Steuerung über Monitor

Lichterkirche in Rattlar: Besucher wählen Farbe und Musik selbst

+
Die Lichterkirche ist seine Herzensangelegenheit: Pfarrer Ulf Weber hatte die Idee zu der Farbgebung. Besucher können selbst wählen, in welchem Licht der Altarraum erstrahlen soll. Je nach Stimmung bieten sich unterschiedliche Farben an.

Rattlar. Ein Fingertipp und der Altarraum erstrahlt in Violett. Ein Klick, und die LED-Lampen sorgen für ein sonniges Gelb. Die Kirche in Rattlar wurde zur Lichterkirche umgestaltet. Pfarrer Ulf Weber stellt sie vor.

Auf Wunsch erklingen aus den Lautsprechern dezente Musik, Psalme und Impulse. Jetzt kann jeder Besucher der Rattlarer Kirche selbst entscheiden, wie die Kirche erstrahlen soll. Über einen Monitor steuert er Licht und Musik.

Das vor 60 Jahren errichtete Gotteshaus ist zu einer Lichterkirche geworden, wie sie laut Pfarrer Ulf Weber in Deutschland einmalig ist. Am Sonntag wird die Kirche ab 18 Uhr mit einem Gottesdienst eingeweiht. „Wir begeben uns mit der sanierten Kirche auf zwei neue Wege“, erklärt Weber. Der erste Weg ist die Farbgebung. Bisher war die in der kleinen Kirche ganz klar geregelt: Die Wände sind Gelb, die Bänke Grün. Nach der Sanierung ist beides in Weiß gehalten.

Mit der LED-Technik zieht eine „dezente Farbgebung“ in die Kirche ein. Acht Grundfarben hat Pfarrer Ulf Weber ausgewählt. Sie sollen auch in Gottesdiensten eingesetzt werden. „Damit können wir den Altarraum liturgisch untermalen“, erklärt er.

Der zweite Weg ist ein neues Kirchensystem, das Weber entwickelt hat. Dahinter steht die Frage, wie Kirche außerhalb der Gottesdienste gestaltet werden kann und was Gläubigen wichtig ist. Weber stützt sich auf die Erfahrungen mit der Schwalefelder Pilgerkirche. „Menschen wollen ihre Stimmungen und Emotionen in der Kirche aufgenommen wissen“, sagt Weber. Sie suchten nach Möglichkeiten, sich von Gott in ihrem Alltag, ihrer Trauer, ihrem Zorn und ihrer Freude ansprechen zu lassen.

Was abstrakt klingt, wird auf einem Monitor in der Kirche konkret. Besucher werden durch das Menü geleitet und können zwischen verschiedenen meditativen Programmen wählen. Das Spektrum reicht von Traurigkeit über Dank, Kraft schöpfen und Zorn.

Selbst eingesprochen 

Die Rattlarer Kirche ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Termine können unter Telefon 05632-927202 abgesprochen werden.

Pfarrer Weber tippt auf „Freude“. Der Altarraum wird gelb, rot und grün beleuchtet, Musik setzt ein, aus dem Lautsprecher klingt Pfarrer Webers Stimme. „Woher kommt die Freude? Was war vor der Freude“, fragt die Stimme. Pfarrer Weber hat die Andachten, Psalmen, Meditationen eingesprochen. Jedes meditatives Programm dauert zwischen fünf und zwölf Minuten. Es gibt Programme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie passende Impulse zu den Kirchenjahreszeiten.

13.600 Euro hat die Farbgebung gekostet, das Kirchensystem schlug mit 3600 Euro zu Buche. Alle Ausgaben wurden von Sponsoren und Spendern gestemmt. Pfarrer Weber ist gespannt, wie die Gemeinde und die Besucher die neue Kirche aufnehmen. „Wir haben ein gewaltiges Potenzial mit unseren Kirchenräumen“, erklärt er. „Das sollten wir nutzen.“

Von Anke Laumann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.