommen verhandelt, nun gab es eine Einigung.

Die Übereinkunft muss allerdings noch von den nationalen Parlamenten bestätigt werden. Kritik kam bisher unter anderem von Regierungschefs in Frankreich und Polen.

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