Bewährungs- und Geldstrafe für 56-Jährigen

Verhungerte Ziegen: Tierhalter aus Lichtenfels verurteilt 

+
Zahlreiche abgemagerte und verendete Ziegen wurden im Winter 2016/2017 auf einem Aussiedlerhof bei Medebach an der Grenze zu Münden gefunden.

Medebach/Lichtenfels. Der Tierhalter aus Lichtenfels, der auf einem Aussiedlerhof in Medebach etliche Ziegen verhungern und verwahrlosen ließ, ist am Donnerstag vor dem Amtsgericht Brilon zu einer Bewährungsstrafe und einer Geldbuße verurteilt worden. Außerdem darf er drei Jahre lang keine Tiere mehr halten

Erschreckende Anblicke boten sich vor einem guten Jahr auf einem Aussiedlerhof in Medebach. Mindestens 30 verhungerte Ziegen lagen auf dem Gelände oder am Straßenrand, im Stall befanden sich 55 lebende Tiere in einem verwahrlosten Zustand. Sieben Wochen später wurden dort wieder verendete Ziegen gefunden. Der geständige Eigentümer der Tiere wurde deshalb am Donnerstag vom Amtsgericht Medebach wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einem Tierhaltungsverbot von drei Jahren verurteilt.

Weiter muss er 2400 Euro Geldbuße ans Tierheim Brilon zahlen. Das Verfahren gegen einen mit der Betreuung der Ziegen beauftragten weiteren Angeklagten wurde vertagt, um wegen einer vorliegenden Erkrankung dessen Schuld- und Verhandlungsfähigkeit prüfen zu lassen. Die Ehefrau des Betreuers, der nach dem ersten Fund von toten Tieren per Scheinvertrag das Eigentum an der Herde übertragen worden war, um einer Beschlagnahmung der Tiere zu entgehen, wurde freigesprochen.

„Ich erkläre mich schuldig. Es tut mir alles leid“, räumte der 56-jährige Hauptangeklagte aus Lichtenfels zu Beginn der Verhandlung ein. Er sei 2016 arbeitslos und krank geworden und habe deshalb kein Geld mehr für Futter gehabt. 2014 hatte er zwei Ställe am Ortsrand von Medebach angepachtet, um mit Bioziegen etwas hinzuzuverdienen. 157 Tiere habe er zeitweise gehabt. Da er selber keine Fachkenntnisse hatte, habe er einem befreundetem Schäfer die Betreuung übertragen, obwohl er gewusst habe, dass gegen diesen in Hessen ein bereits Tierhaltungsverbot ausgesprochen worden sei.

Nach Vorfällen im Sommer 2014 wegen nicht fachgerecht entsorgter Lamm-Kadaver sei auf dem Ziegenhof alles ordentlich verlaufen, bestätigten zwei Tierärzte vom HSK-Veterinäramt als Zeugen, die die Ställe daraufhin jedoch zwei bis drei Mal pro Jahr kontrollierten.

Abgemagerte und tote Tiere

Anfang Dezember 2016 alarmierten der Verpächter und ein Nachbar die Behörden, als immer mehr abmagerte und tote Tiere auf dem Gelände herumlagen. Zahlreiche Ziegen seien zu dem Zeitpunkt tot und teilweise schon mumifiziert aufgefunden worden, im Stall sei weder Einstreu noch Futter gewesen, sagte der zuständige HSK-Tierarzt aus. Die 55 überlebenden Tiere sollten daher abgeholt werden.

Der bereits beauftragte Tierhändler aus dem Münsterland musste jedoch umkehren, weil der Angeklagte das Eigentum an der Herde zum Schein auf die Ehefrau des Betreuers übertragen hatte. Er habe das arbeitslose Ehepaar und seine acht Kinder jahrelang unterstützt und die Frau im Gegenzug um diesen Gefallen gebeten, „um mein Geld irgendwie zu retten“. „Wir haben es hier mit Leuten zu tun, die in ihrem Verständnis reduziert sind“, antwortete der Verteidiger auf die Frage von Richter Ralf Fischer, ob die Eheleute dabei kein Unrechtsbewusstsein gehabt hätten. Die Frau gab an, die Ziegen bis zur endgültigen Abholung Ende Januar 2017 nicht mehr gesehen zu haben. Sie habe aufgrund ihres kranken Ehemannes und der großen Familie gar keine Zeit dafür gehabt, sondern sei nur bis zum Sommer 2016 ab und zu auf dem Hof gewesen, damit die Kinder die Ziegen streicheln konnten.

Diese Aussage wurde jedoch von mehreren Zeugen widerlegt, die sie im Dezember und Januar vor Ort angetroffen hatten. Dennoch konnte die Frau nach Auffassung des Gerichtes rechtlich nicht belangt werden, weil sie die im Vorfeld geschehene Vernachlässigung der Tiere nicht zu verantworten hatte.

Unangemeldet kontrolliert

Das Veterinäramt gab an, die Ställe erst Ende Januar geräumt zu haben, weil die Ziegen nach der Anzeige im Dezember zwischenzeitlich wieder gefüttert wurden, Wärmelampen zur Verfügung hatten und daher Hoffnung auf Besserung der Zustände bestanden habe. Der Hof wurde in dieser Phase zwei- bis dreimal pro Woche unangemeldet kontrolliert. Der Tierhändler, der die Ziegen letztlich abholte, sagte aus, einen so erbärmlichen Tierbestand noch nicht gesehen zu haben.

Von Rita Maurer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.