Junge Flüchtlinge müssen Weihnachten ohne Eltern feiern

Ohne Eltern in Deutschland: Der 15-jährige Mahdi Gholami (Mitte) kommt aus Afghanistan. Zusammen mit Gruppenleiter Ro Alognon (links) und Bernhard Fladung (rechts), der für das Haus „Madiba“ zuständig ist, feiert er zum ersten Mal Weihnachten. Foto:  Bülau

Höringhausen. Auf der Flucht wurde Mahdi Gholami von seiner Familien getrennt. Nun lebt er ohne Eltern in Deutschland. In Höringhausen hat er nun Hilfe gefunden - und Menschen, mit denen er gemeinsam Weihnachten feiern kann.

Mahdi Gholami ist 15 Jahre alt. Er wurde in Afghanistan geboren. Mit acht flüchtete er das erste Mal aus seinem Heimatland in die Türkei. Danach nach Griechenland. Seine Familie ist im Iran. Er wohnt seit dem 1. August im Haus „Madiba“ in Höringhausen.

Das Haus „Madiba“ ist eine Einrichtung von „Let’s go“, einem freien, konfessionell unabhängigen und gemeinnützigen Träger der Jugendhilfe. An 36 Standorten bietet „Let’s go“ 200 Kindern und Jugendlichen Hilfe an. Seit dem 1. August besteht ein Standort in Höringhausen - das erste Projekt, das sich um Flüchtlinge kümmert.

„Der Name „Madiba“ wurde in Anlehnung an Nelson Mandela gewählt. „Madiba“ ist auch der Name des Stammes, dem Mandela angehörte und bedeutet Versöhnung und Toleranz“, erklärt Gruppenleiter Ro Alognon.

Alognon kam zum Studium aus Togo nach Deutschland: „Ich stand in Bremen und wusste nicht weiter. Ich wusste nicht, wohin oder wo die Uni ist. Ich hatte nur 600 Euro in der Tasche“, erzählt Alognon. Auch deswegen kenne er die Behördenabläufe, die man beachten muss, wenn man nach Deutschland kommt. „Wir spielen nicht mit der Zukunft der Jugendlichen. Wir wollen eine Perspektive bieten“, erklärt er.

Das Haus in Höringhausen bietet neun Jugendlichen zwischen zwölf und 16 Jahren ein Zuhause, die aus ihrem Heimatland und ohne ihre Eltern flüchten mussten. Die Flüchtlinge kommen aus Eritrea und Afghanistan. „Uns ist wichtig, dass sich die Jugendlichen integrieren, aber trotzdem ihre kulturelle Identität bewahren“, sagt Bernhard Fladung von „Let’s go“, der für das Haus „Madiba“ zuständig ist.

In Höringhausen lernen die jungen Menschen Deutsch mit ihren Betreuern und haben zusätzlich einen pensionierten Deutschlehrer, der einmal in der Woche mit ihnen übt.

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, ist Ro Alognon überzeugt. Mittlerweile seien schon fünf von neun Jugendlichen eingeschult worden. „Einer hat sogar schon eine 1 in einem Deutschtest geschrieben und alle fünf mussten ein Referat halten, für das sie alle eine 1 bekommen haben“, erzählt Alognon stolz. Und das, obwohl manche erst ein halbes Jahr in Deutschland seien.

Weihnachten wurde in Höringhausen schon gefeiert: „Manche kannten Weihnachten vorher gar nicht, da sie einer anderen Religion angehören“, sagt der Gruppenleiter. Alle neun Flüchtlinge haben aber schon etwas geschenkt bekommen.

Von Maximilian Bülau

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