Jetzt ist seine Identität geklärt

Luftangriff auf Sperrmauer: Soldat rettete Mann und ertrank selbst

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Die zerstörte Sperrmauer am Mittag des 17. Mai 1943: Durch die Öffnung stürzten riesige Massermassen in das Tal.

Affoldern. Während des Luftangriffs auf die Edersee-Sperrmauer rettete ein bislang unbekannter Soldat einen Mann aus der Flut und ertrank dann selbst. Jetzt ist seine Identität geklärt.

Während eines Luftangriffs am 17. Mai 1943 wurde die Edersee-Sperrmauer im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt. Die Detonation einer in England speziell entwickelten Rollbombe hatte ein 60 Meter breites und 22 Meter tiefes halbovales Loch in die Talsperre gerissen, durch das sich eine bis zu neun Meter hohe Flutwelle in das Tal ergoss.

Erinnerungstück: Helga Strätz zeigt ein Foto aus glücklichen Tagen, auf dem ihre Mutter Emmi, sie selbst, Vater Ernst und ihr Bruder Horst (von links) zu sehen sind. Foto: Klein

In den unterhalb der Sperrmauer gelegenen Dörfern und sogar noch in Kassel starben infolge des Luftangriffs 47 Menschen. Ein weiteres Opfer, ein als unbekannter Soldat beschriebener Mann aus Sooden-Allendorf, wurde namentlich nicht genannt.

Eintrag im Kirchenbuch 

Nur ein Eintrag im Affolderner Kirchenbuch erinnert an diesen Mann. Pfarrer Eduard Stracke berichtet darin, dass der Soldat Konrad Böttchers Schwiegersohn aus den Fluten ziehen konnte. Doch bei seinem zweiten Rettungsversuch, den 74-jährigen Konrad Böttcher aus dem Wasser zu ziehen, seien der Soldat und Konrad Böttcher von der starken Strömung mitgerissen worden und ertrunken.

„Der unbekannte Soldat war mein Vater Ernst Weber“, berichtet Helga Strätz aus dem Kasseler Stadtteil Wehlheiden. Sie bringt damit Licht in das Dunkel um den in Edertal unbekannten Mann. Das Schicksal ihres Vaters sei durch die HNA-Serie 100 Jahre Edersee wieder stärker in ihr eigenes Bewusstsein und das ihrer Familienangehörigen zurückgekehrt. „Er war 43 Jahre alt und hatte als Feldwebel Dienst an der Sperrmauer“, erzählt Helga Strätz, die im Alter von fünf Jahren ihren Vater verlor.

In Affoldern richtete die Flut die größten Schäden an. Allein dort starben zehn Menschen und ein bislang unbekannter Soldat.

Welchen militärischen Auftrag Ernst Weber am Edersee hatte und zu welcher Einheit er gehörte, das kann seine Tochter nicht beantworten. „Meine Mutter und meine Großmutter haben sich oft über ihn unterhalten. Aber auch sie wussten offenbar nichts über die militärischen Begleitumstände, und warum er in dieser Nacht in Affoldern war“, sagt die 76-Jährige.

Große Probleme 

Ein Kamerad ihres Vaters habe ihrer Mutter später davon berichtet, dass Ernst Weber jemanden in Affoldern retten wollte, aber dabei selbst ertrunken sei. Sein Tod stellte die Familie vor große Probleme. „Meine Mutter Emmi stand mit meinem Bruder Horst und mir sowie ihrem Frisörgeschäft alleine da. Doch glücklicherweise standen ihr meine Großeltern so gut es ging hilfreich zur Seite.“ Ihr Vater Ernst sei auf dem Friedhof im Stadtteil Bad Sooden beerdigt worden. Am Gefallenendenkmal erinnert ein Sandsteinkreuz mit seinem Namen an ihn.

Von Uli Klein

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