Floorball für die Gemeinschaft

Neues Sportangebot bringt Flüchtlinge und Einheimische zusammen

Das neue Projekt Floorball mit Asylbewerbern in Fürstenberg wird gut angenommen. Der Verein hat schon Fördergeld für die Ausstattung mit Toren, Schlägern und Bällen bekommen. Für die 2500 Euro teure Bande werden noch Sponsoren gesucht. Foto: Rösner

Fürstenberg. Mehrere Dutzend Flüchtlinge leben im Lichtenfelser Stadtteil Fürstenberg. Der Sportverein engagiert sich, damit die Menschen integriert werden und eine Freizeitmöglichkeit haben. Ein ganz neues Projekt ist Floorball, das wir hier vorstellen.

Nacheinander betreten sie in Sportkleidung die Igelstadthalle: Der Afrikaner, die Frau aus Fürstenberg, das Mädchen aus Albanien. Bald sind es mehr als zwölf Sportler, die an diesem Mittwochabend trainieren wollen. Das reicht für drei Mannschaften zu je vier Spielern. Seitdem der Sportverein Fürstenberg im Februar eine Floorball-Abteilung gegründet hat, gibt es die Hallensportart auch in diesem Herbst und Winter wieder. Viele der Teilnehmer sind Flüchtlinge.

Junge Männer aus Ländern wie Eritrea und Äthiopien spielen schon Fußball für die SG Fürstenberg/Immighausen. Das zweite Angebot des Vereins ist Tischtennis, das auch einige der Asylbewerber wahrnehmen, die im Fürstenberger Hof untergekommen sind. Und nun die dritte Sportart: Floorball - das vor allem in Skandinavien beliebt ist.

Auch dem Jugendleiter Stefan Schäfer aus Fürstenberg hat es die Sportart angetan. Er entwickelt und vertreibt Sportartikel und ist beruflich oft in Finnland, wo ein Partner tätig ist. „In Finnland und Schweden ist Floorball Volkssport“, sagt er. Um die Flüchtlinge einzubinden, ist er einfach zu deren Unterkunft gegangen und hat sie gefragt, ob sie mitmachen möchten.

Neben Kindermannschaften trainieren nun auch wöchentlich Jugendliche und Erwachsene in Fürstenberg. Und zwar mit so vielen verschiedenen kulturellen Hintergründen und Altersgruppen wie wohl sonst selten in Waldeck-Frankenberg.

Manche sprechen kaum Deutsch, doch die Sportler verstehen sich: mit ein paar Sätzen Englisch, mit Gesten und Mimik. Vor allem nach dem Abpfiff gibt es keine Missverständnisse. Die Mannschaft mit den meisten Toren jubelt, die Spieler lachen und schlagen gegenseitig ein. Auch drei ausländische Kinder spielen mit. „Sie unterhalten sich mit Händen und Füßen und haben sich schon mit anderen angefreundet“, sagt Schäfer.

Vor allem jetzt im Winter freuen sich einige der Asylbewerber über Ablenkung. Sie bedanken sich für den Sport, sagt Schäfer. „Sport ist gut für das Miteinander im Dorf.“ Es habe viele kritische Stimmen gegeben, doch viele Dorfbewohner helfen den Flüchtlingen, erzählt Schäfer, und nehmen sie zum Beispiel zum Einkaufen mit nach Korbach. „Fürstenberg ist eben nicht der Nabel der Welt.“

Beim Floorball geht es an diesem Abend zur Sache. Die jüngste Teilnehmerin klagt, denn hin und wieder bekommen die Spieler den Ball ab oder den Schläger gegen das Schienbein. Jeder gerät ins Schwitzen, schon beim Aufwärmen. „Es ist ein schneller, actionreicher Sport“, betont Stefan Schäfer. Er hält Floorball für zukunftsfähig, da es leicht zu erlernen sei und weniger Spieler als zum Beispiel beim Fußball gebraucht werden.

In Fürstenberg steht zunächst der Spaß an erster Stelle, das sagen auch die Spieler. Das Ziel ist aber die Hessenliga, sagt Schäfer. Das sei zwar die unterste Klasse, aber schließlich handele es sich um eine Randsportart. Die nächsten Mannschaften gebe es in Marburg und Kassel. 2015 will der Verein ein Turnier in Fürstenberg ausrichten.

Von Stefanie Rösner

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